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Der Schildenstein ist ein exzellenter Aussichtsberg.

Charmante „Schwachstelle“

Abwechslungsreiche Bergwanderung im Mangfallgebirge

Ist Hitze angesagt, wünscht man sich Touren, die neben sonnigen auch schattige Etappen aufweisen. Bergbäche zum „Pritscheln“ und der schöne Gipfelblick sind obligat. Und ganz wichtig ist die urige Einkehr zur rechten Zeit.

Als ideal geeignet entpuppt sich da der Schildenstein (1613 Meter) bei Kreuth. Von Norden her wirkt er etwas unscheinbar und wegen seinen schrofigen Flanken auch abweisend. Eine charmante „Schwachstelle“ hat er im Süden. Da findet der Wanderer einen guten Durchschlupf, um das Haupt dieses Aussichtsberges zu erkraxeln. Unser Weg führt aus der Kühle des Weißachtals in Richtung Geißalm und bietet immer wieder reizende Ausblicke auf die nördlich gelegenen Berge. Zuerst erspäht man den felsigen Leonhardstein, dann den Hirschberg sowie Ross- und Buchstein.

Kurz vor der unbewirtschafteten Geißalm erscheint auch der Schildenstein auf der Bildfläche. Nun zieht man über einen licht bewaldeten Kamm entlang an sanften Grashängen. Der Blick schweift derweil über die unterhalb gelegene Almlandschaft rund um die Königsalm. Etwas mühsam erweist sich das Stück hinauf zum flachen Sattel „Auf dem Schanzl“. Nach dem „Verschnaufen“ steigt man ein paar Meter hinab und wendet sich nordostwärts zum Gipfelaufbau hin. Jetzt schlängelt sich der steile Weg zwischen Latschen hindurch über Schrofen und Wurzeln zum Gipfel. Und hier tut sich ein Alpen-Fotobuch auf: Hinter dem türkisblauen Achensee stehen die Karwendelgipfel Spalier. Daneben erheben sich die steilen Wände des Rofans. Und eine Reihe weiter hinten erblickt man eisgepanzerte Zillertaler Berge. Nach der königlichen Aussicht geht’s hinunter Richtung Königsalm.

Der kühle Klammbach kurz vor der Hütte kommt wie gerufen, um sich vor der Einkehr noch ein wenig frisch zu machen. Immerhin weilten auf dieser Alm schon Könige, Zaren und Kaiser. König Max I. samt Gattin, Königin Karoline, waren oft hier, denn der König errichtete 1818 das „Kavaliershaus“ (heute Wohnhaus des Almwirtes). Auch die russische Zarin Alexandra liebte die Berge. Sie ließ sich 1838 mit einer Sänfte auf die Königsalm tragen. Zum majestätischen Reigen heroben gehört auch „Sisi“, Kaiserin Elisabeth. Früher oder später macht man sich an den Abstieg und wandert über liebliche Bergwiesen längs des Klammgrabens talauswärts. Wenig später taucht die Geißalm wieder vor einem auf. Macht nichts, wenn es die Nachmittagssonne jetzt zu gut meint: Im letzten Teil der Wanderung schlendert man luftig gekühlt unter einem grünen Blätterdach zurück ins Tal.

von Doris Neumayr

Schildenstein (1613 Meter)

ANFAHRT – Auto: A 8 München-Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen. Weiter B 318 bis zum Tegernsee. Auf die B 307 Richtung Kreuth/Achenpass bis Wildbad Kreuth. Nach knapp 1 km links auf Parkplatz „Siebenhütten/Schießstand“ (gebührenpflichtig). Bahn/Bus: BOB bis Tegernsee, mit RVO-Bus 9556 bis Kreuth/„Sieben-Hütten“ (Info: www.bahn.de).

TOUR – Gehzeiten: Ca. 3,5 Std.; Aufstieg, ca. 3 Std., Abstieg, Höhenmeter: 880 m. Insgesamt: 12 km. Gut ausgeschildert; leicht/mittelschwer, auf teilweise schmalen Bergwegen; im Gipfelbereich ist Trittsicherheit erforderlich. Aufstieg: Vom Parkplatz aus über die Weißach-Brücke. Beim Schilderbaum Ww. „Siebenhütten“ folgen. Nach ca. 350 m verlässt man den breiten Fahrweg nach rechts; Ww. „Geißalm – Schildenstein“. Anfangs geht es flach dahin, bald wird der Weg etwas schmaler und steiler. Der Pfad schlängelt sich im luftigen Mischwald um den Hohen Gernberg herum. Nach der Querung von steilen Wiesenhängen oberhalb des Klammgrabens erreicht man die Almwiesen der Geißalm (1112 m). Kurz nach den Hüttengebäuden kommt man zu einem Schilderbaum. Der Anstieg verläuft nach links aufwärts Ww. „Schildenstein“ (von rechts kommend verläuft später der Abstieg über die Königsalm). Jetzt geht es über einen Kamm und bald an sanften Grashängen entlang bergan. Unterhalb sieht man die wellige Almlandschaft rund um die Königsalm. Beim Schilderbaum am „Graseck (1205 m)“ bergauf Richtung Schildenstein. Der Weg wird nun etwas grobsteiniger und steiler. „Auf dem Schanzl“ (1551 m) erreicht man einen flachen Sattel. Nun geht’s kurz bergab und dann nordostwärts zum Gipfelaufbau. Ein steiniger Weg windet sich über ein paar Schrofen und zwischen Latschen hinauf zum kleinen Gipfelplateau. Abstieg: Über den gleichen Weg zurück bis zum „Graseck (1205 m). Hier nach links abwärts Ww. „Königsalm“. Ein ruppiger Wanderweg führt über Bergwiesen zur Königsalm hinab. Rechts des Stallgebäudes zieht ein schöner Weg über Bergwiesen oberhalb des Klammgrabens bergab Ww. „Geißalm“. Nach einer Brücke leitet ein Weg einen Wiesenhang hinauf und man erreicht nach kurzer Zeit die „Geißalm“. Von hier aus geht es über die schon bekannte Route zurück.

EINKEHR – Königsalm (1114 m) Im Sommer bewirtschaftet, Getränke, Brotzeit, Kuchen, Dienstag Ruhetag.

KARTE – AV 7/1, Tegernsee, Schliersee, Mangfallgebirge.

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