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Eine Stadt mit gerade einmal 1486 Einwohnern: Dennoch wartet Vils bei Reutte mit einer imposanten Barockkirche auf.

Stadt, Tal, Alpe

Schöne Winterwanderung bei Vils in Tirol

Vils ist tatsächlich eine Stadt – trotz seiner gerade einmal 1486 Einwohner. Doch die Stadtrechte sind alt, sehr alt sogar: König Ludwig IV. adelte Vils bei Reutte in Tirol damit bereits im Jahr 1327.

Die Herren von Hohenegg, im Mittelalter einflussreiche Adlige, bauten um 1220 die Burg Vilsegg aus, die heute eine malerische Ruine ist – nordwestlich und jenseits der Vils gelegen. Das kleine Vils hatte eine bewegte Geschichte und wurde erst 1816 tirolerisch – im Tausch gegen das ehemals österreichisch-böhmische Marktredwitz…

Attraktive Geigen, reizloser Kalk

Vils hat immer noch einige schmucke üppig bemalte Häuser und eine Kirche, die vom Stolz des Städtchens zeugt. Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt wurde an Stelle der baufällig gewordenen Kirche bis 1709 im Barockstil erbaut und 1723 durch den Augsburger Bischof geweiht.

Im Turm fünf Glocken: Die größte Glocke wurde 1524 von Peter und Georg Löffler gegossen. Drei weitere Glocken stammen aus der berühmten Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck. Auch der Baumeister ist ein ganz Großer des Barock: Johann Jakob Herkomer, aus dem kleinen Sameister bei Rosshaupten stammend. Außerdem hat Vils eine große Geigenbautradition, führend war seit dem frühen 18. Jahrhundert die Geigenbauerfamilie Rief.

Vor allem Dominicus Rief schuf Instrumente, die denen italienischer Meister in nichts nachstehen und heute unbezahlbar sind. Weitere Vilser Geigen- und Lautenmacher ließen sich anderenorts nieder: Amann und Wörle in Augsburg, Eberle in Prag, Geisenhof in Wien. Eine über hundertjährige Tradition hat selbst das Zementwerk Schretter&Cie, auch wenn dessen Arbeit weniger Anmutiges hinterlässt. Kalkstein und Mergel werden in den südlich gelegenen Kalksteinbrüchen abgebaut und fahren dann über eine etwas bizarr anmutende Materialseilbahn über den Ort und Straßen, bis ins Kalkwerk im Tal.

2,5 Kilometer lang ist diese Seilbahn, oft fotografiert und bestaunt! Und am Steinbruch vorbei, der den Berg in Schichten legt und irgendwie ganz nackig macht, geht der Weg durchs Alptal zur Vilser Alm. In sanftem Anstieg und großen Kehren verläuft er durch kontrastreichen Wald und ist perfekt auch für Skitoureneinsteiger, Schneeschuhgeher und ein Eldorado für Rodler. Ob nun aber mit oder ohne Schnee, die Tour zur Alm ist immer ein Vergnügen, spätestens wenn man oben in den Gastraum mit dem grünen, bullernden Kachelofen tritt.

Erni und Frank sind mit Leib und Seele Hüttenwirte, wie man gar nicht mehr so viele findet. Verhungern muss keiner: Die Kaspressknödelsuppe ist ein Muss, der Kaiserschmarrn auch, Kässpätzle gibt’s natürlich und die Hauswurst ist eben so dimensioniert, dass man besser vorher Kalorien verbraucht hat. Hat man ja meist auch, denn am Ende sind es rund vier Kilometer und 400 Höhenmeter, die man sich erstapft hat.

 Je nach Schneelage – wenn’s weich ist schon gar nicht – ist die Rodelbahn keine, die für den brutalen Geschwindigkeitsrausch verantwortlich wäre. Man gleitet eher sanft dahin, der Weg rauf und runter sind das Ziel – und noch eins, was die bayerische Seele erfreuen sollte: Seit 2013 wird mit dem „Vilser Bergbräu“ die Bierbrau-Tradition in Vils fortgeführt. Die Stadt Vils beheimatete bereits seit Mitte des 15. Jhs. im Gasthaus „Grüner Baum“ das Tafernrecht (Back- und Braurecht). Bis ins Jahr 1896 wurde hier Bier gebraut – und diese Brautradition setzt sich in der Gründung der Vilser Privatbrauerei fort, die ein wunderbares Helles, ein Spezial und ein Hefeweißbier macht.

Von Nicola Förg

ZUR VILSER ALM

ANFAHRTBahn: Mit der Außerfernbahn ab Garmisch bis Bhf. Vils. Von dort über Bahnhofstraße und Allgäuerstraße, li. weg Fallweg, weiter zum Wanderparkplatz.
Auto: A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg. Über die B 17 nach Schwangau, vor der Lechbrücke links abbiegen nach Ziegelwies, am Kreisel der Fernpassbundesstraße geradeaus halten, 2 km nach Vils, am Bahnhof vorbei, am Ortsende li weg in den Fallweg; zum Wanderparkplatz.

TOUR – Forstweg in gemäßigter Steigung, 4 km, 400 Höhenmeter, Gehzeit im Winter: ca 1,5 Stunden.

EINKEHR – Vilser Alpe, Fallweg, A-6682; Internet: www.vilseralm.at; Tel.: 0043/676/5111263; im Winter Mittwoch ab 10 Uhr geöffnet, Donnerstag bis Sonntag ab 9 Uhr geöffnet, Montag und Dienstags Ruhetag. Zwei Sechsbettzimmer und zwei Matratzenlager.

TIPP – Vilser Privatbrauerei, Stadtgasse 2, A-6682 Vils, Tel.: 0043 / 5677 / 53176; Internet: www.vilserprivat brauerei.at; Öffnungszeiten für den Bierverkauf: werktags 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr; Internetbestellung: mybier.at

KONRADSHÜTTLE-L IFT – Mit SB-Restaurant bei der Talstation, in den Schulferien jeweils 9 bis 16.30 Uhr, in der restlichen Zeit ist der Konradshüttle Lift nur nachmittags von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet.

LOIPEN – Nr. 1 Rundkurs durch das Ranzental, Länge: ca. 5 km, Ausgangspunkt: Hauptschule Vils; Nr. 2 Über Schönbichl nach Pfronten, Länge: ca. 3 km, Ausgangspunkt: am westlichen Ortsende von Vils. Anschlussmöglichkeit: Loipennetz Pfronten. Aktueller Loipenbericht über www.reutte.com

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