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Auf einen stillen Gipfel in den Ammergauer Alpen.

Auf einen stillen, wilden Gipfel in den Ammergauer Alpen

Ins rosarote Meer

Während in üppigen Blumenwiesen die Bauern rund um Lähn werkeln, was das Zeug hält, bekommt man fast ein schlechtes Gewissen, zieht man wochentags in Wanderkluft bergwärts.

Dass es Lähn, den kleinen ruhigen Ort in der Region Außerfern überhaupt noch gibt, ist nur den fleißigen Händen seiner Bewohner zu verdanken. Gleich zweimal – 1456 und 1689 – ist eine riesige Lawine ins Tal gedonnert und hat Menschen, Tiere und Häuser verschüttet. In einer Chronik gegenüber der Dorfkirche liest man: „Aus dem Wiestal ist die Staublähn herabgeschossen, die wenigen Überlebenden wurden erst nach Tagen ausgegraben. Darunter ein Weib in einem Krautfaß und ein Kind in der Wiege.“

Zum Glück befinden wir uns mitten im Sommer, so droht also keine Gefahr, wenn der Wanderweg Richtung Wiestal zieht. Dass die Ammergauer Berge neben beliebten Paradegipfeln auch stille Ziele bieten, beweist das heutige Tagesziel. Zwischen „Pflichtbergen“ fristet das Kleine Pfuitjöchle ein Mauerblümchen- Dasein und erhält nicht allzu viel Besuch, obwohl der Gipfel für mindestens 5 Personen ein Pausenplätzchen bereit hält, einschließlich 360- Grad-Alpenrundschau.

Buntes Völkchen auf der urigen Alm

Blick vom Gipfel zum westlichen Nachbarn, der Hochschrutte.

Mit dem grasigen Farenegg-Rücken erreicht man ein Blumen-Eldorado. Ein Enzian-Meer breitete sich hier vor knapp zwei Wochen aus. Und die dichten Alpenrosenfelder waren kurz vor der Blüte. Im Juli dürfte sich ein rosaroter Teppich über Flanken und Kare spannen. Es ist wie das Aufblättern eines fantastischen Bilderbuches: im Osten prangen die Felswände der Mieminger. Dazwischen lugt mit Schneeflecken das Karwendel hindurch. Vis-à-vis erfreuen die sattgrünen Hänge der Pleispitze. Bei genauerer Betrachtung erkennt man westlich den markanten Allgäuer Gipfel Hochvogel. Erst beim imposanten Thaneller schließt sich der Reigen.

Sobald sich der Grasrücken verschmälert und aufsteilt, konzentriert man sich aber besser wieder auf den Wegverlauf, denn kurz vor der Gipfelkuppe geht’s markierungslos über eine schotterige Wiese und ein paar Felsbrocken zum höchsten Punkt hinauf. Wer auf dem Kleinen Pfuitjöchle noch nicht ausgelastet ist, ein Gipfelkreuz braucht und zudem schwindelfrei ist, wendet sich nach Westen. Über einen teilweise gesicherten Steig erreicht man in etwa 30 Minuten den Blattberg, der in vielen Karten auch Hochschrutte heißt.

Im Gelände zwischen Hebertaljoch und Kleinem Pfuitjöchle stößt man zwar auf einige spärliche Markierungen und Richtungsspuren, doch Wanderwege gibt es nicht. Deshalb steigen wir zunächst die Aufstiegsroute bis zur Forststraße hinab und hängen einen „Einkehr-Schlenker“ hinten dran.

Auf der gemütlichen Bichlbacher- Alm tummelt sich ein buntes Völkchen: Mountainbiker, Spaziergänger und Bergsteiger... Frisch gestärkt und ausgeruht macht man sich an den Abstieg, während die Augen über die Bergspitzen gleiten und schon nach einem neuen Wanderziel Ausschau halten...

Von Doris Neumayr

KLEINES PFUITJÖCHLE (2135 M)

Anfahrt:

Auto: A 95 München-GAP bis Autobahnende. Weiter Richtung GAP/Fernpass. In Ehrwald Richtung Reutte. Rechts nach Lähn. Am Ortsanfang/-ende findet man einige Parkplätze. Bahn: München-GAP-Lähn.

Tour:

Insgesamt 1030 Höhenmeter. Gehzeiten: Aufstieg ca. 3 Stunden, Abstieg ca. 2,5 Stunden. Aufstieg: In Lähn (1112 m) auf Hauptstraße (Unterdorf) bis Bahnübergang und über die Gleise zum gelben Schilderbaum. Jetzt Richtung: „Bichlbacher Alm“, „Blattberg“ auf Fahrweg am Marterl vorbei. Über Wiesen bergan zur nächsten T-Kreuzung. Hier rechts (Schild „Bichlbacher Alm“, „Blattberg“) auf Karrenweg, der bald in einen Wanderweg mündet. Der Weg leitet über Wiesen, Schneisen und durch Jungwald an kleinen Hütten vorbei. Nach einem Holzgatter (Schild: Bichlbacher Alm) über eine Lichtung geradeaus empor. Man trifft auf eine Forststraße, dort links (Schild: Blattberg). In der ersten Forststraßenkehre links auf Weg mit Holzgeländer (Markierung rot-weiß). Über diesen Weg einen Waldkamm hinauf. Man überquert die Forststraße und steigt einen markanten Kammaufschwung empor (Schild: Blattberg). Der schmale Kamm verbreitert sich und geht in einen flacheren Wiesenrücken (Farenegg) über. Am Schilderbaum Richtung Blattberg. Die Gipfelkuppe des Kl. Pfuitjöchle ist bereits gut sichtbar. Trittspuren führen über den Wiesenrücken, der in einen steilen Kamm mündet. Rote Markierungen leiten hinauf. Direkt vor der steilen Gipfelkuppe nach rechts über eine Grasfläche. Über Trittspuren oder weglos von Osten in wenigen Minuten zum Gipfel. Abstieg: Wie Aufstieg oder mit Gegenanstieg (40 m) über Bichlbacher Alm. Absteigen bis zur Forststraße, auf dieser zur Alm. Achtung: Ein Abkürzer führt dort, wo die Zugseile der Materialseilbahn die Forststraße kreuzen in wenigen Minuten zur Alm hinauf. Nach Einkehr über Abkürzer-Wegerl entlang der Materialseilbahn hinab zur Forststraße. Diese überqueren und auf einem Pfad (keine Markierung) abwärts bis Karrenwegkreuzung (Hütte). Hier rechts über einen Bach, bald auf eine Wiese. Der Karrenweg mündet in einen Pfad, der zum Holzgatter führt, das man schon vom Aufstieg her kennt. Ab dort auf bekannter Route zurück.

Charakter:

Die Wanderung ist leicht und sonnig (schmale Wege, kurz auf der Forststraße). Im Gipfelbereich ist Trittsicherheit nötig und Orientierungsfähigkeit im weglosen (unschwierigen) Gelände.

Einkehr:

Bichlbacher Alm (1591 m; 10.6.- 15.10.; Ü. auf Anfrage; Mo. Ruhe; T.: 0043 / 664 /799 4493).

Karte:

Kompass 4, Füssen, Außerfern; 1:50 000

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