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Stiller Zauberberg mit sagenhaftem Panorama: Der 1423 Meter hohe Rosengarten ist zwar ohne große Anstrengung, aber nur auf etwas versteckten Wegen zu erobern.

Unterammergau

Der Rosengarten - ein geheimnisvoller Kraftort

Rosengarten! Da denken Bergfexe sofort an das imposante Massiv in den Dolomiten. Doch auch wenn das namensgleiche Gipfelchen bei Unterammergau...

...in Höhe und Anmutung eher bescheiden daherkommt, scheint er dennoch etwas ganz Besonderes zu sein. Für manche ist er gar so etwas wie ein Zauberberg – und vielleicht versteckt er sich daher auch ein wenig in den Ammergauer Alpen.

Der Gipfel ist nicht ausgeschildert, er will entdeckt werden, macht ein Geheimnis aus seiner Existenz. Am Ende gibt es nicht einmal einen vorgeschriebenen Weg, und vermutlich ist das schon eine erste Metapher: finde deinen eigenen Weg – am Berg und im Leben!

Der Rosengarten gilt bei Menschen, die ein Gespür für derartige Dinge haben, als ein Kraftplatz. Es ist ein stiller Ort, und manchmal Ziel von Bergfreunden, die das Wandern mit dem Meditieren verbinden. Der Berg-Coach Karl Wiesner ist einer von ihnen, führt immer wieder Gruppen hinauf, um dort oben zur Besinnung zu kommen. Für Wiesner ist der Rosengarten eine Art Kraftplatz: „Es ist nicht nur ruhig da oben, ich hatte auch das Gefühl, dass man da seine Wünsche ans Universum senden kann. Es ist wie ein Spalt in der normalen Welt durch den die größere Realität hindurchschimmert.“

Wem das zu esoterisch ist, der kann natürlich auch ganz einfach eine wunderbar beschauliche Wanderung genießen. Während man im ersten Teil der Route noch auf breiten, vielbegangenen Forstwegen wandert, wird es oben weglos, und einsam. Über eine steile Wiese geht es schließlich zum weiten Gipfelplateau mit einem kleinen Kreuz.

Herrlich: die Wasserfälle und Gumpen in der Schleifmühlenklamm.

Schwierig ist der weglose Anstieg an keiner Stelle. Auch wenn der Gipfel nur 1423 Meter hoch ist, staunt man über die hervorragende Aussicht. Gegenüber reihen sich die Ammergauer Gipfel auf, der Teufelstättkopf grüßt herüber und auf der Nordseite öffnet sich das weite Voralpenland. Nach einer Gipfelrast bietet sich dann noch die weglose Überschreitung hinüber zum Bremeneck an. So kann man eine Rundtour machen und über die Kühalpe absteigen.
Das Wandervergnügen kommt also auch nicht zu kurz bei dieser Tour. Besonders, wenn man beim Aufstieg oder Abstieg den breiten Forstweg verlässt und den ausgeschilderten Steig durch die Schleifmühlenklamm wählt. Diese Variante erfordert ein Minimum an Trittsicherheit, doch die herrlichen Gumpen und Wasserfälle belohnen gerade an heißen Sommertagen jede Anstrengung mühelos.

Die Rundwanderung ist eine ideale Tour, wenn man – wie Karl Wiesner es ausdrückt – „das Chaos im Kopf“ mal wieder ordnen will. Ob sich einem dabei wirklich die Mystik des Ortes eröffnet oder ob man einfach „nur“ die herrliche Gegend erleben möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Doch der Reiz, einmal ganz bewusst ausgetretene Pfade zu verlassen, ist verführerisch und macht den Rosengarten zu einem wahrlich lohnenden Ziel.

Von Bernhard Ziegler

ROSENGARTEN (1423 M)

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen, Ausfahrt Murnau. Über Murnau und Bad Kohlgrub weiter nach Unterammergau. Am südlichen Ortsende geht’s von der Dorfstraße in den Liftweg. Am Gasthof Schleifmühle vorbei zum gebührenpflichtigen Wanderparkplatz.

TOUR – Gleich am Anfang gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man nimmt die bequeme, aber etwas langweilige Forststraße Richtung Pürschlinghaus, oder man wendet sich ca. 100 m hinterm Parkplatz nach rechts (Ww. Schleifmühle) und wandert hier auf der teilweise gesichertem Steig durch die Schleifmühlenklamm. Nach gut 500 m trifft auch die parallel verlaufende Klammroute auf die Forststraße. Nach weiteren 500 m erreicht man eine Verzeigung. Hier rechts Richtung Pürschlinghaus. Man überquert eine Brücke und wandert über Serpentinen hinauf zu einem kleinen See.

Direkt gegenüber findet man einen nicht markierten Karrenweg, der zu einem Forstweg abkürzt. Schon kurz danach kommt man an eine Hütte (Bergwachthütte); hier verlässt man den Forstweg und nimmt den Weg ganz rechts. Auf einem Karrenweg parallel zur Kurztallaine. Nach bereits 150 m überquert man den Bach und wandert auf der anderen Seite durch einen Waldstreifen. Man bleibt auf dem holprigen, aber deutlich ausgeprägten Weg, bis er in freiem Gelände endet. Hier rechts, weglos über Gipfelwiese empor, bis man das Plateau mit kleinem Kreuz erreicht.

Abstieg: Um eine Rundtour zu machen, wird das kleine Bremeneck noch mitgenommen: Vom Gipfel weglos nach Westsüdwest in den Wiesensattel zwischen Rosengarten und Bremeneck hinunter, dann folgt man dem sanften Ostrücken hinauf zum kreuzlosen Mini-Gipfel. Jetzt weiter weglos über den Rücken Richtung Süden in einen kleinen Sattel. Hier findet man einen zunächst noch undeutlichen Weg. Über ihn empor, und dem jetzt deutlichen Weg folgend bis man an eine Forststraße kommt. Hier links, an der Kühalm vorbei, und dann immer auf dem Weg bleibend bis man bei der Bergwachthütte auf die Anstiegsroute trifft.

Tourdaten: 550 Hm; Gehzeit: 1,5 Std. Auf-, 1 Std. Abstieg.

KARTE – Kompass-Karte 7, Murnau, Kochel.

TIPPS – GPS-Track der Tour kostenlos: www.tourentipp. de; Geführte Bergmeditationen: www.berg-meditation.de

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