+
Nicht nur etwas für Weltcup-Rennfahrer: Den Tröglhang auf der weltberühmten Kandaharabfahrt in Garmisch meistern auch gute Hobby-Skifahrer.

Skigebiete rüsten für den Saisonstart

Satelliten steuern die Pistenpräparation

Ein erster Zuckerguss hat sich über die höheren Lagen der Alpen gelegt, was Skifahrer und Liftbetreiber gleichermaßen freut: Wird’s ein guter Winter?

Kommt der Schnee nun oder nicht? Die Ungewissheit der vergangenen Jahre hat den Skiverbund Alpenplus (Spitzingsee, Brauneck, Sudelfeld, Zahmer Kaiser und Wallberg) etwas flexibler werden lassen. Die Saisonkarten, übrigens zum gleichen Preis wie in der vergangenen Saison (Erwachsene 330 Euro, Familienticket 700 Euro), werden im Vorverkauf heuer erstmals zwei Wochen länger angeboten, nämlich bis zum 30. November. Vielleicht sendet der Winter bis dahin erste Signale. Von den Alpenplus-Saisonkarten profitieren Wintersportler zudem bei den fünf Kooperationspartnern Kampenwand, Wendelstein, Hochfelln, Hocheck sowie Kössen in Tirol: Dort erhalten sie jeweils 50 Prozent Rabatt auf den Tagesskipass.

Nicht nur weite Flächen locken am Sudelfeld, sondern ab diesem Winter auch eine wilde Freeridecross-Strecke sowie ein Snowpark.

Die größten Investitionen tätigt in der bevorstehenden Wintersaison das Skiparadies Sudelfeld bei Bayrischzell. Eine Freeridecross-Strecke am sogenannten Hotelhang soll all jene ansprechen, denen normale Pisten zu langweilig sind: Die Route orientiert sich an typischen Backcountry-Geländeformen, Wellenbahnen und Steilkurven fordern die G-Kräfte, mehrere Sprünge sorgen zusätzlich für Spannung. Ebenfalls neu: ein Snowpark mit Obstacles, wie Hindernisse in der Szene der Slopestyle-Artisten heißen – Experten der Firma Schneestern übernehmen die tägliche Präparation. Auch Vereinstraining ist möglich. „Damit setzen wir ein Zeichen speziell für ein jüngeres Publikum“, sagt der Bayrischzeller Tourismuschef Harald Gmeiner. Die kommen vielleicht sogar von weiter her, denn ab dieser Saison fahren nicht nur zusätzliche Skibusse von Oberaudorf und Thiersee aus, sondern von Ingolstadt über München rollt auch ein „Sudelfeld-Express“. Im Frühjahr 2016 startet das nächste Großprojekt: der Bau von Deutschlands schnellstem Achtersessellift – er soll den alten Dreier von der Grafenherberge auf den Sudelfeldkopf ersetzen. Eher in „weiche Faktoren“ hat das Skigebiet Spitzingsee investiert. An der Suttenbahn soll ein neues Förderband der bislang recht langen Einstieg erleichtern, und zum Flutlichtskifahren an der Stümpflingbahn ist von Schliersee aus ein kostenloser Skibus unterwegs (Abfahrt 18 Uhr).

Mit Signalen aus dem Weltraum arbeitet das Lenggrieser Skigebiet am Brauneck, um die Pistenpräparation zu optimieren. Das System „Snowsat“ von Kässbohrer ist für 130 000 Euro in zunächst drei Pistenraupen integriert worden. Vereinfacht erklärt funktioniert Snowsat so: Mittels GPS-Signalen von Satelliten registriert die Pistenraupe zentimetergenau, wie viel Schnee sich unter ihr befindet. Ist die Schneedecke nur noch dünn und benötigt Nachschub, oder kann beispielsweise eine zugeschneite Mulde als Reservoir genutzt werden? Peter Lorenz-Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn, verspricht sich davon eine optimale Verschiebung der Unterlage. Was auch dazu führe, dass man Maschinenschnee (ab diesem Winter auch auf der Waxensteinabfahrt) sparen könne.

Mit dem Snowsat-System machen die Skigebiete Garmisch-Classic und Zugspitze schon seit einigen Jahren sehr positive Erfahrungen und schicken heuer sieben GPS-Pistenbullys auf Kandahar und Co. Betriebsleiter Karl Dirnhofer ist begeistert: „Musste man sich früher auf Gefühl und Erfahrung verlassen, steht den Fahrern heute mit Snowsat ein tolles Hilfsmittel zur Verfügung. Aus Angst, nicht nur den letzten Schnee, sondern auch Steine und Dreck zu erwischen, hat man oft zu früh mit dem Abtragen des Schnees aufgehört. Jetzt können die Pisten-Präparierer wesentlich genauer arbeiten. Das gibt ihnen Sicherheit.“

Zwei „Umzüge“ hat Garmisch Classic vorgenommen. Die „BMW X Drive Strecke“ (mit Zeitmessung und Videofilm) ist vom Hexenkessel unterhalb der Kreuzeckbahn-Bergstation an den Hausberg gewandert, an der alte Stelle der Zeitmessstrecke finden Freestyle-Skifahrer und Snowboarder nun den 4000 Quadratmeter großen Park mit kleinen Erweiterungen. Das Angebot an Rails, Boxen und zwei Kickern umfasst insgesamt zehn Obstacles, die je nach Line sowohl Anfängern als auch erfahrenen Ski- oder Snowboardfahrern als Übungsareal für Sprünge und Tricks dienen.

Von Martin Becker


Das kosten Tagesskipässe

Preise jeweils für Erwachsene

Zugspitze 43,50 Euro

Garmisch-Classic 41 Euro

Brauneck 35 Euro

Wendelstein 34 Euro

Spitzingsee 33 Euro

Sudelfeld 33 Euro

Hochfelln 31 Euro

Zahmer Kaiser 30 Euro

Kampenwand 27,50 Euro

Kranzberg 27 Euro

Hocheck 21,90 Euro

Hörnle 20 Euro

Auch interessant

Kommentare