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Extrem breite Latten und trotzdem leicht genug: Völkl vereint mit seiner neuen Ski-Kategorie „Big Mountain Touring“ die Vorzüge von Freeride- und Skitourenbrettern in einem Produkt.

Kleidung und Geräte

Fit im Schlaf - Innovationen für Wintersportler

München - Während die Athleten bei den Winterspielen kämpfen, tüfteln Experten im Hintergrund am Material: Etwa an Unterwäsche, in der man sich fit schlafen kann. Auch Breitensportler profitieren von den Innovationen.

Am Tag danach zieht es in der Muskulatur, schmerzt vielleicht sogar. Die typischen Wettkampf-Nachwehen halt. Um möglichst schnell wieder fit zu werden, „ist Regeneration genauso wichtig wie das Training“, sagt die ehemalige Skirennläuferin Christa Kinshofer. Ihr Mann, der Münchner Sportmediziner Dr. Erich Rembeck, ergänzt: „Entscheidend ist, dass die Schlackestoffe auf dem Wettkampf möglichst schnell abtransportiert werden. Massage, Krafttraining, Ernährung – die Weltspitze der Athleten hat fast alles ausgetestet. Es gibt nur noch wenige Stellschrauben, um die Leistungsfähigkeit zu beeinflussen.“

Eine neue Methode, den Regenerationsprozess zu beschleunigen, haben Kinshofer und Rembeck auf der Ispo vorgestellt: die in Japan entwickelte und schon weltweit erprobte Schlaf-Unterwäsche „Venex“. Das Besondere daran sind Nano-Partikel im Stoff, die Elektrizität erzeugen und die Nervenzellen anregen, sich zu kontrahieren – auf diese Weise entstehen elektrische Ministröme auf der Haut. Der Selbstversuch, mit dem Zeigefinger unterm Mikroskop, zeigt, wie die Kapillaren plötzlich in Bewegung geraten und herumwuseln wie kleine Würmchen. „Die Fließgeschwindigkeit selbst in den kleinsten Kapillaren nimmt zu“, erläutert Dr. Rembeck. „Das ist, wie wenn man den Druck in einem Gartenschlauch erhöht – der Staub wird schneller weggespritzt.“

Bei Sportlern sind unerwünschte Wettkampüberbleibsel wie Milchsäure, die zügiger abtransportiert werden. Also einfach die mit dem „Ispo Innovation Award“ prämierte Venex-Unterwäsche, die ein wenig der schon bekannten Kompressionsunterwäsche ähnelt, anziehen und sich ins Bett legen: „Im Schlaf zu regenerieren, das ist eine Revolution. Ich wäre froh gewesen, hätte es das zu meiner Zeit gegeben“, sagt Kinshofer, die 1980 und 1988 drei Olympia-Medaillen gewonnen hatte. Dr. Rembeck spricht von „positiver Regeneration“ und sieht ein „irre großes Einsatzpotenzial, für jeden Sport und für jede Verletzung“. Die Schlaf-dich-wieder-fit-Methode sei, „wie wenn man einen Trafo aufdreht – das Blut zirkuliert schneller“, so der Experte.

Kristalle in der Ski-Unterwäsche

Ein bisschen in diese Richtung geht auch die Skiunterwäsche „Air Insulation“ von Falke. Dank eines speziellen Strickverfahrens (sogenannte Raschel-Wirkware) weitet sich die Bekleidung bei Bewegung, sodass offene Ventilationszonen entstehen – das verbessert Temperaturausgleich und Feuchtigkeitstransport. Außerdem sind in die Polyamidfaser Kristalle eingelagert, die Wärmeenergie des Körpers in Infrarotstrahlen umwandeln und das Körperklima in passiven Phasen regulieren. Gleichzeitig sorgen die Kristalle für eine verbesserte Blutzirkulation und verkürzen so die Muskelregenerationszeit.

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Inwieweit die Athleten in Sotschi auf diese Weise Regeneration betreiben, ist noch nicht bekannt. Sicher ist, dass einige auf der Ispo gezeigten Kleidungs-Innovationen bei Olympia zum Einsatz kommen. Zum Beispiel die Sportunterwäsche „Radiactor Evo“ des Schweizer Herstellers X-Bionic, die auf der Haut einen nicht spürbaren Schweißfilm hinterlässt, der für Verdunstungskühlung gebraucht wird und zugleich überschüssige Feuchtigkeit an die nächste Bekleidungsschicht weitergibt. Darauf vertraut unter anderem ein weltbekannter Abfahrer, der namentlich nicht genannt werden darf, weil er offiziell einen anderen Sponsor hat – bei einem der letzten Weltcuprennen vor Olympia, soviel sei verraten, stand er ganz oben auf dem Podest. Ein anderes Beispiel: Die Freeskier des US-Teams tragen Hosen und Jacken der „Steep Series“ von The North Face – die Athleten selbst haben die Bekleidungsserie mitentwickelt; unter anderem kommt dort, wo’s scheuert, das robuste Cordura-Material zum Einsatz.

