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E-Bike

Downhill jetzt auch bergauf

Vor wenigen Jahren galten E-Bikes als Fahrräder für ältere Herrschaften. Inzwischen hat sich dieses Image deutlich gewandelt.

Die Bikes sind aufgrund ihrer langen Federwege und abfahrtsorientierten Geometrien trailtauglich geworden. Bike-Ikonen wie Guido Tschugg – erster und bisher einziger deutscher Teilnehmer an der Rampage, die inoffizielle Weltmeisterschaft der Downhiller – fahren E-Bikes und verpassen ihnen somit einen sportlichen Anstrich. Doch sind die E-MTBs tatsächlich für den Einsatz im Gelände geeignet?

Zusätzlich zum unmotorisierten Mountainbike besitzt ein E-MTB einen verstärkten Rahmen, einen Motor und einen Akku. Dadurch erhöht sich das Gewicht auf 20 bis 25 Kilogramm. Herkömmliche Räder mit vergleichbarer Ausstattung wiegen um die 14 Kilogramm. Die zu federnde Masse gerade bei der Landung nach einem Drop ist deutlich größer. Auch der Preis von E-MTB liegt deutlich höher: Los geht’s bei knapp 3000 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Die Praxis – bergauf mit einem Bike ohne Motor

Die Lunge brennt, der Puls liegt jenseits der 180 Schläge. Vom hochroten Kopf perlt der Schweiß, die Oberschenkel schmerzen. Mit je - der weiteren Kurbelumdrehung fragst du dich, was diese Schinderei auf dieser steilen Schotter-Rampe eigentlich soll. Jetzt heißt es, die Zähne zusammenzubeißen und durchzuhalten. Oben am Ziel angekommen, ist das Erlebnis aber ein anderes: Die Anstrengung weicht dem Glücksgefühl, es geschafft zu haben. Die Gipfel-Brotzeit schmeckt besser als jedes Menü eines Sterne-Kochs. Es ist wie beim Klettern: Der Weg ist das Ziel.

Bergauf mit dem E-MTB

Du transpirierst, du atmest laut, doch du pedalierst den Berg hinauf, ohne bis zum Anschlag gehen zu müssen. Denn die letzten paar Prozent, die diesen Berg zur Qual machen würden, übernimmt der Elektromotor. Und du kannst endlich mit deinen konditionsstärkeren Freunden mithalten. Gut, das Hochgefühl auf dem Gipfel ist vielleicht weniger ausgeprägt. An seine Stelle aber rückt ein Aspekt, den E-Motor-Hersteller Bosch mit dem Begriff „Uphill Flow“ beschreibt.

E-Bikes definieren den Uphill neu: Steigungen, die früher unfahrbar erschienen, sind jetzt die Herausforderung. Gute Technik und Balance-Gefühl vorausgesetzt, sind Auffahrten möglich, die früher Piloten von Motocross- oder Trial-Motorrädern vorbehalten waren. So kann ein guter Mountainbiker auch bergauf Spaß haben und seine Grenzen ausloten.

Die Praxis – bergab mit dem E-Bike

Ein weiteres Argument, das viele E-Mountainbiker anbringen: Da sie mit Motorunterstützung bergauf flotter unterwegs sind, bleibt ihnen pro Tour mehr Zeit, tolle Downhill-Strecken mehrmals zu befahren. Das ist natürlich nur so lange möglich, wie der Akku Vortrieb leistet. Ist er leer, wendet sich das Blatt: Dann muss man den schweren Boliden per Muskelkraft nach oben bewegen.

Der zusätzliche Masse des E-Motors – sofern er an der Kurbel und nicht am Hinterrad sitzt – verleiht dem Rad einen tiefen Schwerpunkt und damit ein Plus an Sicherheit: Das Bike liegt satt auf dem Trail und lässt sich gefühlt nur schwer aus der Ruhe bringen. Allerdings ist das Rad nicht so spielerisch zu bewegen wie sein antriebsloser Kollege. Für einen Bunny Hop über einen am Boden liegenden Ast muss man schon ordentlich am Lenker ziehen. Und den stärkeren Aufprall nach Geländesprüngen müssen Reifen, das Feder-/Dämpfersystem und natürlich der Biker selbst abfedern.

Fazit

Auch das E-Mountainbike ist keine eierlegende Wollmilchsau. Da aber die Akkus immer leichter und die Reichweiten größer werden, werden sich E-Bikes und Normalos im Fahrverhalten künftig sicherlich annähern.

E-Hardtail gegen E-Fully

Grundsätzlich: E-Fullys sind für den Einsatz im MTB-Bereich besser geeignet als ihre ungefederten Artgenossen . Wie eingangs erwähnt sind E-MTBs deutlich schwerer. Das Mehr an Masse müssen die Reifen, das Feder-/Dämpfersystem und der Biker zu unterschiedlichen Teilen abfedern. Darum machen E-Hardtails für einen Trail-Einsatz aus unserer Sicht keinen Sinn, da hier der Rider selbst den größten Teil der zu beruhigenden Masse abfangen muss. Das führt rasch zur Übermüdung und Überforderung der Muskulatur, mindert den Fahrspaß und erhöht die Verletzungsgefahr. Für den Einsatz auf längeren Touren mit geringem Trailanteil sowie auf breiten Forststraßen ist das leichtere und kostengünstigere Hardtail aber durchaus eine Option. Doch sollte man auf den Verbau eines Mittelmotors achten. Der Heckantrieb ist im E-MTB-Bereich aus unserer Sicht überholt. Er hat seine Berechtigung allenfalls bei Stadt- oder Trekking-Rädern. Beispielsweise bietet die kanadische Firma BionX einen Nachrüstsatz für herkömmliche Räder an. Vorteil des Heckantriebs ist neben seinem günstigeren Preis der geringere Verschleiß. Denn er besitzt kein Getriebe, der Antrieb erfolgt direkt über die Nabe auf die Kette. Der Nachteil: Elektromotoren funktionieren naturgemäß bei hohen Drehzahlen am besten. Verringert der Radler seine Trittfrequenz, verringert sich auch die Drehzahl des Hinterrades. Das bremst den Motor, er wird warm. Ebenfalls nachteilig wirkt sich die hohe ungefederte Masse am Hinterrad aus. Sie verschlechtert die Federung bergab sowie die Fahreigenschaften. Das Bike wird hecklastig.

Von Andreas Prielmaier

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