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Selbstversuch: Was bringt Kompressions-Wäsche?

München - Zwei -Leser machten beim Marathon den Selbstversuch: Sie wollten genau wissen, wie sich das Tragen von  Kompressions-Wäsche beim Sport auswirkt.

Omas Stützstrümpfe kommen gerade groß in Mode! Immer mehr Ausdauersportlersetzenaufknallenge Strümpfe oder Hosen, die einen Druck auf die Muskulatur erzeugen. Solche Kompressionswäsche soll die Leistung fördern und die anschließende Regeneration beschleunigen. Doch die wissenschaftlichen Tests widersprechen einander.

Die Medizin verwendet Kompressionsstrümpfe seit Langem zur Vorbeugung gegen Thromben (Blutpfropfe) in den Beinvenen. Der gezielte Druck von außen fördert den Blutfluss, besonders den Rückfluss des Bluts zum Herzen. Übertragen auf den Sport soll die schnellere Blutzirkulation einen erhöhten Sauerstofftransport zu den Muskeln bewirken. Das würde bedeuten: höhere Leistung bei gleicher Anstrengung.

Einige Studien scheinen diesen Effekt zu belegen. Der Erlanger Mediziner Dr. Wolfgang Kemmler etwa hat auf dem Laufband die Leistungsfähigkeit ambitionierter Hobbyläufer mit und ohne Kompressions- Laufsocken der Marke cep verglichen. Dabei konnte er signifikante Unterschiede feststellen, was ihn zu dem Fazit bringt: „Mit kompressiven Sportstrümpfen konnte eine höhere Geschwindigkeit realisiert werden, sodass die Frage nach einer Leistungsverbesserung bejaht werden kann.“

Dem widerspricht zum Beispiel eine Studie von Dr. Billy Sperlich (Sporthochschule Köln). Er machte mit 15 Ausdauerathleten Tests mit verschiedenen Kompressions- Kleidungsstücken der Firma Craft und mit nicht komprimierenden Vergleichsklamotten. Dabei zeigte keiner der Parameter statistisch signifikante Unterschiede. Sperlich zieht den Schluss, „dass die Bekleidungsstücke mit unterschiedlichen Kompressionsflächen keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hatten“. Immerhin empfiehlt auch Sperlich Kompressionsstrümpfe für die Regeneration. Die erhöhte Blutzirkulation soll Abfallprodukte des Stoffwechsels wie Laktat schneller abtransportieren.

Zwei tz-Leser machten die Probe am eigenen Leib. Sie trainierten in Kompressionswäsche der Marke Skins (A400-Kollektion) aufdenMünchen-Marathon und absolvierten am vergangenen Sonntag das Rennen. Lesen Sie hier ihre Erfahrungen.

Steffen Schmitt: „Man hat weniger schwere Beine“

Steffen Schmitt (44) ist Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, läuft seit mehr als 20 Jahren Marathons und betreibt seit 1993 Triathlon. Er lief mit Stutzen(45€),einerShort (80 €) und einem langarmigen Hemd (100 €) von Skins.

„Beim Anziehen muss man sorgfältig vorgehen, damit die Wäsche korrekt anliegt“, berichtet der Münchner. Ob Kompressionswäsche zu einer Leistungssteigerung führt, wagt Schmitt nicht zu sagen. Aber: „Ich habe mit Sicherheit festgestellt, dass sich die Beine nach der Belastung weniger schwer anfühlen. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn man die Hosen oder Beinlinge nach der Belastung noch eine Weile anbehält.“ Auch am Oberkörper macht Kompression seiner Ansicht nach Sinn, weil man dadurch die Muskulatur besser wahrnehme. Der stattliche Preis für die Wäsche erscheint ihm angesichts der hohen Verarbeitungsqualität gerechtfertigt.„ Wielangeder Kompressionseffekt der Fasern hält, muss sich jedoch noch zeigen.“

Den München-Marathon hat Schmitt letztlich in 3:30 Stunden absolviert, womit er zufrieden ist. Schließlich konnte er im Sommer nicht besonders viel trainieren und schlug sich in der Woche vor dem Lauf mit einem fiebrigen Infekt herum.

Martin Zerenner: „Ein sehr positives Tragegefühl“

Martin Zerenner (40) ist Justizvollzugsbeamter und läuft seit zehn Jahren Marathons. SeitdemFrühsommer hat der Münchner in einem Oberteil (100 €) und einer Hose (100 €) aus der A400- Kollektion auf den Heim- Marathon trainiert. „Mein erster Eindruck war: Die Klamotten sind viel zu eng“, erzählt Zerenner. „Wenn man aber mal drinsteckt, ist das Tragegefühl sehr positiv. Als werde von außen Körperspannung aufgebaut.“ Weiterer Vorteil: Die enge Wäsche scheuert nirgends. „Endlich muss man die Brustwarzen nicht mehr abkleben“, erklärt Zerenner.

Die textile zweite Haut sei jedoch arg dünn. Oft musste Zerenner ein Shirt drüberziehen, um nicht zu frieren. Und: Das Ausziehen der feuchtgeschwitzten Kleidung habe sich jedes Mal sehr mühsam gestaltet.

Beim Training registrierte Zerenner, dass er sich bei langen Läufen „nach hinten raus erstaunlich locker“ gefühlt habe. Das, so schränkt er ein, könne aber auch an seinem allgemein guten Fitnessstand in diesem Jahr gelegen haben. Den Marathon selbst absolvierte Zerenner in 3:14 Stunden – zehn Minuten unter seiner bisherigen Bestzeit. „Ob die Kleidung diese Steigerung bewirkt hat, kann ich nicht sagen“, analysiert Zerenner. „Jedenfalls werde ich auch künftig in dieser Wäsche laufen.“

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