Die Wende-Jacke kühlt oder wärmt ganz nach Bedarf

Weitere Bekleidungs-Innovationen: Die Firma Polychrome hat ein Wende-Laminat entwickelt, das auf der einen Seite kühlt, auf der anderen wärmt. Damit bestückt ist eine Jacke von Roccia Rossa – je nach Bedarf muss man die Jacke einfach komplett umkrempeln. Für Freerider und Skitourengeher, die sich zwischendurch abseilen müssen, hat Mammut einen äußerlich kaum sichtbaren Klettergurt in seine Hose „Alyeska Realization Pant“ integriert. Auf die neue, synthetische Wärmeisolation „Polartec Alpha“ setzen unter anderem Montane in seiner NeoShell-Jacke „Axion Neo Alpha“ oder Eider im Handschuh „Blow Alpha M Gloves“. Das Geheimnis des Isolationsmaterials liegt in der besondere Gitterstruktur des Gestricks aus Polyesterfasern, die mehr Zwischenräume für die Luftzirkulation und damit einen besseren Dampfdurchgang eröffnen. Außerdem ist Polartec-Alpha, ursprünglich für die U.S. Special Operations Forces entwickelt, sehr leicht und klein komprimierbar, liefert somit Wärme ohne Gewicht und ist zudem sehr windabweisend.

Kleidung, die fit macht: Neuheiten für Wintersportler

Kleidung, die fit macht: Neuheiten für Wintersportler

Einen anderen Weg gegen Kälte beschreitet Columbia in seinen TurboDown-Jacken: Unter der äußere Isolationsschicht mit wasserabweisend beschichteten Daunen liegt eine Hohlfaser, die den Feuchtigkeitstransport durch die Daunenfüllung optimiert. Der Schweiß wird verteilt und trifft die Daunen nicht punktuell, was deren Funktionalität sonst beeinträchtigen würde. Als innerste Wärmeschicht reflektieren zudem silbernen „Omni-Heat-Punkte“ auf dem Innenfutter die Körperwärme. Bekanntermaßen mit Merinowolle und Swisswool arbeitet Ortovox – für Skitouren-Rennläufer, die in hautengen Anzügen unterwegs sind und für die Abfahrt oder am Gipfel etwas Wärmendes brauchen, gibt’s nun das Röckchen „Lavarella“ oder die Shorts „Piz Boé“ zum Drüberziehen. Wer sich kalte Finger sparen mag, liegt mit den beheizbaren Handschuhen von Atewa richtig – per Knopfdruck schaltet sich der Akku ein und hält die Hände bis zu sieben Stunden lang auf Körpertemperatur.

Noch eine interessante Erfindung von Ortovox auf dem Sektor Hardware ist der Hosentaschen-Eispickel „Pocket Spike“. Der Aufsatz kann, zum Beispiel bei einer Skitour in Steilgelände, an den Griff der Lawinenschaufel montiert werden.

Ein Ski für Freerider und Tourengeher

Stichwort Tiefschnee: Mit „Big Mountain Touring“ hat die Firma Völkl eine neue Ski-Kategorie kreiert. Hundert Prozent Freeride, hundert Prozent Skitour, aber nur ein paar Ski – das Modell „v-werks BMT“ in drei Varianten (mit 94, 109 und 122 Millimetern Breite unter der Bindung) vereint beide Disziplinen. Bislang breite galten Freeride-Latten als zu schwer für Skitouren, Carbon macht’s nun möglich: „Weniger Gewicht ist mehr Performance, lautet die Erfolgsformel“, erläutert Völkl-Produktmanager Andreas Mann. Gewicht sei nämlich nicht nur wichtig für die Aufstiegsqualität, sondern auch fürs Fahrverhalten: „Je leichter der Ski, desto kraftvoller, sportlicher und agiler ist er.“ Über den von der Schaufel bis zum Skiende durchgezogenen Holzkern spannt sich ein stabiler Vollcarbonmantel. Ergebnis: ein auf Drehfreudigkeit ausgelegter Ski mit wenig störanfälliger Schaufel, der auch bei unangenehmen Schneeverhältnissen exzellente Kraftübertragung und gute Kontrolle erlaubt. Eine ähnlich gute Stabilität für die Pistenfahrer bietet das neue Völkl-Modell „Code“, das Mann als „radikalste Synthese aus Rennsport und Rocker“ bezeichnet. Wegen seiner immensen Bandbreite (in der Mitte weicher, an den Enden härter) ist dieser Ski besonders bei Skilehrern beliebt.

Olympisches gab es bei der Ispo für den Kopf. Beispielsweise die limitierte Uvex-Serie mit Helmen (p1us) und Brillen (downhill2000 race) in der Farbkombination Pink-Cobalt, die aktuell von den Athleten in Sotschi getragen wird. Alpina indes präsentierte die neuen und puristischen Helme „Jump JV Varioflex“ und „Jump JV Quattroflex“ mit extragroßem Sichtfeld, optimalem Schutz der Augen, keinen Brillenbändern – stattdessen einfaches, schnelles Öffnen und Schließen des Klapp-Visiers, perfekt auch für Brillenträger.

Wer indes einfach nur Winterluft schnuppern und Kälte erfahren, sich bei einer Wanderung aber vielleicht an einem warmen Süppchen laben mag, für den haben die Kocher-Experten von Primus nun eine verbesserte Lösung: Wintergas, das bei extremer Kälte mehr Leistung bringt als das aus herkömmlichen Kartuschen. Der simple, aber wirksame Kniff im Inneren der Kartusche: Vapour Mesh, eine Art Löschpapier. Es vergrößert die Oberfläche für den Verdampfungsvorgang. Dadurch kann das Flüssiggas seinen Aggregatzustand besser und schneller von flüssig zu gasförmig wechseln: Der Kocher wird bei Minustemperaturen von bis zu 22 Grad unter Null besser mit Brennstoff versorgt als durch konventionelle Kartuschen mit Sommergas.

Martin Becker

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