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Die Grundhaltung für technisch schwierige Passagen. Gebeugte Ellbogen und Knie erlauben schnelle Reaktionen.

Die 10 wichtigsten Fahrtechniktipps vom Mountainbike-Weltmeister

Sicher im Sattel

Man muss nicht gleich Downhill-Weltmeister werden wie Stefan Herrmann im Jahr 1996 – aber ein bisschen Fahrtechnik hilft jedem Radler weiter, sei es auf Feldwegen oder an Trambahnschienen.

Stefan Herrmann ist Gründer der ersten Mountainbike-Schule Deutschlands. Seine Mountainbike-Academy (www.mtb-academy.de) bietet Fahrtechnik- Camps an, von München bis Mallorca. Für die tz-Leser verrät Stefan Herrmann die zehn wichtigsten Tipps für mehr Sicherheit im Sattel.

Raus aus dem Sattel

Die erste Lektion für mehr Sicherheit im Sattel lautet paradoxerweise: raus aus dem Sattel! Ein holpriger Waldweg, eine enge Kurve oder tiefer Schotter verlangen volle Kontrolle über das Fahrrad, um nicht zu stürzen. Im Stehen beherrscht man das Bike viel besser als im Sitzen. Vor allem bergab sollte man tunlichst nie sitzend fahren. Tipp: vor technischen Abfahrten den Sattel absenken, das verschafft Bewegungsfreiheit.

Die Grundhaltung

Technisch anspruchsvolle Passagen fährt man in folgender Grundhaltung an (siehe Foto rechts): Die Kurbeln stehen waagrecht, Körperschwerpunkt mittig über dem Fahrrad, Zeige- und Mittelfinger liegen bremsbereit an den Hebeln, die restlichen Finger kontrollieren den Lenker, Knie und Ellbogen leicht angewinkelt.

Locker bleiben

Statt sich verkrampft an den Lenker zu klammern, greifen wir ihn sanft wie einen Eisbecher. Der ganze Körper bewegt sich auf dem Fahrrad so geschmeidig wie eine Katze.

Hintern nach hinten

Ein Überschlag beim Bergabfahren – das ist einer der gefährlichsten Radlerunfälle, und doch so einfach zu vermeiden. Einfach den Hintern und damit Körpergewicht hinter den Sattel schieben! Bei leichtem Gefälle etwas weniger, auf steilen Abfahrten etwas mehr. Hauptsache, der Schwerpunkt kippt nicht über die Vorderradachse, sondern bleibtlotrechtüber dem Tretlager.

Vorderrad lupfen

Wenn Sie einen Bordstein hochfahren möchten, geht das am einfachsten, indem Sie kurz vor der Kante aktiv das Vorderrad anheben und es oben absetzen. Diese kleine Zirkusnummer sollte zum Repertoire jedes Radlers gehören. Arme beugen, dann ruckartig strecken, dabei Körperschwerpunkt nach hinten/ oben; sobald die Arme gestreckt sind, hebt das Vorderrad ab. Das Schwierigste am punktgenauen Lupfen ist das Timing. Bevor Sie sich also an den Bordstein wagen, üben Sie im Flachen!

Im rechten Winkel anfahren

Auch Hindernisse wie eine Wurzel lassen sich mit dem Vorderrad- Lupfer meistern. Wenn Sie aber aus irgendeinem Grund darüber hinwegrollen müssen, steuern Sie das Hindernis immer im rechten Winkel an! Ein spitzer Winkel führt vor allem bei Nässe dazu, dass das Vorderrad an der Wurzel wegrutscht – schmerzvollerAbganginklusive. Ebenso verhält es sich an Wasserrinnen aus Metall, Holzplanken, Bahnschienen…

Vorausschauend fahren

Die Augen und der wache Geist des Bikers sollten immer ein paar Meter vorausfahren.LiegteinHindernis im Weg? Wie kann man es umfahren? Geht es in eine Kurve oder plötzlich bergab? Wer vorausschauend fährt, hat genug Zeit, auf alle Eventualitäten angemessen zu reagieren.

Vorm Hindernis bremsen

Wer in einer Kurve mit Schotterbelag bremst, der riskiert, dass das Vorderrad wegschmiert. Autsch! Besser: Vorausschauend fahren und schon vor der Einfahrt in die Kurve die Geschwindigkeit so weit reduzieren, dass man problemlos durchkommt. Und wenn man doch mal in einer Kurve bremsen muss: fein dosiert und möglichst nur mit dem Hinterrad. Weiteres Beispiel: eine nasse Holzbrücke; die Planken sind dermaßen rutschig, dass jedes abrupte Manöver zwangsläufig zum Sturz führt. Also schon vor der Brücke Fahrt rausnehmen, dann die Bremse öffnen und schnurgerade im Leerlauf über die Brücke rollen.

Druck aufs Vorderrad

Viele Bergradler haben das Problem, dass ihr Vorderrad an steilen Rampen die Bodenhaftung verliert. Die Lösung: Auf dem Sattel etwas nach vorne rutschen, Ellbogen anwinkeln und den Lenker aktiv nach hintenziehen( nichtschrägnach oben!). Dadurch beugt sich die Brust automatisch zum Lenker, das Körpergewicht bringt ausreichend Druck aufs Vorderrad.

Der positive Blick

Bei vielen Sportarten folgt die Körperbewegung automatisch dem Blick. Starrt der Biker sorgenvoll auf einen dicken Stein, fährt er mit großer Wahrscheinlichkeit genau dagegen. Rumms! Fixieren die Augen hingegen das Ziel einer schwierigen Passage an, so wird das Fahrrad den optimalen Weg dorthin finden. Beides hat viel mit Psychologie zu tun. Gedanken ähneln sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Wer sich sorgt: „Hoffentlich rumpel ich jetzt nicht gegen diesen Brocken“, der hat schon verloren. Wer hingegen positiv denkt: „Da zwischen den beiden Steinen möchte ich sicher durchfahren“, der wird genau das schaffen.

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