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Man muss nicht bis ganz nach oben, um einen wunderbaren Blick auf die Alpen zu haben. Vom Murnauer Moos aus sieht man die Berge ganz wunderbar.

Moor mit Panoramablick

Rundweg im flachen Alpenvorland bei Murnau

 Steht irgendwo geschrieben, dass Bergsteiger nur vom höchsten Punkt aus weite Ausblicke genießen? Beinahe genau so schön ist es, seine Lieblingsberge vom flachen Alpenvorland aus zu bewundern.

Ein hierfür hervorragender Ort ist das Murnauer Moos. Bevor sich der Bergblick jedoch entfaltet, geht es durch den frühwinterlichen Forst. Was der Schönheit der Tour keinen Abbruch tut. Die mitten im Waldbereich gelegenen langen Filze sind bereits ein Naturjuwel. Die Bezeichnung „Filz“ weist darauf hin, dass es sich zu Beginn der Rundtour um ein Hochmoor handelt. Hochmoore sind Regenwassermoore, bei denen der Niederschlag größer als der Wasserverlust durch Verdunstung und Abflüsse ist. Da mehr Pflanzenmaterial entsteht als abgebaut wird, kann die Torfschicht eines intakten Hochmoores um rund einen Millimeter pro Jahr wachsen. Im Dezember wächst höchstens die Schneedecke. Aber keine Angst. Der durch das wunderschöne Hochmoor hindurch führende Bohlenweg ist auch nach Neuschneefällen meist (von Einheimischen) schnell wieder gespurt. Eine anschließende, wenig spektakuläre Forststraßen-Einlage gibt den Augen ein wenig Zeit zum Verschnaufen.

Dann aber kommen Sie aus dem Schauen gar nicht mehr heraus: Tritt man aus dem Wald heraus, öffnet sich das versprochene Alpenpanorama. Allen voran ist der vom Buchrain übers Rauheck zum Heimgarten ziehende Bergrücken ein optisches Adventsschmankerl allererster Güte.

Der Vordergrund kann sich ebenfalls sehen lassen. Schließlich handelt es sich beim Murnauer Moos um das größte zusammenhängende, naturnahe Moorgebiet Mitteleuropas. Dieses entstand durch die Verlandung eines nacheiszeitlichen Zungenbeckensees. Seines Zeichens wiederum ebenfalls glaziale Hinterlassenschaft. Und zwar die des Loisachgletschers. Wenn man über die gerade im Winter so unberührte Weite blickt, glaubt man kaum, dass Steinbrüche, Entwässerungsgräben, Abtorfung und Landwirtschaft dem Moor einst stark zusetzten.

Inzwischen ist der größte Teil ein Naturschutzgebiet, dessen Kerngebiete durch Schließen von Gräben renaturiert und sich selbst überlassen werden. Die Streuwiesen werden extensiv genutzt und vor Verbuschung bewahrt. Dadurch wird Artenreichtum und Weitblick gleichermaßen erhalten. Nach der empfehlenswerten Einkehr im „Ähndl“ bestehen für den Verdauungsspaziergang zwei Alternativen. Kunstinteressierte Ausflügler, die mit dem Zug angereist sind, sollten den Weg über die hübsche Kottmüllerallee zum Gabriele-Münter-Haus einschlagen. Anfang des vergangenen Jahrhunderts bewohnte die Namensgeberin zusammen mit Wassily Kandinsky das sogenannte „Russenhaus“, in dem die beiden genau das taten, was Kindern meist verboten ist. Sie bemalten unter anderem Treppengeländer und Möbel. Wer hingegen sein Auto am Ausgangspunkt stehen hat, kann Münters Bildvorlagen in natura genießen. Einige ihrer Bilder legen den Schluss nahe, dass sie ziemlich genau auf dem nochmals sehr aussichtsreichen Rückweg nach Westried gemalt wurden.

Von Michael Pröttel

MURNAUER MOOS

ANFAHRT – Bahn: Von München Hbf. mit Umsteigen in Murnau zur Bahnhaltestelle Grafenaschau. Zurück vom Bhf. Murnau. Auto: Über die A 95 bis Ausfahrt „Murnau“. In Murnau der Beschilderung nach Bad Kohlgrub folgen und nach wenigen Kilometern links nach Westried abzweigen.

TOUR – Man folgt der parallel zu den Gleisen verlaufenden Straße nach rechts. Beim Schild „Moorundweg“ zweigt man nach links ab und geht auf einem Fahrweg auf den Wald zu und an der Gabelung geradeaus. Vor einem Holzhaus wendet sich der Weg nach rechts und wieder nach links ins Hochmoor der sogenannten „Langen Filze“. Wieder im Hochwald erreicht man eine Forststraße, der man nach links, dann nach rechts folgt. In einer Rechtskurve verlässt man den Fahrweg, indem man geradeaus geht und einem schmäleren Forstweg absteigend aus dem Wald folgt. Nun steht man direkt vor dem Murnauer Moos.

Der Weg wendet sich nach links und folgt dem Ramsach Bach, den er mittels einer Brücke quert. Nach der Brücke geht es nach links und weiter den Bach begleitend auf breitem Weg nach Norden. Schließlich trifft man am Rande des Moores aufs Gasthaus Ähndl.

  • Rückweg für Bahnfahrer: Direkt hinter der benachbarten Kapelle beginnt der Fußweg zum Bhf. Murnau, der leicht ansteigend nach Norden führt. An einer Gabelung folgt man der Beschilderung „Münter Haus/ Murnau Ort“ nach rechts und gelangt über die Kottmüllerallee zum Münter-Haus. An der Hauptstraße geht man nach links und folgt der Beschilderung zum Bahnhof. Zuletzt überquert man eine Fußgängerbrücke und wendet sich nach rechts zum Bhf.

 

  • Rückweg für Autofahrer: Vom Ähndl folgt man dem beschilderten Moor-Rundweg nach Westen. Zunächst auf einer Teerstraße, dann auf einem Fahrweg geht es leicht ansteigend zu einem Waldrand. Dahinter folgt der gut beschilderte Weg den Gleisen, um über die Siedlung Moosrain den Ausgangspunkt zu erreichen. Zeit: 3 bzw. 3 ½ Stunden. Strecke: 10 bzw. 12 Kilometer. Start: Westried/ Zughaltestelle Grafenaschau (670 m). Ziel: Bhf Murnau (700 m) bzw. Westried. Ausrüstung: Winterwanderschuhe. Bei viel Neuschnee zusätzlich Gamaschen und Stöcke. Hinweis: Im Naturschutzgebiet Murnauer Moos muss man auch im Winter auf den ausgewiesenen Wegen bleiben.

TIPP – Stimmungsvoller Weihnachtsmarkt in Murnau: 13. und 14. Dezember jeweils von elf bis 18 Uhr.

KARTE – Kompass-Karte 7, Murnau – Kochel. Auss.: Kompass 7, Murnau – Kochel. Lizenz: LV-17-0906-LVB.

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