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Singletrails

Parts und Trends in Sachen Mountainbikes

27,5-Zoll-Enduros oder -Allmountains im Plus-Format? Was ist der richtige Lenkwinkel für mich? Und was heißt eigentlich 2/11? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie hier!

TREND: Plus-Formate

27,5-Zoll-Enduros oder -Allmountains im Plus-Format. Was heißt das? Nach den großen Rädern (27,5 und 29 Zoll) schon wieder etwas Neues? Dreht die Bike-Industrie sprichwörtlich am Rad? Unter Plus-Formaten ist folgendes gemeint: breitere Pneus (2,8 bis 3,25 Zoll) und damit verbunden auch breitere Felgen (etwa 50 Millimeter).

Location: Singeltrails-Paradies/Goldseetrail. Die Freireiter: Tom Leitner, Andi Prielmaier

Bisher galten 2,4-Zoll-Reifen bei Enduro-/ Downhill-Bikes als richtig breite Schlappen. 2,35 Zoll war normal. Der Vorteil der neuen Bereifung: Man hat ein zusätzliches federndes Element. Gepaart mit einem geringeren Luftdruck und einem größeren Umfang bedeutet das mehr Traktion, besseres Überrollverhalten, mehr Kontrolle und höhere Fahrstabilität. Aber auch hier entscheidet wie so oft im Leben die Dosis, ob es ein sinnvolles Medikament oder eine Giftmischung ist. Zu viel Plus kann zum Minus werden. Nachteile der breiten Pneus sind die hohe Massenträgheit und ein höheres Gewicht – was sich gerade beim Uphill negativ bemerkbar macht. Unseren Testern scheinen daher 27,5-Zoll-Räder (Größe) gepaart mit 2,5- bis 2,8-Zoll-Reifen (Breite) oder auch 26 plus als gute Mischung. Für 29-Zoll-Räder sind die Plusformate weniger zu empfehlen. Die überbreiten Reifen ab rund drei Zoll Breite sind oft nicht montierbar, da die Gabeln oder der Hinterbau vieler Bike-Hersteller derzeit dafür oft zu schmal sind. In diesem Fall müsste man das Rad teuer umrüsten.

FAZIT: Für Otto Normalverbraucher reicht bei einem Allmountain-Bike eine Reifenbreite von 2,35 Zoll. Für sportliche Biker, deren Fokus auf noch mehr Downhill-Performance liegt, machen derzeit breitere Reifen von 2,5 bis 2,8 Zoll wegen der verbesserten Traktion und den guten Überrolleigenschaften durchaus Sinn.

Wie sinnvoll sind Plus-Formate?

STEFAN HERRMANN, Bike-Profi und Fahrtechnik-Experte (www.mtb-academy.de):

Ich finde sie super. Volumen hilft, wenn der Luftdruck nicht zu hoch ist. Die Vorteile sind Traktion und Komfort, was Spaß und Sicherheit bedeutet. Aber es darf keine Einschränkungen beim Absprung oder in einer schnell gefahrenen Kurve geben. Sprich: Der Reifen darf nicht zu viel walken, dafür bedarf es einer stabilen Karkasse.

JOSH WELZ, Chefredakteur des Bike Magazins (www.bike-magazin.de):

Beim Mountainbiken geht es stets um die Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss. Bei Laufrädern und Reifen heißt das: Traktion und Komfort, aber natürlich auch Gewicht und Trägheit. Dahingehend kann das Plus-Format ein neues Kapitel aufschlagen: Es gewährleistet viel Traktion, Komfort und gute Überrolleigenschaften bei relativ geringem Gewicht.

TREND: Flacher Lenkwinkel

Über den Lenkwinkel alleine kann man eine Dissertation schreiben. Wie wird der Lenkwinkel gemessen? Nun, der eingeschlossene Winkel zwischen Lenkachse und der Horizontalen wird als Lenkwinkel bezeichnet. Als Anhaltspunkt ist ein sehr flacher Lenkwinkel von 63 bis 64,5 Grad für Downhill-Bikes sinnvoll. Dies garantiert große Laufruhe und Sicherheit beim Landen nach ordentlichen Drops. Die Gefahr, über den Lenker abzusteigen, ist deutlich niedriger als bei einem Bike mit steilem Lenkwinkel.

Location: Singletrail-Paradies/Madeira. Freireiter: Dimirtri Lehner

Der Fokus liegt auf maximaler Kontrolle bei hohen Geschwindigkeiten. Allerdings geht das zu Lasten der Agilität. Für enge, schnelle Waldpassagen und verwinkelte Trails ist ein steilerer Lenkwinkel zwischen 66 und 67,5 Grad von Vorteil. Die meisten Allmountain- Bikes sind so gebaut. Denn hier geht es nicht um High-Speed und große Sprünge, sondern um spielerisches Fahrverhalten. Für Enduro-Bikes sind Lenkwinkel zwischen 65 und 66 Grad typisch. Sie bewegen sich zwischen den Allmountains und den Freeride-/ Downhill-Bikes und bieten einen guten Kompromiss aus agilem Handling, Laufruhe und Stabilität. Allgemein scheint der Trend bei Allmountainund Enduro-Bikes zu flacheren Lenkwinkeln zu gehen.

TREND: 2/11 - was heißt das?

Die Zahl 2 steht für zwei Ritzel vorne und die Zahl 11 für die Anzahl der Ritzel hinten. Der Trend geht eindeutig weg von drei Ritzeln vorne. Laut den Antriebsexperten der Bike-Industrie werden im kommenden Jahr zweifach oder sogar einfach vorne bei den Bikes dominieren. Weniger ist mehr.

Text: Andi Prielmaier

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