Im südseitigen Aufstieg zum Sonntagshorn kann man bereits die wunderbaren Schattenhänge unterm Peitingköpfl erkennen.

Parade-Skitour in den Chiemgauer Alpen

Salz sichert Schnee-Paradies

Sie liegen eng beieinander, haben aber einen völlig unterschiedlichen Charakter. Da liegt es nahe, dem Reiz des einen wie dem Charme des anderen zu verfallen. Peitingköpfl (1720 Meter) und Sonntagshorn (1961 Meter) sind „leichte“ Genusstouren im Unkener Heutal in den Chiemgauer Alpen.

Das Peitingköpfl steht für einen wunderschönen, weitläufigen Almkessel – ein Gelände, in dem oft guter Pulverschnee zu finden ist. Die herrlichen Almwiesen unter dem kleinen, kecken Felsgipfel bieten viel Platz für individuelle Wedel- oder Carvingspuren. Die Abfahrt verläuft über die großteils westseitig ausgerichteten Gipfelhänge und ist somit im Hochwinter erst am Nachmittag kurz der direkten Sonne ausgesetzt. Dies ist ein Grund für den guten Schnee, aber auch die windgeschützte Lage des Kessels trägt zu den guten Verhältnissen bei. Der kurze Schlussanstieg zum Köpferl führt über dessen Rücken hinauf. Von Osten her kann man bis unter die Gipfelfelsen mit Ski aufsteigen und wenn es richtig Schnee hat, auch bis zum Kreuz.

Das Sonntagshorn hat da ganz andere Qualitäten: der wunderbare, etwas steilere Gipfelhang ist latschenbestanden und sollte gut eingeschneit sein, damit die Abfahrt dort ski- und umweltfreundlich ist. Der Hang ist genau südseitig exponiert und so kann man beim Aufstieg die herrlich wohltuende Wintersonne optimal auskosten. Nur, die Sonne tut dem Schnee nicht gut, der sich schnell in Pappschnee oder Bruchharsch verwandelt. Hier muss man also rechtzeitig nach Neuschneefällen dran sein, um noch lockeren Schnee vorzufinden. Oder man wartet, bis sich das Weiß in Firn verwandelt hat. Doch lohnend ist der Aufstieg selbst dann, wenn man sich durchkämpfen muss. Denn wer lässt sich in der kalten Jahreszeit nicht gerne von der Sonne – und einem fantastischen Panorama – umgarnen? Der Name Sonntagshorn hat nichts mit dem Wochentag zu tun; er kommt vielmehr von Sunn-Dach – Sonnendach – und weist auf den sonnseitigen Gipfelhang hin.

Wer also genug Kondition hat, kombiniert beide Routen, indem er am Kamm entlang, an der sog. Perchthöhe vorbei, vom Sonntagshorn zum Peitingköpfl hinübersteigt, um dort die herrliche Abfahrt zu genießen. Doch egal, wie man sich entscheidet, der Weg führt stets an der Hochalm vorbei – und dort gibt es eine in der Regel bewirtschaftete Hütte. Sie ist auch Ziel der Rodler, die über eine andere Route – vom Parkplatz P 1 – aus aufsteigen.

Das Gelände um die Hochalm ist zum Skifahren ideal. Kein Wunder, dass die Österreicher hier schon ein Liftgebiet errichten wollten. Doch das Gebiet auf der österreichischen Seite der Chiemgauer Alpen gehört seit alters den Bayerischen Saalforsten und ist somit Teil der Bayerischen Staatsforste, Eigentum des Freistaates Bayern also. Die Saalforste dienten früher zur Brennholzversorgung der Saline in Bad Reichenhall. Und weil der Freistaat Bayern gegen eine Verliftung war, dürfen heute noch die Skitourengeher abseits vom Pistenrummel ihre Spuren in den Pulverschnee legen. Dem Reichenhaller Salz und dem Freistaat Bayern sei’s gedankt!

Bernhard Ziegler

SONNTAGSHORN / PEITINGKÖPFL

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Siegsdorf/ Traunstein. Über B 306 nach Inzell. Hier auf B 305, dann B 21 Richtung Lofer. Bei Unken in den Ort hinein und rechts ins Heutal. Über die Bergstraße (nach Neuschnee evtl. Ketten!) bis zum ausgeschilderten Parkplatz P 2 beim ehemaligen Gasthaus Heutalbauer (kostenpflichtig,Tagesgebühr 3 Euro). Ausgangshöhe: 968 Meter.

TOURAufstieg: Die schönste Route führt vom Heutal- Bauer geradeaus ins Tal hinein. (Das Schild nach rechts weist auf die Abfahrtsroute hin, über die man auch aufsteigen könnte.) Auf der Straße bis zur privaten Reichenhaller Hütte. Hier, im Scheitelpunkt der Straßenkehre, verlässt man die Straße und wandert geradeaus weiter. Bei einem Haus verzweigt sich der Weg. Hier geradeaus weiter, dann über einen engen, aber schönen Waldweg empor. Man trifft auf einen querlaufenden Forstweg, hält jedoch die Grundrichtung bei und steigt über den folgenden, freien Hang nach oben zum Waldrand. Hier führt einen der markierte Sommerweg in den Wald hinein und alsbald ins freie Gelände der Hochalm (ca. 1400 m). Weiter geradeaus (in nordöstlicher Grundrichtung) bis zur letzten Hütte. Hier rechts (Südosten) und auf Wirtschaftsweg um einen Rücken herum ins Almgelände vom sog. Ennsmann Kaser (1544 m). An der Hütte vorbei über den herrlichen Nordwesthang des Peitingköpfl hinauf zum Rücken (rechts des Gipfels). Hier links und von hinten her auf den Gipfel (1720 m). Wer zum Sonntagshorn will, wandert bei der Hochalm geradeaus weiter (in nordöstlicher Grundrichtung) durch eine Mulde genau auf die Einsattelung rechts unterm Sonntagshorn zu. Den Sattel erreicht man zuletzt durch lichten Wald. Hier wendet man sich nach links und steigt über den Südhang zum Gipfel (1961 m).

TOURDATEN: Sonntagshorn 1000 Hm – Aufstieg 2,5 bis 3 Stunden; Peitingköpfl 750 Hm – Aufstieg 2 Stunden.

KARTE - Kompass-Karte 14, Chiemgauer Alpen.

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