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Weit, urwüchsig, kraftvoll – das Tiroler Lechtal. Der Mountainbike-Fahrer blickt auf endlose Kiesbänke, die der Fluss offenbart.

Am schönsten Ende der Welt

Mountainbike-Tour durch das wilde Hornbachtal

Am Himmel überschieben sich Wolken in allen Schattierungen von Anthrazit und flirten mit den Felsspitzen und den Flusskieseln. Ab und zu reißt es auf – blaue Flecken über türkisblauem Fluss.

Das ist eine gewaltige Landschaft, weit, urwüchsig, kraftvoll – das ist das Tiroler Lechtal.

Im Sommer offenbart der Fluss endlose Kiesbänke, einer Steinwüste gleich, durchzogen von Rinnsalen. Bei Forchach geht eine Hängebrücke über den Fluss hinüber zum Radwanderweg, der von Reutte nach Steeg führt. Und so imposant der Lech auch ist: Noch wilder wird es in den Seitentälern, wo die Berge am Talschluss stehen und eine Sehnsucht offenbaren. Dorthin zu gelangen, wo die Welt zu enden scheint. Dort wo die Petersberger Alm liegt.

Vorderhornbach heißt das erste Etappenziel, an einem Haus findet man die folgende Inschrift. „Dies Haus ist mein und ist nicht mein, Es wird auch nicht des zwyten seyn, Und sollt es auch der dritte sehen, So wird es ihm wie mir ergehen, Der vierte muss auch ziehen aus, Nun sag mir wessen ist dies Haus?“ Fortgetrieben hatte das Lechtal seine Kinder, die im Außerfern herrschende Realteilung der Güter führte zu einer Zersplitterung des Besitzes. Der karge Boden konnte die Bevölkerung nur zu einem Drittel ernähren, jede Missernte führte zu einer Hungersnot. Schon vor fünfhundert Jahren zogen Erwachsene aus dem Außerfern als Schnitzer, Stuckateure und Freskenmaler in die Welt. Später gab es auch im Außerfern die Kinderwanderungen der „Schwabenkinder“. So wenig ist von dieser Geschichte heute zu ahnen – höchstens die Tatsache, dass die Steillagen auch heute sehr beschwerlich zu bewirtschaften sind, das wird klar, je weiter man nach Hinterhornbach hineinkommt.

Weit hinten stehen die Höllhörner Spalier – was für ein sagenhaft schönes Tal, was für ein schmucker Ort mit einer großen Kirche! 1660 wurde eine Kapelle zu Unserer lieben Frau zum Guten Rat errichtet, deren Gnadenbild sich bald zu einem beliebten Wallfahrtsort entwickelte. 1761 wurde eine Kirche im Rokokostil errichtet, ziemlich groß wirkt sie hier zwischen den engen Bergen. Im Gasthof Adler gibt es neben dem großartigen Essen auch eine Chronik von Hinterhornbach: 1891: Erhebung zur eignen Pfarrei. 1912-1914: Bau der Straße von Vorderhornbach nach Hinterhornbach. 1913: erste Fahrräder im Dorf. 1924: Erstes Auto von Graf Beroldinger. 1932: Beginn des Schulhausbaus. 1949: Einführung des elektrischen Lichts. 1959: Erstes Telefon beim Adlerwirt. 1959 – das stelle man sich vor! Zehn Jahre später war man zum Mond geflogen!

Seit 100 Jahren schon gibt es die Petersberger Alm, die nach eigenem Bekunden rund 25 Angestellte hat – ausschließlich weiblich, vierbeinig und mit ergiebigem Euter. Die liefern die Milch für den hervorragenden Käse auf der urigen Sennalm. Ein paar überaus gut aussehende Hühner – „dia Rass isch bsonders schee“, sagt Karl Heinz Strohmaier – laufen umher und inspizieren die Tische. Fast muss man hoffen, dass es gar kein Draußen-Sitz-Wetter ist, denn die Stube ist zu urig, zu kuschelig und der Platz, um sich festzusetzen. Und dahinter dräuen die Felswände – das ist das schönste Ende der Welt!

Von Nicola Förg

NACH HINTERHORNBACH

ANFAHRT – von München über die A 96 bis Landsberg West, B 17 über Hohenfurch, Steingaden, Schwangau. Vor der Lechbrücke in Füssen links Richtung Reutte. Ausfahrt Reutte, Beschilderung Lechtal bis Forchach.

TOUREN – Variante 1: Wanderung. Mit dem Auto nach Hinterhornbach, es sind einige Parkplätze ausgewiesen und zu Fuß auf die Alm (1285 Meter), leicht ansteigend immer entlang des Hornbachs, ab den Drähhütten etwas steiler, knappe 200 Höhenmeter, Gehzeit ca. 1,5 Stunden.

Variante 2: Mountainbike- Tour ab Forchach. Mit der Außerfernbahn nach Reutte. Ab dem Bahnhof in Reutte stündlich Busverbindung talaufwärts: 8.07/ 9.07/10.07 Uhr mit Fahrradanhänger. Fahrzeit bis Forchach: knapp 30 Minuten, Fahrpläne: www.lechtal.at. Mit dem Pkw nach Forchach. Parkplatz gegenüber der Kirche, am Gasthof Sonne Beschilderung Hängebrücke, Hängebrücke queren; Radlweg entlang des Lechs durch herrliche Lechauen; unter der Autobrücke, die von Stanzach kommt durch, am Lech bleiben, nach ca. 1,5 Kilometern rechts nach Vorderhornbach, vorbei am Erlebnisbad Badinio; der Straße nach Hinterhornbach folgen; in Hinterhornbach an Kirche und Adler vorbei, links weg Beschilderung Petersberger Alm, der Forststraße bis zur Alm folgen. Rückweg wie Hinweg, Busfahrer können auch schon in Vorderhornbach in den Wanderbus zusteigen. Gesamt: 48 Kilometer. Forchach 900 Meter, Alm 1285 Meter.

EINKEHR – Petersberger Alm, Bewirtschaftung von Mitte Mai bis Mitte Oktober, Karl-Heinz Strohmaier, Tel. 0043/676/6182509.

KARTE – Kompass 4, Füssen-Außerfern.

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