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Auf dem Nordgrat der Hochblasse erreicht die Wanderin bald den Gipfel. Hinten links grüßt die 1972 Meter hohe Krähe herüber.

Im gräsernen Meer

Ruhige Bergwanderung führt tief ins Ammergebirge

Auch wenn sie die Zweitausendergrenze grad nicht erreicht, die Hochblasse steht dem bekannten Nachbarn, der Hochplatte, kaum nach. Ruhiger ist es heroben und die breiten Gipfelflächen laden perfekt zum Sonnenbaden ein.

Dabei ist der Anstiegsweg zunächst der gleiche. Durch das schöne Roggental mit seinem Wildbach und kleinen Wasserfällen gewinnt der Steig schnell an Höhe. Mal geht es links, mal rechts überm Bachbett bergauf. Oben wendet man sich ganz nach links und durchsteigt die breite Wiesengasse, über der rechts die Hochplatte thront. Von der Hochblasse linker Hand sieht man zunächst nur die felsigen Nordostabbrüche. 

Scharen von Blauem Eisenhut begleiten einen bis hinauf in den Roggentalsattel. Hier verlässt man die markierten Wege, doch eine deutliche Spur zieht direkt links auf den Nordgrat der Hochblasse. An einer Schrofenflanke muss man kurz Hand anlegen, dann geht es gemächlich entlang des Gratrückens weiter. Noch einmal wird es ein wenig schmal und ausgesetzt, dann führt der Pfad durch Gras zum Gipfelkreuz empor. 

Im Süden zeigen die Kreuzspitze und der lange Grat der Geierköpfe das hochalpine Gesicht des Ammergebirges. Weiter rechts spitzt ein wenig der Plansee heraus. Direkt im Westen ragen nacheinander die Spitzen von Hohem Straußberg und Säuling auf. Die Weitsicht nach Norden wird durch die direkt gegenüberliegende Hochplatte und die spitze Krähe weiter links verdeckt. Dafür kann man sicher sein, dass auf dem Grat dieser Paradegipfel weit mehr Wanderer unterwegs sind als auf der Hochblasse. 

Rast am kleinen Gipfelkreuz mit Blick zu Kreuzspitze und Geierköpfen.

In Richtung des großen Steinmanns und dahinter laden weite Wiesenflächen zum Sonnenbad. Diese Wiesen bieten auch eine interessante Abstiegsalternative, mit der man die Tour zur Rundwanderung ausgestalten kann. Allerdings ist sie längere Zeit teils weglos, teils unmarkiert. Wer keinen Orientierungssinn hat, sollte daher entlang des Aufstiegswegs über den Nordgrat und durch das Roggental auch wieder absteigen. Ansonsten folgt man den weiten Wiesenflächen weglos in Richtung Südwesten. Fast fühlt man sich an ein „gräsernes Meer“ aus diversen Märchen erinnert. 

Im Sommer grast hier das Almvieh, im Winter sind hier Skitourengeher unterwegs. Am schönsten ist es im Herbst, wenn die langen Gräser im Wind schwingen und sich langsam ins Goldbraune verfärben. Richtung Süden enden die Wiesen bald in dichten Latschen. Und auch Richtung Südwesten werden die Latschen bald mehr. Doch wer sich an dieser Stelle den deutlichen Viehtritten anvertraut, wird bald einen deutlichen Steig entdecken. Der durchquert nun längere Zeit die Latschenfelder, doch bleibt er immer sichtbar. Bei einem gespenstisch anmutenden, abgestorbenen Baum geht es links steiler abwärts. So erreicht man rasch das Köllebachtal, wo man wieder auf einen regulären Wanderweg trifft. Bald erreicht man die zur Almsaison einfach bewirtschaftete Jägerhütte, bevor der Schützensteig über die unsichtbare Landesgrenze hinab zum Hotel Ammerwald führt, das schon auf Tiroler Boden liegt. Ein kleiner Wermutstropfen ist dann die Rückkehr zum Parkplatz. Doch der viel befahrenen Straße muss man nur kurz folgen, dann kann man auf Forstwege ausweichen, die zur gemütlichen Ammerwaldalm zurückleiten.

Von Christian Rauch

HOCHBLASSE (1989 METER)

ANFAHRT – A 95 / B 2 über Oberau und Ettal ins Graswangtal. An Schloss Linderhof vorbei bis Ammerwaldalm.

TOUR – Gehzeit: 4,5 bis 5 Stunden; 900 Höhenmeter. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Letztes Stück zum Gipfel nicht markiert, aber deutlicher Pfad. Verlauf: Ammerwaldalm Richtung Hochplatte; später rechts ins Roggental. Auf Steig erst am, dann hoch überm Roggentalbach bergauf. Bei Verzweigung links Roggentalsattel. Zwischen Massiven von Hochblasse links und Hochplatte rechts bergauf. Kurz vor Ww. „Kenzenhütte“ links und bergauf in grünen Sattel. Dort, wo geradeaus Schilder zu Krähe und Jägerhütte weisen, links auf unmarkierten Pfad. Bei einer steileren Schrofenflanke auf Steigspuren rechts queren und in Kehren aufwärts. Am Hochblasse-Nordgrat bergauf (eine ausgesetzte Stelle) zum Kreuz. Abstieg wie Aufstieg.

VARIANTE – Abstiegsvariante für Rundtour (etwas länger, teils weglos/unmarkiert, Orientierungserfahrung nötig!): Vom Kreuz hinüber zum großen Steinmann. Abwärts und über die weiten Wiesen schräg rechts (südwestlich) weglos hinab (Richtung Süden und Westen begrenzen bald Latschen die Wiesen). Solange auf dem Rücken Richtung Südwesten, bis auch hier Latschen beginnen. Auf Viehtritten in eine Latschengasse. Auf deutlichem Steig durch die Latschen, mal kurz ansteigend, am Rücken. Dann deutlicher bergab, bei einem toten grauen Baum links abwärts. Durch Latschen und Bäume bergab zu einer großen Wiese. Über ein Bächlein und über die Wiese zu einem Wanderweg, hier links. Bei Ww. links auf breitem Weg Richtung Jägerhütte. Abstecher rechts zur Hütte (bew. bis 11. Sept.). Auf Forstweg links, Richtung Hotel Ammerwald. Auf Schützensteig hinab zum Hotel. Links an Straße Richtung Ammerwaldalm. Bei erstem Forstweg links, bei Holzstößen rechts. Bald erneut an Straße, kurz weiter, dann links auf Forstweg (Ww. Ammerwaldalm) und zurück zum Parkplatz.

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