1860 trauert um „Atom-Otto“

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Im Frühling macht Wandern besonders Spaß. Wer Glück hat, sieht auf den Gipfeln noch ein paar Fleckerl Schnee.

Ein Tag, zwei Jahreszeiten

So schön ist eine Frühlingswanderung zum Rotwandhaus

Die ersten warmen Sonnenstrahlen locken Wanderer ins Grüne und in die Berge. Wie wäre es da mit einem Ausflug zum Rotwandhaus? Eine tz-Autorin berichtet.

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Den Frühling mag ich besonders. Auf den schneebedeckten Gipfeln wähnt man sich im tiefsten Winter. Im Tal hingegen sprießen bei milden Temperaturen die ersten Frühlingsboten. Ein idealer Zeitpunkt, um an einem Tag durch zwei Jahreszeiten zu pendeln.

Dafür muss man nicht zwingend zu einer akribisch geplanten Hochtour aufbrechen. Auch braucht es kein besonderes Equipment, also weder Skitourenausrüstung noch Schneeschuhe. Feste Bergschuhe und Stöcke reichen für manche Touren völlig aus.

Außerdem: Sind wir Experten in Lawinenkunde? Gerade im Frühjahr ist die Gefahr von Schneebrettern und Abgängen im hochalpinen Gelände besonders groß. Bei heikler Schneelage – wie vergangenes Wochenende – gehe ich daher auf Nummer sicher und entscheide mich leichten Herzens gegen eine Skitour.

Meine Lieblingstour in der Kategorie leicht und spektakulär im Frühjahr führt aufs 1765 Meter hoch gelegene Rotwand-Haus.

Wanderung zum Rotwandhaus: Der frühe Vogel fängt den Wurm

Da ich Staus auf Straßen, ebenso wie im Auf- und Abstieg vermeide, starte ich um 8 Uhr in München. Mein Plan geht auf. In nur 52 Minuten erreiche ich über Weyarn, Miesbach, Schliersee und Neuhaus den Ausgangspunkt zur Tour: den Parkplatz an der Alten Wurzhütte am Spitzingsee, von wo aus der Weg zum ganzjährig geöffneten Rotwand-Haus ab der Schranke ausgeschildert ist.

Außer mir ist (noch) keiner unterwegs. Auf der schneefreien Teerstraße überwältigt mich bald ein sagenhafter Tiefblick: Unter mir fließt der Bachlauf der roten Valepp durchs Hochtal.

Am frühen Morgen drehen auf der sieben Kilometer langen Valepper Loipe vereinzelt Langläufer ihre Runden. Im Firn gleiten auf der Stümpfling-Abfahrt und am Valepper Almlift erste Skifahrer zu Tale. Mei, wie idyllisch!

Frühlingswanderung: Ab in den Winterwald

Nach etwa 15 Minuten zweige ich an einer Weggabelung rechts in den ab hier schlagartig noch tief verschneiten Wald ab, ehe mich auf dem geräumten Forstweg lautstark eine mit Bierfässern und Lebensmitteln beladene Pistenraupe überholt.

Genial: Das Kettenfahrzeug garantiert nicht nur den Nachschub für die Hütte, sondern präpariert zugleich meinen zweistündigen Aufstiegsweg perfekt. In sanft ansteigenden Kehren, die auch gehfreudige Kids oder fitte ältere Herrschaften locker meistern, steige ich höher und überhole nach etwa einer Stunde erste Skitourengeher und eine Gruppe von Schneeschuhwanderern aus Franken.

Später komme ich mit einem Münchner und seinem neunjährigen Buben ins Gespräch. Die beiden haben auf dem Rotwand-Haus übernachtet und befinden sich bereits im Abstieg.

Auf Wanderschaft: Oben tiefster Winter, im Tal

Nach knapp zwei Stunden erreiche ich das Rotwand-Haus. Der 1884 Meter hohe Rotwand-Gipfel ist zum Greifen nah. Die sagenhafte Aussicht auf Aiplspitz, Miesing, Wendelstein, Ruchenköpfe, Wallberg, Risserkogel, Brecherspitz, Schinder, Guffert und das hintere Sonnwendjoch bleibt mir heute allerdings verwehrt.

Ohne Tourenski bzw. Schneeschuhe würde ich auf dem Weg zum Gipfel im tiefen Firn regelrecht versinken. Egal: So genieße ich vor dem großen Mittagsansturm entspannt die gute Küche in der Hütte. Der gebratene Kaspressknödel mit Riesensalat schmeckt einmal mehr bombastisch.

