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Eine Schneekanone steht am 19.12.2014 im Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen (Bayern).

Touristenangebot wie im Frühling

Schneemangel in Skigebieten macht erfinderisch

Garmisch-Partenkirchen - Ein Touristenangebot wie im Frühling. Der Schneemangel macht in den Skigebieten erfinderisch - etwa in Garmisch-Partenkirchen.

Der Schneemangel macht erfinderisch. Statt Skifahrern werden in Garmisch-Partenkirchen ab diesem Wochenende wieder Wanderer mit den Seilbahnen transportiert, statt Abfahrten im Skigebiet Garmisch Classic gibt es dort Wanderungen. Ein Touristenangebot wie im Frühling. Grund sind ungewöhnlich milde Temperaturen in der gesamten Alpenregion, die zu einem großflächigen Schneemangel geführt haben. Wer über Weihnachten zumindest in den Bergen auf Skifahren gehofft hat, erlebt derzeit in den deutschen und vielen der europäischen Skigebiete eine Enttäuschung.

Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, soll über das Wochenende nur ein Teil der Lifte laufen, in den niedrigeren Gebieten von Garmisch-Partenkirchen nur die Hausbergbahn und das Kinderland sowie wenige kleine Lifte. Ob dieses ohnehin schon stark ausgedünnte Angebot noch lange aufrecht erhalten werden kann, hängt an den Temperaturen der kommenden Tage und Nächte. Ohne ein Minimum an echtem Schnee ist es auch nicht möglich, mit Kunstschnee nachzuhelfen.

"Es ist zu warm für die Schneekanonen", sagt Verena Lothes, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn. Zwar seien kältere Temperaturen für die kommenden Tage gemeldet. "Aber der Wetterbericht hat sich in den letzten Wochen leider häufig geändert." Während in Deutschlands höchstem Skigebiet wenigstens ein bisschen gewedelt werden kann, stehen an dem bei Münchnern beliebten Skigebiet am Brauneck in Lenggries alle Lifte still.

Sprecherin Antonia Asenstorfer hofft, dass es die kommenden Tage etwas schneit - zusammen mit Kunstschnee könne dann schnell der Betrieb aufgenommen werden. "Wir stehen in den Startlöchern", sagt Asenstorfer. Am 1456 Meter Großen Arber im Bayerischen Wald ist der Saisonstart hingegen bis auf weiteres wegen Schneemangels verschoben. Für Hoteliers, Gastronomen und die Gemeinden dürften hier die sonst so wichtigen Weihnachtstage eine herbe Enttäuschung werden.

In den Nachbarländern sieht es kaum besser aus. Ob in der Schweiz, Österreich oder Frankreich - in großen Teilen des Alpengebiets ist bisher kaum Schnee gefallen. Nur in großen Höhen wie in den Gebieten von St. Moritz, Davos oder Zermatt ist derzeit Skifahren möglich. Zudem sieht es auch auf der Südseite in Italien auf Höhen über 2000 Metern ganz gut aus. Hier könnte allerdings die Rezession das Geschäft vermiesen.

In Frankreich sind derzeit nur 40 von 200 Skigebieten offen. "Die Schneelage bleibt spärlich, der Herbst war mild. Überall war der Start in die Saison verspätet", sagt die Meteorologin Cecile Coleou. "Natürlich ist das beunruhigend. Wenn die Temperaturen um fünf Grad fallen könnten, wäre das toll", sagte Michel Giraudy, Präsident des Tourismusvereins French Mountains. Etliche Skigebiete bieten bereits Rabatte bei den Skipässen an, um wenigstens ein paar Besucher anzulocken.

Das französische Gebiet Avoriaz, wo trotz seiner nur 1800 Meter Höhe relativ viel Schnee liegt, richtete dagegen Quoten ein, um einen Andrang aus benachbarten Gebieten zu begegnen. Dies Verfahren bleibt aber eine Ausnahme. Auch in Tirol sind nur 30 der 80 Skigebiete geöffnet. Eine weitere Woche Verzögerung beim Saisonstart sei noch "erträglich", sagt der Bürgermeister des Dorfes Warth in Vorarlberg, Stefan Strolz. Sollte es aber auch danach nicht schneien, werde das durchaus schmerzhaft werden.

AFP

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