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Singletrail-Paradies/Livigno, die Freireiter: Tom Leitner, Andi Prielmaier, www.diefreireiter.de

Freeride Trans Alp

Die Freireiter unterwegs vom Comer See zum Tegernsee

Alpencross reverse: Tom Leitner, Andi Prielmaier und Kameramann Vincent Breysacher drehten Mitte Oktober vergangenen Jahres den Spieß um, und radelten vom Comer See über die Alpen zum Tegernsee.

Die Route von Süd nach Nord ist ungewöhnlich. Normalerweise überqueren Biker die Berge in entgegengesetzter Richtung und auch nicht unbedingt im fortgeschrittenen Herbst. Alexander Benjamin fragte das Biker- Trio nach seinen Beweggründen.

Andi, Du hattest die Idee zu dieser Trans Alp. Warum seid Ihr so spät aufgebrochen?

Das Wetter war im Sommer ziemlich schlecht. Bei Dauerregen macht es nur bedingt Spaß, sich über schlammige Trails und rutschige Wurzelpassagen zu kämpfen. Darum haben uns dazu entschieden, im Herbst zu fahren. Irgendwann musste das Wetter ja mal besser werden. Flowige und technische Trails in einer grandiosen Landschaft, dazu wenig andere Biker – das war unsere Vision. Die Rechnung ist aufgegangen.

Und was hat Euch dazu bewogen, den umgekehrten Weg zu nehmen?

Andi: In Summe war das Verhältnis zwischen kommoden Auffahrten und anspruchsvollen Downhills auf der Strecke von Süd nach Nord auf unserer gewählten Route einfach günstiger. Gegen den Strom zu radeln und etwas Neues auszuprobieren, war ein weiterer Anreiz. Tom: Die Strecke in ungewohnter Richtung zu fahren, ermöglicht ganz neue Einblicke. Speziell wenn man bereits einige Trans Alps auf dem Buckel hat, hat ein Wechsel der Perspektive seinen Reiz. Zudem haben wir herausgefunden, dass sich viele tolle Trails im Downhill ergeben, wenn man die Strecke von Süden her angeht.

Andi, wie ist das Gefühl, am Ende einer Alpenüberquerung daheim anzukommen?

Ungewohnt. Normalerweise radelt man zum Gardasee oder zum Comer See und schaukelt dann mit Bus oder Bahn langsam heim. Beides hat seinen Reiz. Sich vom Ungewohnten zum Bekannten zu bewegen war ein neues Gefühl, ist aber weder besser noch schlechter. Das Gefühl, angekommen zu sein, ist aber bei der Süd-Nord-Variante stärker.

Tom, woher kennt Ihr Euch?

Übers Skifahren. Andi und ich haben zusammen einige Geschichten für Magazine gemacht. Wir hatten gleich einen speziellen Draht zueinander. Umso schöner war es für mich, gemeinsam eine Tour zu unternehmen, auf der man immer mal wieder an seine Grenzen gehen muss. Das schweißt zusammen.

Würdet Ihr die Tour so noch einmal fahren?

Andi: Ein klares Ja! Beeindruckende Landschaften, gute Trails, schönes Wetter, aber auch anstrengende Phasen und ein feines, meist gut gelauntes Team – das sind die Zutaten für eine erfolgreiche Trans Alp. Vincent (lacht): Auf jeden Fall. Aber dann ohne 18 Kilo Filmausrüstung auf dem Buckel. Tom: Eher nicht. Ich sehe gerne immer etwas anderes und will Neues erleben. Dass diese Trans Alp aber einige meiner bisher schönsten Eindrücke und Fahrstrecken beinhaltet, kann ich auf jeden Fall bestätigen.

Gab‘s den einen, den besonderen Moment auf Eurem Trip?

