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Vom Gipfelkreuz auf 1809 Metern aus blickt man zurück zur Aufstiegsroute (schwierigere Variante). Im Hintergrund zeigt sich der Bayerische Schinder.

Aus dem Weißachtal bei Kreuth

Sagenhafter Doppelkopf

Frühaufsteher genießen die Morgenstunde und wandern von Wildbad Kreuth aus durch die Lange Au, wo das herbstliche Blätterdach einen Farbenrausch bereithält.

"Zweigipfeliger Schinder": direkt auf der Grenzlinie

Radlfahrer mit einem bergtüchtigen Drahtesel starten in das gleiche Tal und freuen sich über eine leichte Auffahrt. Es geht hinein in die waldreiche Grenzregion zwischen Bayern und Tirol. Reich auch an Geschichten und Sagen. Einige Berge befinden sich hier direkt auf der Grenzlinie. So auch der zweigipfelige Schinder. Der Österreichische ist etwas höher als der Bayerische (1796 m) und ist unser heutiges Tagesziel.

Das "schwarze Kreuz"

Doch zunächst passiert man am Wegesrand das „Schwarze Kreuz“. Erzählungen nach soll es zur Sühne und zum Gedenken an einen schrecklichen Unfall aufgestellt worden sein. Der Abt vom Kloster Tegernsee hatte im Jagdfieber statt einen Hirschen versehentlich einen Klosterbruder erschossen. Am Jahrtag, als alle Klosterbrüder betend vor dem Kreuz knieten, fuhr plötzlich ein Blitz vom Himmel herab in das Kreuz und färbte es kohlrabenschwarz...

Verträumte Wege, sagenhafte Ausblicke

Kurze Zeit später kommt man am unscheinbaren „Steineren Kreuz“ vorbei. Auch an diesem Ort spielt sich eine Tragödie ab, als am 27. Juni 1701 ein Wilderer den Tegernseer Klosterjäger Georg Feller aus Point ermordet. Nach der Felsenklamm kommt man zu einer Jagdhütte mit Brunnen. Jetzt lassen auch die Bergradler das Stahlross zurück und schnüren die Wanderschuhe. Ein verträumter Weg führt im lichten Mischwald höher und verschenkt Ausblicke zum Risserkogel, zur Halserspitze und zum Guffert. Über ockerfarbene Almmatten zieht man vorbei an der Rieselsbergalm auf einen freien Sattel. Und hier springt der Blick schlagartig ins Weitwinkelformat, um die herrliche Fernsicht einzufangen. Hinter den Wiesen der Ritzelbergalm ragen die beiden schroffigen Schindergipfel empor, sodass man den weiteren Verlauf des Aufstieges gut einsehen kann.

Wahl zwischen leichtem oder schwierigem Gipfelanstieg

Nun muss man sich entscheiden. Entweder man nimmt den leichten Gipfelanstieg über die grüne Ostschulter, oder den schwierigeren durch die felsige Rinne. Ist man erfahren im brüchigen leichten Felsgelände und schwindelfrei, so steigt man über einen steilen schottrigen Pfad zum Joch hinauf. Die Schlüsselstelle ist dann eine etwa 10 Meter hohe, ausgewaschene Felsrinne, über die man konzentriert hinaufkraxelt. Flugs ist nach einem Latschenkamm das Gipfelkreuz erreicht. Das Panorama ist vor allem bei Fön fantastisch. Alle Gipfel hier aufzuzählen, wäre unmöglich. Deshalb seien nur Prominente neben dem „Kaiser“ erwähnt, wie Großglockner, Großvenediger und Zugspitze...

