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Lodge am Krippenstein.

Lässig und trotzdem bezahlbar

St. Anton: So findet man die passende Unterkunft

Lässige und gleichzeitig bezahlbare Unterkünfte in angesagten Freeride-Gebieten zu finden, ist manchmal schwer. Wer flexibel und nicht auf den Mund gefallen ist, entdeckt sie dennoch.

Unser Protagonist Paul Pulver wird sogar im teuren St. Anton fündig.

Ein Freitagnachmittag im Januar: Das Tief der vergangenen Tage zieht ab, am Wochenende soll es aufklaren. Powder-Alarm! Und perfektes Timing obendrein! Via Smartphone checkt Paul Pulver, wo Frau Holle am meisten Neuschnee abgeladen hat. 80 Zentimeter frische Flocken sollen es am Arlberg sein. Da darf er natürlich nicht fehlen!

Okay, es gibt da noch eine kleine Herausforderung: Es sind nur Flocken vom Himmel gefallen und nicht etwa 50-Euro-Scheine. Im Klartext: Auf Pauls Konto herrscht Ebbe, und St. Anton am Arlberg ist ein richtig teures Pflaster. Wer jetzt aufgibt und zu Hause bleibt, ist jedoch selbst schuld. Wo ein Wille, da ein Weg. Einige von Pauls Kumpels beladen ihren klapprigen VW-Bus mit Ski-Equipment, Dosenbier und Pasta und machen sich sofort auf den Weg, um den besten Powder nicht zu verpassen.

Für die Hartgesottenen: Camping auch im Winter

In Pettneu, gleich neben St. Anton, gibt‘s nämlich einen Campingplatz, der auch im Winter geöffnet hat und obendrein günstig ist (www.camping-arlberg.at). Für Leute, die flexibel sind und mit wenig Komfort auskommen, ist das die beste Option. Es ist immer wieder erstaunlich, welch coole Typen man dort trifft. Beim Winter-Barbecue sind schon tiefe Freundschaften entstanden, und gute Freeride-Tipps bekommt man gratis dazu.

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, im Januar in einem engen Bus oder Wohnwagen zu sitzen und nasse Ski-Socken zu trocknen. Und wenn man keine „Holland-Schleuder“ besitzt oder ausleihen kann, hat sich das Thema ohnehin schnell erledigt.

Bewährte Online-Ratgeber

Spar-Tipp Nummer eins hat unser Paul ja bereits ignoriert: nicht am Wochenende loszufahren. Aber er schert sich auch nicht um den zweiten Tipp: Er will nicht etwa nur ein x-beliebiges Bett, sondern ein halbwegs cooles und stylisches Umfeld. Jugendherbergen, die in vielen Skiorten eine günstige Alternative sind, scheiden damit aus. Einige seiner Freunde, mit denen Paul fürs Wochenende in „Stanton“ verabredet ist, verlassen sich auf Tipps von Kumpels, andere schauen mal bei TripAdvisor (www.tripadvisor.de) rein, oder rufen den Tourismusverband in St. Anton an (www.stantonamarlberg.com).

Was Pulver-Paul dort findet, macht ihn aber nicht so richtig glücklich. Und widersprüchlich sind die Hotel-Bewertungen meistens auch. Weil in St. Anton viele britische Freerider einchecken, lohnt es sich manchmal, englischsprachige Internet-Seiten anzuklicken und nachzuschauen, wo die so absteigen. Oder eben mal auf die Website des bewährten Lonely Planet zu gehen, das Portal für Individualreisende (http:// www.lonelyplanet.com/austria/vorarlberg/arlberg- region/hotels/hostels-and-budget-hotels). Dort finden sich oft brauchbare Hinweise auf Budget-Unterkünfte.

Ski-Tripp im Komplettpaket

Ebenfalls ein Option: Deutsche Bergführer wie Flory Kern (www.flory-kern.de) bieten „Arlberg-on-a-Budget“-Trips an und arbeiten zum Beispiel mit der Skibase in Wald am Arlberg (www.ski-base.net) zusammen. Für junge Freerider, die lieber ein Package buchen, weil sie sich allein nicht ins Backcountry trauen oder das Gebiet nicht so gut kennen, ist das eine gute Alternative. Für 530 Euro gibt’s vier Übernachtungen, viermal Frühstück und Dinner im Hotel Spullersee (plus zweimal Sauna), vier Tage Guiding durch einen staatlich geprüften Berg- und Skiführer, Freeride-Testski der Skibase, Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) leihweise und sogar eine Reise-Rücktrittsversicherung. Flory und seine Guides kennen Geheimtipps rund um den Sonnenkopf (Klösterle), die Warther-Horn-Runde und die Reviere im Pazieltal, wo man garantiert frischen Schnee findet.

Wer kein Package wünscht, sollte trotzdem die Seite der Skibase anklicken. Sie verweist auf mehrere günstige Pensionen, Hotels und Ferienwohnungen (www.skibase.net/unterkunft/hotels). Allerdings muss man sich darauf einstellen, manchmal etwas außerhalb zu wohnen, was nach einer ausgedehnten abendlichen Tour durch die Clubs und Pubs von St. Anton etwas nervig sein kann.