Location: Singletrail-Paradies/Livigno, die Freireiter: Tom Leitner, Andi Prielmaier, www.diefreireiter.de

Andi: Hoch über dem Comer See windet sich ein ausgesetzter Trail über verrostete Eisenbahnschienen durch lange, enge und dunkle Tunnels, so niedrig, dass man den Kopf einziehen muss. Die einsame und zerklüftete Trasse wurde vor knapp 100 Jahren in den Fels geschlagen für eine kleine Bahn, die Material für den Bau eines Wasserkraftwerks transportierte. Irgendwann kommt man nach Codera, das vom Tal nur über einen Fußweg zu erreichen ist. Dieser Ort strahlt wegen seiner Abgeschiedenheit eine unglaubliche Magie aus. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Ich habe diese Ruhe inhaliert. Vincent: Hmm, schwierig zu sagen, da es fast jeden Tag eine Überraschung gab. Aber mit Sicherheit war das verlassene Bergdörfchen am Comer See in der Abenddämmerung auch für mich ein Highlight. Als Stadtmensch fragt man sich schon, wie man hier wohnen kann: keine Straße, keine Autos, keine Geschäfte. Nur zehn Häuser, ein Dorfbrunnen und eine kleine Kapelle, sonst nichts. Wir haben uns fast nicht getraut, die Helmleuchten anzuknipsen – vor lauter Angst diese Idylle zu zerstören. Tom: Für mich war‘s auch Tag eins. Dieser Traumtrail nach Codera mit seinen unglaublichen Ausblicken auf den See. Bei anbrechender Dunkelheit fanden wir uns auf dem Dorfplatz wieder, ein ziemlich intensiver Ort mit einer alten Heilquelle. Der Tag fand seinen besonderen Abschluss mit einem technischen Singletrail ins Tal, den wir im Schein unserer Stirnlampen befuhren.

Ihr seid in einer einzigartigen Landschaft unterwegs gewesen. Gebt uns bitte einen Einblick!

Vincent: Hoch über Livigno, am Monte Crapene, fanden wir wunderschöne Singletrails und den wohl schönsten Ausblick auf den Lago di Livigno. Die Trails vom Stilfser Joch in Richtung Glurns waren auch klasse. Hier dominiert König Ortler mit seinen fast 4000 Metern Höhe. Wo wir heutzutage den berühmten Goldsee- Trail hinntersurfen, verlief einst die Front des Gebirgskriegs. Die Wege wurden von Soldaten unter widrigsten Bedingungen angelegt, um Munition und Proviant zu transportieren. Aber auch die Tegernseer Berge sind ein wahres Singletrail-Paradies. Sie bieten alles von flowigen bis technischen Strecken und eine wunderschöne Landschaft direkt vor unserer Haustür – dahoam ist halt dahoam. Tom: Den Ortler im Hintergrund und dazu der perfekte Trail nach Laatsch waren mit Sicherheit ein Höhepunkt. Das Vinschgau generell gehört für mich zu den schönsten Landschaften weltweit.

Tom, viele Skifahrer sind auch Biker. Wo siehst Du die Parallelen?

Ich denke, man kann viele Berührungspunkte finden: die Geschwindigkeit, die Airtime, das Spiel mit der Schwerkraft, das Finden und Nutzen von Transitions. Es ist eben nur logisch, dass man auch im Sommer in den Bergen unterwegs ist, und da ist ein Mountainbike das spaßigste Mittel der Wahl. Außerdem stellt Biken die perfekte Vorbereitung auf die Skisaison dar, weil die Belastungen vielfältig sind, und man sie individuell gestalten kann.

Vincent, Ihr habt über die Tour einen Film gemacht. Welches Equipment hattet Ihr dabei?

Einiges: zwei Kameras, drei GoPros, zwei Stative, einen mobilen Kamerakran, diverse Objektive und einen Kameraschlitten.

Andi, der Film heißt Freeride Trans Alp. Warum Freeride?

