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Fast nordisch mutet die herbstliche Stimmung am späten Nachmittag am Großen Ostersee an – ein Paradies für Wanderer.

Ab in die Eiszeit! 

Romantische Herbstwanderung an den Osterseen

Wie das unerschöpfliche Spritztouren-Füllhorn Woche um Woche beweist, ist das Alpenvorland mit schönen Ausflugszielen gesegnet. Heute geht es von Iffeldorf nach Seeshaupt.

Zwischen Donau und Garmisch gibt es einige Plätze, an denen an schönen Sommerwochenenden einiges los ist – wie an den Osterseen südlich von Seeshaupt. Bereits in den 1980er-Jahren war hier der „Freizeit-Druck“, wie Landschaftsökologen einen großen Besucheransturm auch nennen, so groß, dass viele Uferbereiche mit Zäunen abgesperrt werden mussten, um den eigentlichen Anwohnern – vor allem den im Schilf brütenden Wasservögeln – Rückzugsmöglichkeiten zu bieten. Zwischenzeitlich hat sich der „Zielkonflikt zwischen Naturschutz und Erholung“ soweit eingependelt, dass sowohl die Fauna, als auch Badegäste am Großen Ostersee & Co. auf ihre Kosten kommen. 

Wer die Osterseen aber als echte, vielleicht sogar einsame Idylle erleben möchte, sollte sie an einem schönen, kalten Novembertag besuchen und der Umwelt zuliebe dem hier beschriebenen Weg folgen: Mit unterschiedlichem Ausgangs- und Endpunkt funktioniert diese Wanderung nämlich am besten bei einer Anreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, was sowohl die persönliche CO2-Bilanz als auch das Auto schont. Quasi als Belohnung bekommt man vom Bahnhof Iffeldorf her kommend gleich zu Beginn der Tour mit Fischkalter- und Bräuhaussee zwei hübsche Toteislöcher zu Gesicht. 

Die sogenannte „Eiszerfallslandschaft“ der Osterseen entstand am Ende der Würmeiszeit vor etwa 10 000 Jahren. Der große Isar-Loisach-Vorlandgletscher war zurückgeschmolzen und hinterließ in seinem Zungenbecken – Ammersee, Starnberger See und Wolfratshauser Becken – große Toteismassen. An deren Ränder wurde durch Schmelzwasser transportiertes Geröll abgelagert. Die weniger mächtige Toteismasse im Bereich der heutigen Osterseen schmolz schneller ab und zerfiel dabei in einzelne Blöcke, zwischen die ebenfalls Geröll sedimentiert wurde. Das vollständige Verschwinden dieser Eisklötze hinterließ schließlich Hohlformen unterschiedlicher Größe. Nachdem auch die letzten Gletscherzungen abgeschmolzen waren, wurden die Hohlformen nicht mehr mit Geröll zugeschüttet. Sie liefen mit Wasser voll und bilden heute 20 Einzelseen! 

Der dritte auf unserer Tour ist der im Winter besonders bezaubernde Fohnsee. Von dort ist es ein Katzensprung zum größten und daher namensgebenden „Großen Ostersee“. Wer glaubt, die hübschen Gewässer wurden am höchsten römisch-katholischen Fest entdeckt, liegt freilich daneben. Vielmehr kommt „Oster“ vom althochdeutschen Adjektiv „star“, was soviel wie „im Osten befindlich“ bedeutet. Was den Gedanken nahe legt, dass die Namensgeber in der Gegend des heutigen Eberfing siedelten. Dadurch schließt sich der eiszeitliche Formenschatz: Denn die langgestreckten Hügel des bei Geografen berühmten Eberfinger Drumlinfeldes wurden ebenfalls vom Isar-Loisach-Gletscher in Stellung gebracht.

Von Michael Pröttel

Von Iffeldorf nach Seeshaupt

ANFAHRT – Bahn: Stündliche, direkte Verbindung von München Hbf. mit der Regionalbahn Richtung Kochel mit Halt in Staltach / Iffeldorf (Fahrtzeit ca. 45 Minuten). Zurück vom Bhf. Seeshaupt. Auto: A 95 München – GAP, Ausfahrt Penzberg / Iffeldorf. Parken am Bahnhof. Zurück mit Bahn Seeshaupt – Iffeldorf.

TOUR – Man geht über den Parkplatz, an der Straße links und folgt rechts der Straße, die zum Fußballplatz führt. Man geht am Vereinshaus entlang, dahinter links und gleich wieder rechts. Kurz darauf stößt man auf einen Fahrweg, dem man kurz nach links folgt. Bald zweigt rechts ein Fußweg in den Wald ab, über den man zum Fischkaltersee gelangt. Es geht ein Stück am Ufer entlang, dann über einen schmalen Wurzelweg vom See weg. Kurze Zeit später wandert man am Bräuhaussee vorbei. An Gabelung leicht links halten. Man stößt auf einen breiteren Weg und folgt ihm rechts bis zu einem Parkplatz. Hier links, man stößt auf einen Teerweg und folgt ihm rechts ins Gelände des Campingplatzes. Man wandert gerade hindurch, dahinter über eine Brücke. An der folgenden Gabelung geradeaus, an der nächsten links, wodurch man am Fohnsees entlang spaziert. Schließlich stößt man auf einen breiten Weg und folgt ihm rechts Richtung „Ostersee Rundweg“. Nun geht es mal direkt, mal leicht entfernt zum Ufer des Großen Ostersees nach Norden weiter. Nach einiger Zeit erreicht man eine Wiese. An ihrem Ende geht es rechts eine Alle hinauf und an der Wandertafel links. Man folgt dem Rundwanderweg weiter (An einem Ww. nicht rechts nach Seeshaupt abbiegen!) bis man auf eine Teerstraße trifft. Hier rechts und gleich wieder links in einen Forstweg (Schranke). An der nächsten Gabelung rechts und an der nächsten Wegkreuzung geradeaus. Bald trifft man auf den Ferchensee-Rundweg. Hier wieder zweimal halbrechts (Schilder: Landschaftsschutz- bzw. Wasserschutzgebiet). Ab jetzt folgt der Weg den Gleisen und führt als Teerstraße zum Bahnhof Seeshaupt. Gehzeiten: 3 Std.; Strecke: 7 Km. Start: Bhf. Iffeldorf; Ziel: Bhf. Seeshaupt; Karte: Kompass-Karte Murnau-Kochel.

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