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Drei Fernrohre sorgen für Durchblick auf dem Bergwald-Erlebnispfad über Ettal: Mit ihrer Hilfe lässt sich die Funktion des Schutzwaldes erkennen.

Wanderung

„Seiltanz“ durch den Wald: Erlebnisweg oberhalb von Ettal

Der Bergwald rund um Ettal ist seit Jahrhunderten traditionelles Forstgebiet. Nun kann man auf einem aufwendig gestalteten Weg mehr über den Wald erfahren, der nicht nur wichtiger Holzlieferant ist, sondern auch die Täler in vielfältiger Weise schützt.

Der neue Erlebnispfad beginnt nach einem kleinen Aufstieg zum Kneippbecken. Entlang eines fast ebenen Höhenwegs mit schönen Tiefblicken auf das Kloster wartet dann bald die erste Station. Unter der Überschrift „Waldwandel“ erfahren wir, wie sich die Forstwirtschaft in den letzten 250 Jahren verändert hat. Eins sei hier schon verraten – mehr Wald als heute wuchs früher keinesfalls! Anschließend gilt es, Baumarten zu erkennen, ehe eine besonders interessante Station wartet. „Ohne Schutzwald geht’s bergab“, steht hier und mittels dreier Durchblickrohre kann man an den steilen Flanken des gegenüberliegenden Ochsensitzes tatsächlich erkennen, wie Stürme, Schädlinge und Lawinen dem Bergwald zu schaffen machen und wie Förster versuchen, den Schutzwald wieder herzustellen. Dann geht’s wieder aufwärts. Weitere Stationen folgen, darunter ein kleiner Jägerstand zum Thema Wild und ein „Sickerversuch“, der veranschaulicht, wie gut Waldboden Wasser speichern und Überschwemmungen verhindern kann. 

Bei den nachfolgenden „Baumbegegnungen“ leitet ein Seil zwischen Baumstämmen hindurch, dem man sich mit geschlossenen Augen anvertrauen sollte. Am Ende des „Seiltanzes“ verrät eine Tafel, an den Stämmen welcher Baumarten man sich entlanggetastet hat. Nach dieser Station teilen sich die Wege. Der Bergwald-Erlebnispfad führt rechts noch ein Stück hinauf und dann zum Ausgangspunkt am Kneipp-Becken zurück. Da in diesem letzten Stück aber nur mehr wenige weitere Stationen warten, lohnt der Abzweig nach links Richtung Oberammergau. Auf dem Vogelherdweg geht es ruhig durch den Wald weiter, ehe man die Bundesstraße überquert und plötzlich in einem brettebenen Gelände steht. 

Der Wanderer befindet sich im Naturschutzgebiet Weidmoos und geht an einem Fluss entlang, der ganz jungen Ammer, die hier aus der Linder hervorgeht. Um diese Jahreszeit kann man auf den umliegenden Moorwiesen freilich keine Orchideen, Enziane oder andere prächtige Blüten finden, dafür plätschert das Wasser klar und seelenruhig vorbei und vielleicht lassen sich gar Spuren des hier hausenden Bibers entdecken. Auf der Talrunde gerät man nun in den Schatten, den die südlich gelegene, 1000 Meter höhere Notkarspitze fast den ganzen Tag über wirft. Empfindlich kalt kann es hier selbst zur Mittagszeit sein, doch bald naht die Ettaler Mühle zum Aufwärmen. Auf den letzten Metern vor der wärmenden Stube können wir sehen, wie hier einst das Ammerwasser auf die Mühle geleitet wurde. Sie drehte sich als hochoffizielle Sägemühle von Kloster Ettal schon im 18. Jahrhundert. 

Der Weiterweg führt dann am Bergfuß des Ziegelspitz vorbei, einem Nachbargipfel der Notkarspitze, dessen Name von der einstigen Klosterziegelei stammen dürfte. Schließlich leitet uns ein Weglein zurück ins Ortszentrum. Dort kann man die weithin berühmte Basilika mit ihrer großen Kuppel bewundern. Angemeldete Gruppen können sich das Kloster auch zeigen lassen sowie Einlass in das Brauereimuseum und die Klosterdestillerie bekommen. Dort oder in einem Ettaler Gasthaus kann man sich dann auch von innen wärmen.

Von Christian Rauch

Bergwald-Erlebnispfad Ettal

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-Partenkirchen bis Autobahnende. Weiter B 2 bis Oberau. Dort auf die B 23 nach Ettal. Alternativ: A 95, Ausfahrt Murnau. Über Murnau, Bad Kohlgrub, Saulgrub, Unter-/Oberammergau nach Ettal. Parken im Mandlweg östlich des Klosters.

TOUR – Gehzeit: 2,5 bis 3 Std.; Länge: 9 km. Höhenunterschied: 200 m. Berg-/Forstwege, auch bei nicht zu hoher Schneelage (geräumt-eingetreten, evtl. eisige Stellen). Verlauf: Vom Parkplatz auf dem Mandlweg aufwärts zur Schaukäserei und den Wanderschildern folgend rechts aufwärts weiter. Nach Kneipp-Tretbecken links (Schild „Oberammergau Höhenweg“). Hier beginnt (Tafel) auch der Erlebnispfad (Beschilderung: Holzschilder mit Adlersymbol). Mit Klosterblick zur Tafel 1 und an der Rückweg-Abzweigung vorbei. An weiteren Stationen immer der Adler-Beschilderung folgend weiter, leicht hinab zur Station zum Schutzwald, dann rechts hinauf. Vorbei an einem Abstecher zu weiterer Station, oben links zur Tannenbaum-Tafel, zur „Ruheoase“ und den Stationen „Wald und Wild“, „Wald und Wasser“ und „Baumbegegnungen“. An der Verzweigung den Bergwald-Erlebnispfad verlassen (er führt rechts aufwärts und rasch zurück, im weiteren Verlauf nur noch wenige Stationen) und dem Oberammergau-Schild folgend links. Auf der Forststraße abwärts, auf schmäleren Weg und hinab zur Bundesstraße. Unten auf Weg an der Straße weiter (einige Stufen). Wo es nach einem Wäldchen wieder nah an die Straße geht, den Weg verlassen und die Straße queren, hinüber zum Schild, das in das Naturschutzgebiet Weidmoos leitet. Nun immer der Beschilderung Ettaler Mühle folgend zum Gasthaus. Jenseits des Parkplatzes die Autostraße queren und auf dem Sträßchen zum Wald am Bergfuss (am Wald einmal rechts). Auf und Ab am Waldrand, auf Höhe des Klosters dann links auf einen Wiesenweg. Geradeaus in den Ort. Jenseits der Hauptstraße der Klosterhof mit Basilika, sonst an der Straße rechts und nach der Mauer links in den Mandlweg und zum Parkplatz.

KARTE

– Kompass-Karte 5, Wettersteingebirge.

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