Im Abstieg passiere ich Wanderer, Rodler und Tourengeher, die jetzt scharenweise zur Hütte aufsteigen. Auf der staufreien Rückfahrt nach München lege ich am frühen Nachmittag natürlich einen Stopp am Schliersee ein.

Am Steg liegend genieße ich ein erstes Sonnenbad des Jahres, ehe ich mir im legendären Milchhäusl auf der Terrasse zum Abschluss Dampfnudeln zum Kaffee einverleibe.

Das ist das Rotwand-Haus

Das Rotwandhaus (1765 m) liegt südöstlich des Spitzingsees unterhalb der Rotwand im Mangfallgebirge. Erbaut wurde die Schutzhütte vom Münchner Kranzl in den Jahren 1906/07. Der 1872 gegründete Verein Turner-Alpen-Kränzchen e.V. (kurz: TAK, www.dav-tak.de) zählt zu den ältesten Münchner DAV-Sektionen.

Neben dem Rotwand-Haus besitzt die Münchner Alpenvereinssektion die Gruttenhütte im Wilden Kaiser und betreibt zwei weitere Pachthütten: ganzjährig die Plenkalm auf dem Rauschberg (Ruhpolding), während der Wintermonate die Scharnitzalm auf der Südseite der Benediktenwand

Weitere Hütten-Tipps

Hütten Esterbergalm

Die ganzjährig geöffnete (Di. und Mi. Ruhetag), zwischen Wank, Hohem Fricken und Krottenkopf auf einem zauberhaften Hochplateau eingebettete Esterbergalm (1247 Meter) ist unter anderem ab Farchant in zackigem Aufstieg in einer guten Stunde zu erreichen.

In der rauchgeschwärzten Gaststube des Bergbauernhofes serviert Familie Simon u.a. herzhafte Bratkartoffeln mit Speck und Rührei und einen sensationellen Kaiserschmarrn.

Wankgipfelhaus

Der Wankgipfel (1780 Meter) wird ganzjährig von Wanderern besucht. Die Aussicht auf Zug- und Alpspitze bzw. das Wettersteinmassiv ist grandios. Los geht’s am Wanderparkplatz Höfle kurz hinter GAP.

Nach dem zum Teil steilen, etwa zweieinhalbstündigen Aufstieg erreicht man die ganzjährig geöffnete Hütte, in der man im Winter zwar essen, nicht aber wie im Sommer übernachten kann.

Beim Abstieg empfiehlt sich eine Einkehr beim Gschwandtnerbauern. Brotzeit und Aussicht dort sind legendär.

Auer Alm 

Die beliebte Auer Alm (1299 m) kann man ganzjährig (Mo. Ruhetag) ab Bad Wiessee, Parkplatz Sonnenbichl, über das lauschige Zeiselbachtal mit nur geringer Steigung (kinder-, seniorentauglich) in einer guten Stunde zu Fuß erreichen.

Köstliche Speckknödelsuppe und Topfenstriezel locken als Belohnung. Spektakuläre Aussicht auf Wall- und Hirschberg, Roß- und Buchstein garantiert!

Berggasthof Neureuth

Kurz und knackig: Die einstündige, zum Teil steile Wanderung über den auch im Winter geräumten Forstweg zum Berggasthof Neureuth (1264 Meter) ist ein Ganzjahresklassiker (Mo. Ruhetag) am Tegernsee.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Neureuth, Tegernsee. Von der großen Terrasse aus hat man einen genialen Talblick auf den See. Neben Frühstück bis 10.30 Uhr serviert man hier u.a. Schweinsbraten, Kassler und Tafelspitz.

Priener Hütte

Auf der Priener Hütte unterhalb des Geigelsteins kann man ganzjährig übernachten (außer: 28.11. bis 26.12.)! In 1410 Metern Höhe werden dem müden Wanderer feinste Eintöpfe, Nudelgerichte und Brotzeiten kredenzt.

Am Wochenende gibt’s ofenfrischen Schweinsbraten mit Knödel. Von vielen Wegen, die im Sommer auf die Hütte führen, eignet sich der etwa zweieinhalbstündige markierte, von Sachrang aus geräumte Forstweg als Winteranstieg.

Wandern im Naturpark Schwalm-Nette

tz

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