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Da war noch alles grün: Der 1801 Meter hohe Gipfel der „Benewand“ Anfang Oktober. Nach dem Kälteeinbruch sollten Wanderer die Tour auch bei einer vorausgesagten Wetterbesserung und Erwärmung in der kommenden Woche mit Umsicht planen. 

vom Brauneck zur Benediktenwand

Ruppiges Vergnügen: Prachtvolle Tour über die Achselköpfe 

Per Gondel auf 1500 Meter und dann schlappe 300 Höhenmeter zum Gipfel? Das klingt nach gemütlicher Sonntagstour! Von wegen.

Die prachtvolle Gratüberschreitung vom Brauneck zur Benediktenwand ist trotz Aufstiegshilfe eine tagfüllende Bergtour. Um für Pausen Spielraum zu haben, nimmt man am besten eine der ersten Gondeln. Auch den Getränkevorrat sollte man üppig bemessen. Die Tour ist lang und durch viele kleine Auf und Ab’s gezeichnet. Meistens verläuft die Route sonnseitig und ist wie geschaffen für einen milden Herbsttag.

An der Bergstation folgt man einem gestuften Weg hinauf zum Brauneckgipfel.

Ab hier und während der ganzen Tour genießt man ein fantastisches Panorama. Der Blick schweift über das Karwendel, die Gletscher der Zentralalpen, zum Großvenediger und Großglockner. Noch geht’s ganz gemütlich dahin über den breiten Gipfelrücken und vorbei am kecken Schrödelstein. Ein steiniger Weg leitet über das „Stangeneck“ zur grasigen Hochfläche des Vorderen Kirchsteins. Danach schlendert man zum Latschenkopf. Dort überblickt man den weiteren Verlauf des Weges. Wer sich angesichts der schrofigen Angelegenheit etwas unbehaglich fühlt, kann hernach am Probstalmsattel die Wanderroute ändern und über den Idealhang zur Stie-Alm gelangen, wo man auf der Sonnenterrasse problemlos mehrere Stunden Berggipfel studieren und entspannen kann.

Unser Weg zur Benediktenwand führt zu einer kleinen Leiter, die als Auftakt der anspruchsvollen Etappe gilt. Teilweise mit Drahtseilsicherung kraxelt man über abgespecktes Schrofengelände. Das steile Wegerl zieht sehr abwechslungsreich bergauf und bergab am Grat entlang. Sollte man in schattigen Passagen auf Schnee oder Eis treffen, ist höchste Vorsicht geboten! Nicht lange nach dem letzten Achselkopf erreicht man den Rotöhrsattel und bald darauf die Drahtseile, die den Beginn des Ostaufstiegs der Benediktenwand anzeigen. Von Zeit zu Zeit begegnet man Steinböcken, die einen meist mit stoischer Ruhe mustern.

Über einen kurzweiligen Steig gelangt man auf den buckligen, latschenbewachsenen Grat.

Obacht heißt es bei einigen schrofigen Stellen während der Tour.

Dort wandert man auf einfachen Wegen westwärts. Erst ziemlich weit oben zeigt sich dann das Gipfelkreuz, das man nach etwa 3 Stunden Gehzeit erreicht. Der Abstieg gestaltet sich ab dem Rotöhrsattel unschwierig und landschaftlich sehr reizvoll. Zuerst wandert man hinab in einen grasigen Kessel Richtung Probstalm. Man umgeht somit die Achselköpfe, hat aber dafür einen kleinen Gegenanstieg hinauf zum Probstalmsattel. Nun quert man die Südseite des Latschenkopfs und zieht den Idealhang hinunter direkt zur urigen Stie-Alm. Weitere verführerische „Tankstellen“ wie die Quenger-Alm und die Tölzer Hütte liegen direkt am Weg zur Bergbahnstation. Nur die Uhrzeit sollte man bei der gemütlichen Einkehr nie aus den Augen lassen, denn die letzte Gondel schaukelt um 17 Uhr talwärts!

von Dors Neumayr

GRATWANDERUNG „BENEWAND“

ANFAHRT – Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 13 über Bad Tölz nach Lenggries, den Ausschilderungen „Brauneck-Bergbahn“ folgen zum Parkplatz der Talstation Brauneck-Bergbahn. Bahn: Von München bis Lenggries mit BOB (Stundentakt), mit RVO-Bus zur Talstation der Brauneck-Bergbahn. Infos unter BOB-Servicetelefon: 0 80 24 / 99 71 71.

TOUR – Brauneck (1555 m) – Achselköpfe (1710 m) – Benediktenwand (1801 m). Insges. 750 Hm, 11 km. Gehzeit für die ganze Runde: gut 5,5 Std.. Anspruchsvolle Tour, Trittsicherheit, Ausdauer, Schwindelfreiheit nötig. Verlauf: Von der Bergstation über das Brauneck-Gipfelhaus in wenigen Minuten auf den Brauneckgipfel (1555 m). Von hier geht‘s über den breiten Rücken gen Westen, dann leicht abwärts links am Schrödelstein (1548 m) vorbei und auf gutem Steig hinauf zum Stangeneck (1646 m). Der Steig führt auf die Hochfläche des Vorderen Kirchsteins (1670 m), dann über einen breiten Kamm zum Latschenkopf (1712 m). Durch Latschen hinab zum Probstalmsattel (1598 m). Man folgt dem Steig (Ww. Achselköpfe / Benediktenwand) und überwindet bald eine Felsstufe mit Hilfe einer Leiter. Der schrofige Weg führt teils an Drahtseilen im Auf und Ab der Felsen über den Grat. Vom höchsten Punkt der Achselköpfe (1710 m) geht es erneut bergab zu einer Weggabelung (Schilder: Probstalm / Benediktenwand). Richtung Benediktenwand marschiert man wieder bergan zum Rotöhrsattel. Oberhalb warten schon einige Drahtseile. Die markierte Route zieht einen felsigen Steig hinauf und später geht’s im Auf und Ab am latschenbewachsenen Grat dahin bis zum Gipfel. Vom Gipfel steigt man zunächst auf gleichem Wege hinab zum Rotöhrsattel und weiter zur schon bekannten beschilderten Weggabelung. Hier links in Richtung „Probstalm “. Der Weg leitet hinunter in einen Kessel. Man befindet sich jetzt unterhalb der Achselköpfe. Noch einmal ist eine kleine Felspassage zu überwinden, die aber auch umgangen werden kann. An einem Abzweig geht’s rechts hinauf zum Probstalmsattel. Beim Schilderturm in Richtung „Idealhang, Stie-Alm“ ostwärts. Nun um den Latschenkopf herum, die Südhänge des Latschenkopfes querend, hinab zur Stie-Alm. Von dort führt ein Forstweg über Quenger Alm und Tölzer Hütte zurück zur Bergstation.

EINKEHR – Stie-Alm, Telefon: 0 80 42 / 23 36; www. stie-alm.de; Quenger Alm, T.: 0 80 42 / 507 92 05; Tölzer Hütte, T.: 0 80 42 / 8732.

BRAUNECK-BERGBAHN – Tägl. 8.15 bis 17 Uhr. 9. Nov. bis 4. Dez. geschlossen wg. Revision. Infos: www.brauneck-bergbahn.de oder Tel.: 0 80 42 / 50 39 40.

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