+
Wünschen Sie weitere Infos zu unseren Themen? Oder haben Sie einen Tipp, was sich draußen bewegt? Ingo Wilhelm freut sich auf Ihre E-Mail: draussen@tz-online.de

Schlafsäcke aus Plastikflaschen

München - Für Sport & Outdoor gibt es immer mehr umweltfreundliche Produkte. Ingo Wilhelm stellt sie vor.

Wanderer oder Skifahrer wollen die Natur genießen. Viele ihrer Ausrüstungsgegenstände sind jedoch alles andere als umweltfreundlich: Mit großem Energie- und Wasserverbrauch hergestellt, aus begrenzten Rohstoffen wie Erdöl gefertigt – so entstehen Funktionsjacken oder Ski, die am Ende nicht einmal wiederverwertet werden können.

Outdoor-Industrie setzt sich für umweltfreundliche Produkte ein

Dieses Dilemma möchte die Outdoor-Industrie nun beheben: mit immer mehr umweltfreundlichen Produkten. „Mammut lebt von und für die Natur“, betontzumBeispielRolfSchmid,Geschäftsführer der Schweizer Alpinfirma. Die Marke mit dem Urzeit-Elefanten stellt unter anderem Kletterbekleidung aus Biobaumwolle her und leistet Kompensationszahlungen für das CO2, das bei der Produktion ihrer Seile entsteht. Um die Umweltverträglichkeit eines Produkts zu beurteilen, muss man die gesamte Herstellungskette betrachten. Die meisten Sportartikelfirmen lassen in asiatischen Ländern mit laschen Umweltstandards fertigen. Die Branche muss sich also selbst verpflichten. Vorreiter ist die amerikanische Marke Patagonia: 87 Prozent der Produkte aus ihrer aktuellen Winterkollektion enthalten Bio-Baumwolle, chlorfreie Wolle oder Recycling-Polyester, das vor allem aus alten Plastikflaschen gewonnen wird. Darüber hinaus sollen nun alle Patagonia-Kleidungsstücke selbst wiederverwertbar sein.

Bemühungen um firmenübergreifende Standards

Die Outdoor-Industrie bemüht sich um firmenübergreifende Umweltstandards. So hat sich 2008 beim Branchenverband European Outdoor Group eine Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit gebildet. Sie informiert die Hersteller über umweltverträgliche Produktion, vom Stromverbrauch in der Spinnerei bis zum CO2-neutralen Büro. Gleichzeitig möchte sie das Dickicht der unterschiedlichen Zertifikate und Öko-Labels lichten. Das verlässlichste Gütezeichen für nachhaltige Outdoor-Produkte ist das bluesign-Label, an dem unter anderen Vaude beteiligt ist.

Der Rucksack Gnå der Firma Klättermusen kostet 231 €

Die Schwaben stellen schrittweise ihre gesamte Kollektion auf umweltfreundliche Produktion um. „Das Schwierige daran ist, dass bis hin zum Zulieferer der Reißverschlüsse jeder Produktionsschritt bluesign-zertifiziert werden muss“, erläutert Vaude-Sprecherin Birgit Weber gegenüber der tz. Gelungen ist dies zum Beispiel beim Schlafsack BlueBeech, dessen Füllung die Biofaser Tencel (aus Holz) und Recycling-Polyester enthält. Überdies bietet Vaude Unterwäsche mit dem bluesign-Zeichen an sowie Umhängetaschen, die aus je 13 recycelten PET-Flaschen entstehen. Noch sind umweltfreundliche Outdoor- und Sportartikel bis zu 20 Prozent teurer als konventionell gefertigte. Doch Mammut, Vaude & Co. betonen, dass die Nachfrage durchaus vorhanden ist. Wanderer oder Skifahrer sind also durchaus bereit, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, um die Natur möglichst naturverträglich zu genießen.

Der Schlafsack BlueBeech der Firma Vaude

 

Aus Wertstoff:

Patagonia beweist mit der fleecegefütterten Softshelljacke Speed Ascent (350 €), dass umweltfreundliche Mode nicht nach Strickpulli aussehen muss. Die wind- und wasserabweisende, aber atmungsaktive Jacke besteht zu 100 Prozent aus Recycling- Kunststoff und ist selbst vollständig wiederverwertbar.

Aus Bambus:

K2 hat mit den ModellenEtu (Herren) und Maia (Damen, Foto) Inlineskates auf den Markt gebracht, deren Obermaterial zu 100 Prozent aus recycelten Werkstoffen besteht. Die Schiene ist aus rasch nachwachsendem Bambus und liefert bei geringerem Gewicht bessere Vibrationsdämpfung und gleich gute Spurtreue wie herkömmliche Modelle. Preis: 169,95 €.

Aus Fischernetzen:

Die Münchner Sportmesse Ispo verleiht jährlich den ECO Responsability Award für besonders umweltfreundliche Produkte. Heuer hat ihn die schwedische Firma Klättermusen für ihren Rucksack Gnå (231 €) gewonnen. Er ist aus recycelten Fischernetzen und Teppichen gefertigt. Außerdem fördert Klättermusen die Wiederverwertung, indem Kunden für ihre ausgemusterten Rucksäcke oder Kleidungsstücke ein Pfand erhalten.

Aus Nussholz:

Auch die österreichische Firma Atomic hat einen ispo-Öko-Award gewonnen, und zwar für ihre Renu-Reihe. Neben einem Skischuh (459,95 €), der zu 80 Prozent aus erneuerbaren Rohstoffen wie Kork und Bambus besteht, gehört dazu der Allmountainski Nomad Renu (799,95 €). Er besteht aus Eschen- und Nussholz und kommt ohne energieintensive Alubestandteile aus. Oberfläche und Belag sind zur Hälfte aus recyceltem Material.

Ingo Wilhelm

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare