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Mal kein Schloss in Sicht: Verträumt liegt Schwangau in der frühen Winterlandschaft. Dort lohnt das Museum der Bayerischen Könige einen Besuch.

Schwangau: Auf der Spur der Wittelsbacher

Keine Jeans ohne den Kini

Eins weiß Luitgard Loew genau: „Verrückt war der Kini sicher nicht. Er war vielleicht ein kreativer Sonderling, er war hochgebildet, er las pro Nacht ein Buch.

Außerdem spornte der Technikbegeisterte Ingenieure zu Höchstleistungen an.“ Auch bei der blauen Grotte in Linderhof. Er rang um das Blau. Es ist das Blau, das später für Jeanshosen verwendet wurde, die ja mit Levi Strauss bekanntlich ein fränkischer Schneider aus Buttenheim erfunden hatte. Die Welthose gäbe es nicht ohne einen Franken und ohne einen Wittelsbacher, wie die Leiterin des Museums der Bayerischen Könige in Schwangau betont.

Die Wittelsbacher – eine Dynastie, ohne die Bayern nicht das wäre, was es ist. Und auf ganz wunderbare Weise führt das Museum Geschichte und Geschichten zusammen. Gleich zu Beginn prunkt da Max’ II. Tafelaufsatz. Architekt Leo von Klenze hat die feuervergoldeten Bronzefiguren geschaffen, es sind Motive aus dem Nibelungenlied. Direktorin Loew schwärmt: „Das Museum liegt am Brennpunkt bei den Schlössern. Man muss ja verstehen, was Schwangau für die Wittelsbacher war. Der Reiz liegt darin, dass das einzige dynastische Museum der Welt eben hier liegt. Das wäre so, als gäbe es ein Hohenzollern-Museum in Sanssouci.“ Und wie zur Bestätigung schweift der Blick aus dem ehemaligen Grandhotel am Alpsee zum Schloss Hohenschwangau. Otto von Griechenland ist auch so eine interessante Person mit einer skurrilen Geschichte. Denn als er gestürzt wurde, war er in der Heimat irgendwie übrig. Die Residenz in Bamberg war frei und da brachte er Farbe ins verschlafene Frankenstädtchen mit seinen griechischen „Outfits“.

China-Palast am Plansee

Dann geht es im Museum auch um den volksnahen Luitpold, den Prinzregenten, der 91 Jahre alt wurde. Und um Karl Theodor, dem die Münchner den Englischen Garten verdanken und der indirekt für den Stachus verantwortlich ist. Wäre er nicht so unbeliebt gewesen, hätte sich Karlsplatz durchgesetzt und nicht Stachus nach dem Wirt Eustachius Föderl.

Das Museum zeigt Werbeplakate, die das Landleben schönen, wo die Magd die Milch trägt und ein Bursche dazu auf der Mundharmonika spielt. Sie malen ein klischeehaftes Bild vom heilen Landleben, als die Verelendung weiter Schichten durch die Industrialisierung Bayern längst erreicht hatte. Die NS- Zeit ist Thema, die grauenvollen Erlebnisse der Wittelsbacher, die als Sippenhäftlinge von einem KZ ins nächste verlegt worden sind. Vogelfrei zu sein und bei jedem Türöffnen Angst haben zu müssen, erschossen zu werden. Es geht um die umsichtige Rolle von Rupprecht und endet im Porzellanzimmer mit dem Service zur goldenen Hochzeit von Ludwig III.. Vieles fügt sich hier zusammen, was man irgendwie mal gewusst hat. Auch die 3-D-Animationen von weiteren Bauplänen des Kinis sind eindrücklich. Der chinesische Palast am Plansee? Hätte er ruhig bauen sollen – die Tourismus-Industrie hätte es ihm gedankt...

Nicola Förg

SCHWANGAU

ANFAHRT – A 96 München – Lindau, Ausfahrt Landsberg. B 17 über Schongau und Steingaden nach Schwangau. Alternativ: B 2 über Starnberg, Weilheim und B 472 nach Peiting. Weiter B 17 bis Schwangau.

SPAZIERGANG – Nach dem Museumsbesuch parkt man am besten an der Kristalltherme und geht hinauf in den Kurpark. Das gesamte Parkgelände wurde einst als gemeinschaftliche Viehweide genutzt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg erwarb die Gemeinde die kleinen Geländestücke von den einzelnen Bauern. 1936 begann Architekt Alwin Seifert, Dozent für Gartenbau an der TH München, mit der Gestaltung im Sinne eines Englischen Gartens mit heimischen Pflanzen. Knapp fünf Kilometer gutes befestigtes Wegenetz durchziehen inzwischen den rund 18 Hektar großen Park. Nach einem Rundgang „Am Berg“ – beim Gesundheitszentrum – wieder hinaus, links Richtung Forggensee, links am Cafe Ziller, am See entlang, retour zur Therme. Wer etwas weiter wandern möchte: am Cafe Ziller rechts am See entlang bis zur kleinen Halbinsel/Bootsanleger; durch Brunnen, an der Mühlberger Ach retour zurück ins Dorf, über die schmucke Dorfstraße zurück zur Therme.

MUSEUM – Museum der Bayerischen Könige, Alpseestr. 27, 87645 Hohenschwangau. T.: 08362 / 9264640; www.museumderbayerischenkoenige.de; Öffnungszeiten: 1. Okt.-31. März tägl. 10-18 Uhr, Führungen: 11 u. 15 Uhr.

THERME – Königliche Kristall-Therme, Am Ehberg 16, 87645 Schwangau. T.: 08362 / 819630; www.kristalltherme-schwangau.de

KARTE – Kompass-Karte 4, Füssen-Außerfern.

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