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Eine Aussicht zum Niederknien: Vom Schwarzkopf auf rund 1200 Metern reicht der Blick weit über die Isar hinweg ins Wettersteingebirge.

Hüttlebachklamm, Schwarzkopf und Isarkieselpfad bei Krün

Im Reich der Steine

Die erste Frage bei dieser Tour lautet: Wo rasten? Oben auf der Aussichtsbank am Schwarzkopf, von wo aus Krün und die Isar zu Füßen liegen und Karwendel- und Wettersteingebirge wie auf einem Hochglanzfoto grüßen?

Oder am Ende der Tour, am Isarufer, wo der benachbarte Kieselsteinlehrweg das Gestein am glitzernden Fluss auf besondere Weise entdecken lässt? Die einfachste Antwort lautet: zweimal rasten!

Ausschnitt: Kompass-Karte 07; Lizenz-Nr.: 17-0906- LVB.

Die erste Rast hat man sich nach dem steilen Aufstieg durch die Hüttlebachklamm durchaus verdient. Die ist zwar längst nicht so spektakulär und berühmt wie die Garmischer Nachbarn an der Partnach und im Höllental. Dafür zieht sie als tief eingeschnittener Graben steil hinauf. Teils überhängend und einige Dutzend Meter hoch, brechen die Wände der anderen Schluchtseite ab. Einzelne Kiefern haben sich an den Felsabsätzen festgekrallt. Der Weg wird immer steiler, ist durch Holzstufen und Geländer aber gut ausgebaut. Am oberen Schluchtende stürzen Bäche in kleinen Wasserfällen von zwei Seiten herein. Hat man die Klamm hinter sich, begleitet der Hüttlebach werden Weg weiter, doch sein Graben ist nun viel sanfter. Der Schwarzkopf ist nun nicht mehr weit entfernt. Als wirklichen Gipfel erkennt man die Anhöhe kaum. Doch von der einladenden Bank aus bietet sich ein einmaliges Panorama. Unten liegen Krün und die Isar mit ihrem Stausee. Dahinter grüßt zwischen waldigen Hügeln der Barmsee. Und in breiter Runde erheben sich Zugspitze, Alpspitze und das Wettersteingebirge. Weiter links, zwischen Unterer Wettersteinspitze und den unverwechselbaren dreigipfeligen Arnspitzen lugt gar noch ein Stück der Zentralalpen durch. Für die Nachspeise lässt sich gut auf eine der ein wenig südlich liegenden Bänke wechseln. Von ihnen aus zeigt sich im Südosten auch die Karwendelkette über Mittenwald.

Einmaliges Panorama - Zugspitze, Alpspitze und das Wettersteingebirge

Der Abstieg nach der Aussichtsrast ist bequem und unspektakulär. Von einer weiteren Schlucht, dem Felsengraben, den der Weg passiert, hört man das Rauschen des Wildbachs, die Felsen aber verdeckt zum Teil der Wald. So hat man die Isar im Tal bald wieder erreicht, und die Tour könnte ihr Ende finden. Doch ein Höhepunkt folgt für diejenigen, die nach der Brücke nicht rechts zum Parkplatz gehen, sondern links in den Kieselsteinlehrpfad einbiegen. Oben am kleinen Damm stehen befestigte Steinpyramiden, die Reihe für Reihe die Gesteinsarten erklären, die sich entlang der jungen Isar finden lassen. Kalk und Hauptdolomit, die aus den angrenzenden Gebirgen stammen, verwundern erst mal nicht. Doch dann findet sich da Gneis, ein türkisgrüner Juliergranit aus dem Schweizer Engadin und sogar Metaandesite aus der italienischen Adamello-Gruppe. Den Eiszeitgletschern sei Dank, dass solche Gesteinsarten quer durch die Alpen bis nach Bayern verschoben wurden. Derart „belehrt“, heißt es dann, zum Isarbett hinunter zu steigen und selbst auf Steinejagd zu gehen. Die gesammelten Prachtstücke können dann oben direkt mit den Steinpyramiden verglichen und identifiziert werden. Wer wirklich Glück hat, wird vielleicht sogar Versteinerungen entdecken, etwa Korallen im Gestein der rund 200 Millionen Jahre alten Kössener Schichten.

Wer mehr Prachtexemplare finden und vielleicht sogar das Schleifhandwerk für die Steine erlernen will, sollte unbedingt Vera und Sepp Karner aus Krün kennenlernen. Sie haben die Steinpyramiden und den Lehrweg sowie weitere Geowege in der Umgebung aufgebaut und bieten Kurse und Führungen an. In jedem Fall ist ganz am Ende der Tour noch die zweite Rast angesagt. Den Fluss und das Wettersteingebirge vor Augen, zieht man Schuhe und Strümpfe aus und badet sie im kalten Wasser. Das tut gut, denn die 300 Höhenmeter hinauf zum Schwarzkopf waren gar nicht so anstrengend wie ein Dutzend Mal Steineaufsammeln und -vergleichen hier unten am Fluss!

von CHRISTIAN RAUCH

RUND UM KRÜN

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter B 2 über GAP in Richtung Mittenwald. Kurz vor Mittenwald auf die B 11 Richtung Krün. Alternativstrecken: A 95 Ausfahrt Kochel. Über Kochel und Walchensee bis Krün. In der Ortsmitte zur Touristinfo und den Schildern nach zum Wanderparkplatz.

TOUR – Gehzeit: 2,5 Std. Höhenunterschied: 300 Meter. Wichtig: Extrazeit für den Kieselsteinpfad einplanen! Anforderungen: Forststraßen und befestigte Steige, teils steil, einige Stufen. Tourverlauf: Vom Parkplatz Richtung Bergfuß und rechts zur Isarbrücke. Über sie und rechts der Forststraße folgen. Nach ca. 500 Meter links aufwärts. Immer dem Schild „Hüttlebachklamm“ folgend, in die Klamm und über geländergesicherte Stufen steil aufwärts. Rechts aus der Klamm hinaus und weiter den Schildern „Schwarzkopf“ folgen. Bei einer größeren Verzweigung weist links das Schild „Krün 0:45“ zum Abstieg.

Zuvor aber noch dem Schild „Aussichtspunkt“ halblinks aufwärts folgen und zur wunderschönen Bank am Schwarzkopf auf rund 1160 Metern (weiter rechts befinden sich noch weitere Bänke). Über den Abstiegsweg und weiter unten den Schildern „Krün 0:20“ und „Krün 0:15“ auf Forstwegen folgen.

Unten an der Isar auf der Forststraße links und wieder rechts über die Brücke. Links geht es in den Kieselstein-Lehrpfad (in Karte unten blau markiert), rechts zurück zum Parkplatz.

INFORMATIONEN – Kieselstein-Führungen, Lehrpfade und Schleifkurse von Vera und Sepp Karner in Krün (Tel.: 0 88 25 / 562; Internet: www.geo-trip.de).

KARTE – Kompass-Karte 07, Werdenfelser Land und Zugspitze, Maßstab 1:35 000.

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