Abstieg in milder Nachmittagssonne

Als Abstieg empfiehlt sich der Weg über die Ostschulter. Markiert, aber anfangs etwas zugewachsen, leitet der Weg unschwierig zurück zur Ritzelbergalm. Mit der milden Nachmittagssonne im Gesicht steigt man hinab, umgeben von einer zauberhaften Melodie: leises Blätterrauschen, der Takt der eigenen Schritte und das Plätschern eines fernen Baches. Hernach bei der Jägerhütte steigen die Radler auf den Sattel und rollen gemütlich die Lange Au hinaus, während die Wanderer auf Schusters Rappen den wunderbaren Herbsttag ausklingen lassen.

Von Doris Neumayr

SCHINDER (1809 M) VON SÜDEN

ANFAHRT – Autobahn A 8 München / Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. B 318 ins Tegernseer Tal bis Gmund. Weiter B 307 über Tegernsee, Rottach-Egern in Richtung Kreuth/Achenpass. Im Ortsteil Wildbad Kreuth links (Schild: Schwaigeralm). Kurz vor der Schwaigeralm auf den Parkplatz (gebührenpflichtig). Bahn: Mit der BOB bis Tegernsee (Tel.: 0800 / 1507090; www.bahn.de), weiter mit RVO-Bus 9556 bis Wildbad Kreuth (T.: 0 80 22 / 18 75 00; Radlmitnahme im Bus bedingt möglich; www.rvo-bus.de).

TOUR – Aufstieg: ca. 4,5 – 5 Std. Abstieg: ca. 4 Std.; mit Radunterstützung: MTB-Auffahrt bis Jagdhütte: ca. 50 Minuten, Aufstieg: ca. 2 Std. Abstieg: ca. 1,5 Stunden, MTBAbfahrt: ca. 25 Minuten. Insgesamt 1100 Höhenmeter; Einfache Streckenlänge: 12 km. MTB bis Jagdhütte: 300 Höhenmeter, Distanz: 8 km. Aufstieg ab Jagdhütte: 800 Höhenmeter, Distanz: 4 km.

Aufstieg:
Vom Parkplatz auf der Forststraße Richtung Osten. Nach der Schwaigeralm (Schilder: Halserspitze, Bayralm, Schinder) gemütlich im Wald dahin. Vorbei am „Schwarzen Kreuz“ (863 m) und am „Steinernen Kreuz“ (884 m). Bei den Langenaualmen (961 m) über freie Wiesen. Man passiert die felsige Klamm und gelangt zu einer Jagdhütte (1071 m) mit Brunnen auf einer weitläufigen Wiese (die MTB-Etappe endet hier). An der Jagdhütte (Ww. „Schinder“) nach links zum Wanderweg (Osten). In angenehmer Steigung aufwärts. Der Weg quert nach Nordosten, man kommt später in freies Wiesengelände zu den Rieselsbergalmen (1476 m), danach auf einen aussichtsreichen Sattel (1510 m). Jetzt ein wenig bergab über die Grasflächen der Ritzelbergalmen (1490 m). Hier sieht man den Verlauf des Gipfelanstieges. Zwischen den beiden Hütten hindurch folgt man einem undeutlichen, rotweiß markierten Pfad (Trittspuren) nach Norden. An einer beschilderten Verzweigung nach links (der leichte Anstieg verläuft nach rechts). An einem Wasserreservoir vorbei steigt man zwischen Latschen steil höher zum Joch. Dann geht’s nach rechts (Osten) zu einer markierten steilen Felsrinne. In der Mitte ist ein Drahtseil. Man kraxelt dort hinauf zum Latschenkamm. Ein schmaler Weg führt rechts zum Gipfel.

Abstieg:
Am Gipfel weist ein Schild („Ritzelbergalm“) auf einen unauffälligen, südwärts verlaufenden Pfad. Der rotweiß markierte Pfad schlängelt sich durch Latschen hinab zu den Ritzelbergalmen. Von dort auf Aufstiegroute zurück.

EINKEHR – Schwaigeralm (Mittwoch Ruhetag), Telefon: 0 80 29 / 272; www.schwaigeralm.de

KARTE – Kompass-Karte 8, Tegernsee-Schliersee.

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