Wenn der Preis keine Rolle spielt 

Paul gibt noch nicht auf und versucht sich jetzt an der Quadratur des Kreises: Wie gesagt: Zentral soll seine Herberge liegen, mit cooler Aufmachung und lässigen Leuten. Klar, schicke Designhotels gibt es in St. Anton gleich zwei Hände voll: das „Anton“ (www.hotelanton.com), das Skihotel Galzig (www.skihotelgalzig.at), das Arlmont (www.arlmont.at), das Lux Alpinae (www.luxalpinae.at), Pepi’s Skihotel (www.pepis.info) und einige andere. Aber wie gesagt: Es fallen nur weiße Flocken statt brauner und grüner Scheinchen vom Himmel, und die genannten Hotels haben ihren Preis.

Inzwischen ist es später Abend geworden, und es wäre allmählich Zeit, das Auto zu beladen. Doch kurz bevor Paul ein schnödes Pensionszimmer mit Standard-Frühstück bucht, fällt ihm etwas ein: Gibt‘s in St. Anton nicht diese Lodge mit dem unaussprechlichen Namen?

Die von den Top-Telemarkern Jacob Slot und Conny Zamernik geführt wird? Wo die gesamte Crispi-Crew eincheckt, wenn sie für neue Foto- und Film-Shootings an den Arlberg kommt? Die sowohl zentral als auch ruhig liegt? Und an deren Eingangstüre eine Eispickel-Haue als Griff dient?

Der Geheim-Tipp

„Ah, du meinst die Skier’s Lodge St. Anton“, sagt Pauls Freundin. Beim Googeln landet sie einen Volltreffer: Piltriquitron heißt die Unterkunft genau, und sie findet gleich die Website: www.piltriquitron.com. Ein Anruf, und zwei Minuten später haben Paul und seine Liebste ihr Zimmer fürs Traum-Wochenende reserviert. Sie werden, wenn sie Lust haben, im Pyjama zum Frühstück schlappen; die relaxte Atmosphäre und das urbane Design der Lodge mit Einflüssen aus Patagonien, Japan und Skandinavien genießen; mit Conny und Jacob über die besten Skitouren-Trips in Südamerika diskutieren, wohin die beiden jedes Jahr reisen; sich argentinische Weine und ein original Asado schmecken lassen, oder auch ein Käse-Fondue; sich über faire Preise freuen und auch darüber, dass niemand den Namen der Lodge so richtig merken kann und sie deshalb vielleicht bald mal wieder ein Zimmer dort ergattern werden. Und das mit der fehlenden Sauna ist auch kein Problem. Zum Schwitzen werden sie ins neue Wellness-Zentrum in St. Anton (www.arlberg-well.com) gehen. Man muss eben flexibel und kreativ sein.

Wer dazu bereit ist, wird in den meisten angesagten Freeride-Revieren der Alpen – auch in der teuren Schweiz und den französischen Ski-Stationen, die für ihre Bettenburgen berüchtigt sind – lässige und bezahlbare Absteigen mit urbanem Chic und ganz ohne Alpenkitsch und geschnitzte Hollereidulliöh-Balkönchen finden.

Die besten Tipps im Überblick:

Lodge am Krippenstein

www.lodge.at, HP ab 38 Euro, Jugendliche ab 28 Euro 

Haus Untersberg, Berchtesgaden

www.berchtesgaden-jugendherberge.de, Ü/F ab 17,60 Euro 

Ski Lodge Engelberg

www.skilodgeengelberg.com, Ü/F ab 85 Franken

Explorer Hotel, Fischen im Allgäu

www.explorer-hotel.com/oberstdorf, Ü/F ab 40 Euro – ein zweites Explorer gibt es in Gaschurn im Montafon 

All In One Hotel Inn Lodge, Celerina

www.innlodge.ch, Ü ab 33 Franken 

Cube Hotels, Nassfeld

www.cube-hotels.com, Ü/HP/Skipass ab 74 Euro im Vieroder Achtbett-Zimmer ohne eigene Dusche, ab 88 Euro mit eigener Dusche 

Skier’s Lodge St. Anton

www.piltriquitron.com, Ü/F ab 51 Euro 

Riders Palace, Laax

www.riderspalace.ch, fünfmal Ü plus Skipass ab 265 Franken, nur für Gäste ab 18 Jahre! 

Alpine Lodge, Gstaad

www.alpinelodge.ch, DZ mit F und Tea-Time (Kuchen) ab 170 Franken pro Zimmer 

Smart Hotel, Samnaun

www.smart-hotel.ch, Zimmer pro Person und Tag ab 28 Euro mit Frühstück

Maya Guesthouse, Nax Mont-Noble, Wallis

www.maya-guesthouse.ch, ab 98 Franken pro Person, inklusive Frühstücks-Buffet

The Skiers Lodge in La Grave von Ayse und Pelle Onol-Lang

www.skierslodge.com, Zimmerpreise sind Teil der Freeride- Packages

McTirol, Biberwier

www.mctirol.com, 3 Nächte im Vierbettzimmer mit F/HP und vielen anderen Leistungen ab ca. 200 Euro pro Person 

Smart Hotel, Samnaun

www.smart-hotel.ch, DZ ab ca. 30 Euro pro Person inkl. F 

Sust Lodge, Andermatt

www.sustlodge.ch, 60 pro Person im Mehrbettzimmer, inkl. F

AlpenParks, Matrei

www.alpenparks.at,ab 42 Euro pro Person im DZ, inkl. F

Günther Kast

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