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In Sichtweite der Königsschlösser und dennoch ein ruhiges Ausflugsziel: der herrlich gelegene Alpsee bei Füssen.

SCHWANSEE & ALPSEE

Seen sehen: Abwechslungsreiche Runde bei Füssen

Man kann dem „Kini“ nicht genug danken: Ohne Neuschwanstein wäre das Bayernbild im Ausland ein komplett anderes. Und ja, der eine oder die andere wendet sich mit Grausen ab vom massentouristischen Auftrieb.

Aber: Nur wenige Meter neben den Asiaten mit den Selfiesticks liegt eine bezaubernd stille Natur, wo man alleine geht und es kaum fassen kann, dass das Zuckerbäckerschloss so nah sein soll. Altstadtromantisch beginnt es in Füssen beim Hohen Schloss, 1291 von Ludwig dem Strengen begonnen. Das Schloss ist eines der bedeutendsten Profanbauten der deutschen Spätgotik mit der wunderbaren Scheinarchitektur im Hof. Heute wird es profan als Finanzamt, weit künstlerischer als Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und als städtische Galerie genutzt. Letztere thematisiert die Bilder- und Gedankenwelt des 19. Jhs. Nachdem Kronprinz Maximilian, der spätere König Max II., Schloss Hohenschwangau fertiggestellt hatte, erwarb er weit drunten unter den steilen Felsen im Rohrachfilz Grundstücke. 1837 gab es bereits erste Pläne für einen Schlosspark von Carl August Sckell, dessen Onkel Ludwig Sckell den Englischen Garten in München schuf. Nach Sckells Tod übernahm Peter Joseph Lenné und gestaltete einen englischen Park, wo mit der Anlage von Solitärbäumen, mit Sichtachsen und mit Baumgruppen Weite und Größe vorgetäuscht werden sollte. Alle Wege, die es heute noch gibt, existierten schon vor 160 Jahren. Wo heute die Füssener ihren „Stadtpark“ haben, da flanierte weiland die feine Gesellschaft durch den wunderbaren Schwanseepark.

Durchaus zackig in Serpentinen geht’s dann den Fischersteig hinauf, bis zu einem Abzweig nach Frauenstein. Das „castrum Frawenstein“ erschien erstmals 1290 in den Schriftquellen. Die Turmburg war die westlichste der vier benachbarten Burgen der Herren von Schwanstein. Unmittelbar unterhalb lag die Burg Schwanstein, die im 19. Jh. zum Schloss Hohenschwangau wurde. Und auch das Märchenschloss Neuschwanstein liegt auf dem Areal von zwei dieser alten Burgruinen. Die einzelnen Familienzweige der Schwangauer lebten zerstritten auf ihren vier Ansitzen, im Spätmittelalter sollen einige ihre Beutel als Raubritter gefüllt haben. Frauenstein tauchte bis 1487 noch in Urkunden auf, dann wurde sie nach und nach abgebrochen, die Steine quasi recycelt. Beherzte, die eine Wanderung in des Kinis See(le)n-Landschaft ausdehnen wollen, sollten den Alpsee umrunden. Denn, oh Wunder: Spätestens an der romantischen Badeanstalt endet jeder Besucherverkehr.

Immer wieder geht der Blick zurück auf die Schlösser und den Museumsbau. Auf der Westseite hält man sich weiter ganz nah am Wasser auf den Gitterstegen, bis sich ein verwunschenes Plätzchen auftut. Wo der kleine Bach mündet, liegt ein Zauberwald, einen Fantasyfilm würde man hier drehen wollen. Auf der Nordseite steigt der Weg an, schmal, auch mal felsig – gut, dass die meisten Schlossgäste mit dem windigen Schuhwerk hier nicht lustwandeln. Der Trubel ebbt erneut ab, wenn man von Hohenschwangau erst am Berghang und dann hinaus in die Ebene wandert.

Auf dem Bullachberg thront das vierte im Reigen der Schlösser: Schloss Bullachberg, ein stattlicher Walmdachbau mit Rundturm, 1905 für den Unternehmer Emil Papenhagen erbaut und 1927 von Rafael Prinz von Thurn und Taxis erworben, der hier mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1996 lebte. Danach gab es einen mehrjährigen politischen Streit um den Bau und viel Lärm wegen eines geplanten Luxushotels. Die Porsche AG griff 2006 zu, stieß das Anwesen aber bald wieder ab. 2013 kaufte die Unternehmerin Elisabeth von Elmenau das Schloss und belebt es heute mit einer ökologischen Landwirtschaft, mit Ferienwohnungen und als Kulturzentrum. Heiter blickt das hübsche Schloss nun auf die Menschen, es hat seine achtsame Bestimmung gefunden unter den vier Schlössern...

Von Nicola Förg

Wanderung: SCHWANSEE & ALPSEE

ANFAHRT – Bahn: DB München-Pasing ohne Umsteigen nach Füssen alle zwei Stunden. Auto: A 96 München – Lindau. Ausfahrt Landsberg/West. B 17 Schongau/Peiting bis Füssen. Vor der Lechbrücke links zum großen Schwanseeparkplatz. Einstieg in die Tour dann ab Schwansee.

TOUR – Vom Bahnhof über die Bahnhofsstraße zur Hauptkreuzung, rechts in die Reichenstraße und weiter zum Hohen Schloss, die Lechhalde hinunter, stadtseitig am Lech entlang bis zum Lechsteg, ein kurzes Stück neben der B 17. Dann verläuft der Kienbergweg parallel neben der Straße nach Alterschrofen, bis zum Schwanseeparkplatz. Hinein in den Park, am See entlang und weiter den Fischersteig hinauf. Bei der Abzweigung Frauenstein besteht die Möglichkeit, über Frauenstein und Hohenschwangau zu wandern. Wer das nicht will, geht geradeaus weiter bis zum Alpsee. Fakultativ: Alpseeumrundung am Südufer über Badeanstalt, am Nordufer über Marienmonument und Pindarplatz. In Hohenschwangau ortsauswärts, rechts abbiegen in den Pöllatweg, der sich dann nach links wendet. An der Gipsmühle vorbei und am Trachtenheim, die Colomanstra- ße überqueren, den linken Feldweg direkt nach Bullachberg. Links ab nach Alterschrofen. Autofahrer gehen zum Parkplatz. Bahnfahrer queren hinter Alterschrofen die B 17 und gehen bis zur Lechbrücke. Zeitbedarf: Füssen, Schwansee, Schlösser ca. 1,5 – 2 Stunden, Detour Frauenstein ca. 20 Minuten, Alpsee Umrundung ca. 1,5 h, zurück nach Füssen ca. 1 h.

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