Freeride ist für mich eine Lebenseinstellung. Sie hat etwas zu tun mit Freiheit, Natur, sich draußen zu bewegen, so zu sein, wie man ist – ohne 1000 Regeln im Kopf haben zu müssen. Wir bewegen uns nicht auf ausgelatschten Wegen, sondern suchen unseren eigenen, ganz individuell – so wie im Leben. Daneben steht Freeride auch für eine anspruchsvolle Routenwahl, speziell was den Downhill betrifft. Freeriden hat immer etwas mit Abenteuer zu tun.

Wo gibt es den Film zu sehen?

Andi: Den Film gibt es voraussichtlich Ende Juli zu sehen, einfach "Freeride Trans Alp" und "die Freireiter" bei YouTube eingeben. In der kurzen web-Version auf YouTube und verschiedenen Portalen, natürlich auch auf den Videokanälen der Sponsoren Rose, Vaude, Alpina und Lupine. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre der Film in dieser Qualität nicht möglich gewesen. Die lange Version mit etwa zehn Minuten Dauer gibt es vielleicht schon bald auf einem meiner Vorträge, am besten mit dem ganzen Team vor Ort, zu sehen. Infos zu den Vorträgen findet man im Internet unter www.diefreireiter.de

Was sind Eure nächsten Projekte?

Location: Singletrail-Paradies/Livigno, die Freireiter: Andi Prielmaier, www.diefreireiter.de

Andi: Erst einmal ein Bike-Heimatfilm mit dem Titel „Dahoam“ zu produzieren und die bayerische Bikegemeinde Singletrails zu gründen. Denn gemeinsam hat man einfach mehr Spaß am Biken und kann mehr bewegen. Im kommenden Winter will ich ein Herzensprojekt von mir umsetzen: „Arctic Mountains“, ein Ski-Freeride Projekt. Dazu verschlägt es die Freireiter nach Grönland. Dort wollen wir mit den Inuit leben. Mit von der Partie ist wie in Indien beim Film Now! Robert Schlemer. Vincent: Meine nächsten Filmprojekte sind in der Automobilindustrie angesiedelt. Aber das größte Projekt dieses Jahr wird wohl unser Nachwuchs sein (lacht). Tom: Im Moment vollenden wir gerade einen Skifilm, ein Zwei-Jahres-Projekt mit Legs Of Steel, einer Produktionsfirma, die aus Freunden und Skifahrern besteht. Der Streifen wird „Passenger“ heißen und im Oktober 2015 erscheinen. Wir haben sehr viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt und hoffen, dass sich die Mühe gelohnt hat. Es wird auch eine Premieren- Tour geben. Die Termine kann man auf www.legsofsteel.eu einsehen.

Interview: Alexander Benjamin

Die Freireiter - die bayerischen Freerider

Angefangen hat alles mit der Idee, zusammen mit Freunden unterwegs zu sein und fernab des Mainstreams Abenteuer zu erleben. Daraus entstanden später Freeride-Filme, die seit einigen Jahren unter dem Label „die Freireiter“ überaus erfolgreich auf internationalen Fimfestivals laufen. Doch die Freireiter haben sich weiterentwickelt. Folgende Produkte gehören mittlerweile zu dem Label: eine Film-Produktion, multimediale Vorträge, die Erstellung von Konzepten sowie die Beratung von Outdoor-Firmen. Ebenfalls im Portfolio der Freireiter: das Ski-Freeride-Magazin Powderdays sowie das crossmediale Magazin Singletrails samt dazugehöriger Facebook-Seite. Mit dem neuen Portal Singletrails wollen die Freireiter gleichgesinnte Mountainbiker für gemeinsame Touren zusammenbringen. Ziel ist zudem, die Biker für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu sensibilisieren und eine Infrastruktur mit ausgewiesenen und angelegten Singletrails zu schaffen, um die Attraktivität der Heimatregion zu vergrößern. Die Mediengruppe Münchner Merkur/tz sowie die Alp-Con CinemaTour sind die starken Partner von Singletrails und Powderdays. Mehr Infos zu den Freireiter gibt es unter: www.diefreireiter.de

 

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