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Traumhafte Aussichten: Auf dem Weg zum Ebner Joch lugt zwischen den Kiefern immer wieder der Achensee hervor.

Traumhafte Wanderung

Im Rofangebirge: Aussichtsthron überm See

Das Ebner Joch gehört zu den Gipfeln, die man gerne mehrmals erklimmt. Wie ein Wächter erhebt sich der Berg in vorgelagerter Position am südlichen Rand des Rofan.

Schon während des kurzweiligen Anstieges staunt man über das großartige Panorama. Weiterer Pluspunkt der Unternehmung ist die „griabige“ Einkehr inmitten üppiger Almwiesen. Ein frühzeitiger Start für diese sonnseitige Tour ist aber ratsam. Denn dann genießt man den Weg hoch über Eben am Achensee in milder Morgensonne. Anfangs bilden lichter Kiefernwald und Wacholderbüsche die Kulisse und verströmen einen würzigen Duft. Auf der gegenüberliegenden Talseite drängt sich selbstbewusst der klobige Bärenkopf in den Vordergrund. Und wenig später zeigt sich zwischen den Baumwipfeln die rubinrote Turmspitze der Wallfahrtskirche St. Notburga.

Die Gemeinde Eben steht ganz im Zeichen der Heiligen Notburga, die laut einer Legende einige Wunder vollbracht hat. Sie war Dienstmagd bei Heinrich I. von Rottenburg und kümmerte sich ein Leben lang aufopfernd um die Armen, Behinderten und Kranken. Regelmäßig verteilte sie Reste der Speisen an die Bedürftigen. Als ihr die hartherzige Ehefrau von Heinrich I. dieses Verhalten verbot, legte Notburga Fastentage ein, um dann ihre eigene Ration den Armen zu geben. Durch das „Ochsen-Wunder“ kam Notburga schließlich nach Eben. Kurz vor ihrem Tod äußerte sie den Wunsch, dass sie dort begraben werden möchte, wo der Ochsenkarren, beladen mit ihrem Leichnam, stehenbleibt. Die Zug- ochsen hielten dann genau vor der Kirche in Eben…

Zillertal: Fantastische Einblicke in die Hochgebirgsregion

Weiter auf dem Wanderweg gelangt man auf die andere Seite des Ebner Berges. Plötzlich steht man auf den Bergwiesen der Alpe Astenau. Rote Sonnenschirme flattern lustig im Wind. Auf einem Grashügel unweit der Hütte thront malerisch die Notburga-Kapelle. Dahinter ragt im Latschenkleid das heutige Tagesziel empor. Freut man sich auf der Alpe Astenau noch über das wolkenlose Firmament, so stöhnt man wenig später in den engen Latschengassen über die Hitze: „Hoffentlich kommt die kleine Wolke da hinten bald näher“.

Die Schlüsselstelle der Tour lässt nicht lange auf sich warten. Ein sperriger, schroffiger Aufschwung will überwunden werden. Wer dieses Stück trittsicher meistert, erreicht sicher auch den Gipfel. Kurz vor dem höchsten Punkt muss man sich entscheiden: Entweder man nimmt den steilen direkten Anstieg oder man wählt eine flachere, etwas längere Variante mit dem Vorteil, dass man dem Achensee, gerahmt von Karwendelschönheiten, ins blaue Auge schauen kann. Am Gipfelkreuz des Ebner Joch angelangt, blickt man landschaftstrunken umher. Die markante „Skyline“ der Zillertaler- und Tuxer Alpen formt den Blickfang im Südosten, weiter links erspäht man den gezackten Kaiser. Das Bollwerk der Stubaier Alpen entdeckt man mit einer Kopfdrehung nach rechts. Und quasi hinter einem schaut man dem riffartigen Rofangebirge mitten ins Herz. Irgendwann kehrt das Zeitgefühl zurück und man macht sich an den Abstieg. Vielleicht strebt man nun dem kühlen Nass des Achensees entgegen. Oder man setzt auf eine Erfrischung von innen und lässt den Nachmittag gemütlich auf der Alpe Astenau ausklingen.

Von Doris Neumayr

Ebner Joch (1957 Meter)

Anfahrt – Auto: Autobahn A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Über Tegernsee zum Achenpass. Weiter B 181 über Achenkirch nach Maurach. Und weiter bis zu einem kleinen Parkplatz zwischen Maurach und Eben (für ca. 5 Autos, grünes Schild: „Astenau Alpe 1,5 h“). Ein großer Parkplatz (gebührenpflichtig) folgt nach 500 m auf der rechten Seite.
Bahn/Bus: Bhf. Jenbach, weiter per Regionalbus bis Eben (www.oebb.at; www.fahrplan.vvt.at).

Tour – 1000 Höhenmeter, Gehzeit: Aufstieg ca. 2:30 bis 3 Stunden, Abstieg ca. 1:45 Stunden, Gehstrecke insges. 7 km, einfacher schmaler Bergweg bis Alpe Astenau, im weiteren Verlauf grob steiniger Bergweg mit einzelnen schroffigen Passagen, die Trittsicherheit erfordern, aber nicht ausgesetzt sind, die Tour ist gut ausgeschildert. 

Aufstieg: Vom kleinen Parkplatz aus folgt man einen mäßig ansteigenden Weg nach rechts (Osten) durch lichten Wald. Bald überquert man eine Forststraße (Holzinfotafel, gelber Wegweiser: „Ebner Joch“). Nach vielen Serpentinen gelangt man auf die Wiesen der Alpe Astenau (1482 Meter) mit der Notburga-Kapelle. Zwischen dem Stall und den Hüttengebäuden leitet der Wanderweg nach links zu einer Verzweigung mit Schilderbaum. Hier hält man sich wieder an die Ausschilderung und steigt rechts bergan in die Latschenregion. Der grobsteinige Weg führt wenig später über eine schroffige geneigte Passage (ca. 5-6 m lang) und zieht dann wieder unschwierig in vielen Kehren aufwärts. 

In der Gipfelregion stößt man nochmals an einen Schilderbaum. Geradeaus führt der steile Weg zum Gipfel, nach links zieht in einer ausgedehnten Schleife eine flachere Variante zum Gipfel („leichter Aufstieg“). Man könnte in der flacheren Variante noch einen kurzen Abstecher zum Gipfelchen „Kirchenspitz“ machen. Der freistehende Gipfel „Ebner Joch“ wird über ein paar Geröllblöcke ohne Schwierigkeiten erreicht. Der Abstieg verläuft über die gleiche Route.

Einkehr – Alpe Astenau (1482 m), durchgehend warme Küche, ohne Ruhetag, Übernachtung nach tel. Reservierung möglich. Geöffnet 27. März bis 8. November 2015. Telefon: 0043 / (0)676 / 75 14 801; www.astenau.at

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