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Ron Rauscher in seinem Element: Als Songwriter komponierte er Songs unter anderem für Andreas Prielmaiers Film "Deep Night".

Im Interview mit Andreas Prielmaier

Ron Rauscher: Morricone in Jogginghosen

Ron Rauscher ist Musiker, Songwriter und Produzent. Für den Freeride-Film "Deep Night" hat er den Song "Join me" komponiert. Im Interview erzählt das Multitalent von seiner Arbeit.

Ron, was bedeutet für Dich Musik?
Das ist in ein paar Sätzen sehr schwer zu beantworten, ohne pathetisch zu klingen. So etwas wie der Mittelpunkt in meinem Leben, Leidenschaft und Hingabe. Musik bereichert mein Leben, auch nach zig tausend Stunden des Musikmachens und -hörens. Wenn ich eine alte Hendrix-, Zeppelin- oder Meters-Scheibe höre, löst das immer noch ähnliche Gefühle aus wie damals als Jugendlicher, als ich diese Musik zum ersten Mal hörte, fühlte und lieben lernte. Die Energie, die Magie und der Spirit lassen einen nie wieder los. Ich wollte schon in recht jungen Jahren Musiker sein – oder vielmehr werden. Musiker ist mein Traumjob. In allen Bereichen: live spielen, produzieren, mischen, mastern.

Seit wann machst Du selbst Musik?
Mit sechs oder sieben Jahren hab ich angefangen, auf der Gitarre zu spielen. Ohne Lehrer wohlgemerkt. Ich habe sehr viel geübt als kleiner Bub. Mit 13 Jahren hatte ich meine erste Band. Mit 17 oder 18 war ich quasi Profi. Ich begann damit, mir mein Leben als Gitarrist und Sänger, später als Songwriter und Produzent zu finanzieren. Das mache ich bis heute, wobei ich meine musikalischen Interessen und Tätigkeitsbereiche ständig erweitere, weil ich einfach gnadenlos neugierig bin. Musik ist für mich ein ganzes Universum, von all dem ich bis jetzt gerade mal meinen eigenen Planeten erkundet habe.

Wie bist du dazu gekommen?
Als aktiver Musiker war ich viel in diversen Tonstudios unterwegs, als Studiomusiker für Funk, Film und TV. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt über die Musikproduktion. Ich habe zugeguckt und vor allem zugehört, was man mit all den Geräten anstellen kann. Irgendwann war das Equipment, mit dem man professionelle Recordings in kleineren Projektstudios machen kann, so gut und erschwinglich, dass man keinen riesigen Kredit mehr aufnehmen musste, um ein meterlanges Mischpult zu kaufen. Also bin ich auf den Harddisk-Recording-Zug aufgesprungen, das war 2003. Als ich meine ersten Demos selbst aufgenommen habe, war ich enttäuscht, weil das nicht so geklungen hat wie bei den Red Hot Chili Peppers. Jetzt elf Jahre später, klingt‘s immer noch nicht so, aber fast (lacht).

Wie wichtig ist die Musik bei einem Film?
Mindestens 50 Prozent eines Films macht die Musik aus, das Ohr sieht quasi mit. Die Stimmung wird sehr stark durch den Rhythmus, die Klangfarbe, die Energie der Musik transportiert, in der Regel mehr als durch die Bilder. Man stelle sich alte Edgar-Wallace-Filme ohne die Psycho-Musik vor oder "Spiel mir das Lied vom Tod" ohne den Sound von Ennio Morricone. Das wäre ziemlich statisch und ein ganz anderer Film. Musik in Filmen liefert einem quasi eine zweite Ebene der Illusion.

Den Song "Join me" hast Du ja extra für den Film "Deep Night" produziert. Wie muss man sich das vorstellen? Und wie lange das gedauert?
Von der Idee bis zum fertigen Master drei bis vier Tage. Der Kunde – Du in diesem Fall (lacht) – nennt mir, nachdem er mir den Film geschickt hat, seine Vorstellungen. Das betrifft den Style der gewünschten Musik und eben Länge des Songs/Films. Hilfreich sind auch diverse Referenz- Tracks, die dem Filmproduzenten stilistisch gefallen. Als nächstes orientiere ich mich am "Flow" des Films, der Stimmung und an den Schnitten. Diese geben den Rhythmus vor, und von hier aus ergibt sich für mich das Tempo, das der Song haben wird und die Inspiration zum passenden Style. Dynamisch zu bleiben war das Ziel. Was die Schlussszene im Pub darstellt. Meistens hat man nach einem oder zwei Tagen einen groben Entwurf des Songs. Gefällt der dem Kunden, ist das gleichzeitig die Vorlage für die Sängerin/Texterin. Während ich an den Feinheiten des Songs weiterarbeite, schreibt meine Lebensgefährtin, die Sängerin Anna Leyne, den Text und entwirft den Gesang. Der Song geht nach der Aufnahme des Gesangs in die Mixphase, in der alle Elemente in ein ausgewogenes Mischungsverhältnis gebracht werden. Danach geht’s zum Mastern. Das ist die letzte Instanz, bevor der Song veröffentlicht wird. Sozusagen die Veredelung des kompletten Tracks in Sachen Lautstärke, Ausgewogenheit und Brillanz.

Ich wollte Dich schon fragen, wer die Sängerin ist.
Ja. Anna und ich, wir sind eigentlich ein Produktionsteam. Ich darf mir nicht alles auf die Fahne schreiben. Von ihr kommt unglaublich viel Input und Unterstützung. Wie gesagt, wir leben und produzieren unter einem Dach, was das gemeinsame Arbeiten erleichtert und viel Zeit spart. Ihr Studio ist ein Stockwerk unter meinem. So können wir bequem miteinander kommunizieren und in Jogginghosen zur Arbeit gehen (lacht). Anna würde jetzt sagen: „Natürlich läuft ausschließlich Ron in Jogginghosen herum.“ Anna schreibt selbst viele Songs. Unter anderem auch mit dem Nürnberger Produzenten Peter Hoppe/Slackwax. Der Song "Close to my fire" der beiden wurde von Bluesrock-Großmeister Joe Bonamassa und Beth Hart auf deren Album "Seesaw" gecovert und erlangte 2014 eine Grammy-Nominierung. Das nenne ich mal ‚nen Ritterschlag.

Wie sieht die Zukunft aus?
Wir hoffen natürlich, dass wir als Produktionsteam noch viele interessante Aufträge bekommen. Erst letztes Jahr haben Anna und ich ein ganzes Musical komplett komponiert. Dabei haben wir gar keine Musical-Erfahrung. Das war ein interessanter und unterhaltsamer Auftrag, der uns durch alle Genres der modernen Musik gejagt hat. Das hat unheimlich viel Spaß gemacht. Es nennt sich "Starlight, the next Generation" - quasi eine Weiterführung des alten "Starlight Express". Zudem hoffe ich, dass gute Musik wieder mehr wertgeschätzt und nicht als kostenlose Tauschware privat und im WWW verteilt wird. Denn dann wird die Sache wirklich brotlos, was eh die meisten denken. Qualitativ gute Musik herzustellen, kostet nun einmal Zeit, Mühe, mehr oder weniger teure Equipments und bedarf eines gewissen Könnens, das nicht vom Himmel fällt. Und das hat und muss seinen Preis haben.

von Andreas Prielmaier

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