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Die einen mögen’s sportlich, andere gemütlich; manche sausen selbst in einem milden Winter wie diesem so oft wie möglich über Kunstschneepisten, andere warten notfalls bis zur nächsten Saison auf den großen Schneefall. 

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Skiausrüstung: Kaufen oder mieten?

In einem bis dato milden und schneearmen Winter wie diesem fragen sich viele Skifahrer: Lohnt es sich überhaupt, viel Geld in eine eigene Ausrüstung zu investieren? Oder fahren sie mit Miet-Material günstiger?

Ski kaufen oder mieten – der DSV-Experte Andreas König gibt Entscheidungshilfen, welche Investition in die Skiausrüstung sich für wen rentiert.

Es ist eine grundsätzliche Überlegung, erst recht in solch einem Winter mit mehr grünen Wiesen als weißen Pisten. Für Skier, Bindung und Skischuhe muss ein Erwachsener je nach persönlichem Anspruch etwa 600 bis 1200 Euro ausgeben, bei Jugendlichen betragen die Kosten rund 500 Euro, für Kinder gibt’s günstige Setpreise schon um die 200 Euro. Nicht zu vergessen: Auch der regelmäßige Skiservice schlägt mit etwa 30 Euro zu Buche. Viel Geld für möglicherweise immer weniger Skitage – rentiert sich das? Die wichtigsten Fragen beantwortet der Sicherheits- und Verbraucherschutzexperte vom Deutschen Skiverband, Andreas König (43), im Interview.

Wie teuer ist es eigentlich, sich im Vergleich zur gekauften Ausrüstung das Material zu mieten?

Da gibt es gewaltige Preisunterschiede – man muss aufpassen, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In Top-Skiresorts wie zum Beispiel St. Anton oder Lech/Zürs kostet allein der Ski rund 30 Euro Miete am Tag. Allerdings sprechen wir hier von Spitzenmodellen bei einem Ladenverkaufspreis von rund 600 Euro. In heimische Familienskigebieten wie Brauneck, Spitzingsee oder Sudelfeld kommt eine andere Klientel, für die das neueste Topmodell nicht das Hauptkriterium ist. Hier ist die komplette Ausrüstung – also Ski und Schuhe – schon ab 25 Euro pro Tag zu haben.

Es heißt, für ambitionierte Vielfahrer seien Kauf-Ski sinnvoller, für Einsteiger oder Gelegenheits-Fahrer Miet-Ski. Lässt sich die Grenze ungefähr beziffern?

Als Faustregel gilt: Ab zehn Skitagen kann sich die Anschaffung einer eigenen Ausrüstung auszahlen. Wobei es aber auf Details ankommt.

Auf welche?

Nehmen wir das Thema Skischuh: Er ist das wichtigste Ausrüstungsteil, denn um die Kraft auf die Skier zu übertragen, muss der Schuh optimal passen. Mietschuhe sind insofern nicht nur in puncto Hygiene immer ein großer Kompromiss, sondern auch bei der Passform – wenn beispielsweise der Innenschuh schon zu ausgeleiert ist. Deshalb mein Tipp, wenn jemand unsicher ist: liebe die Schuhe kaufen und die Skier mieten.

Wie ist das bei Kindern, die ja in einer Saison so sehr wachsen können, dass die Schuhe schon wieder zu klein und die Skier zu kurz sind?

Das stimmt, und hinzu kommt: Kinder entwickeln ihr Fahrkönnen rasch weiter, sodass sie plötzlich vielleicht eine sportlichere Ausrüstung brauchen als zuvor. Deshalb bieten viele Sportfachgeschäfte spezielle Tauschsysteme für Kinder an, bei denen der Ski quasi mitwächst. Das funktioniert so: Man zahlt einmal die Skiausrüstung und kann sie – in der Regel am Saisonende – bis zu dreimal tauschen. Zu zahlen ist dann bloß noch der Skiservice. Dieses Mitwachsen im Konglomerat ist ein System der Gemeinschaft, das von Sportgeschäften organisiert wird. Kinder fahren gut und günstig damit.

Für jemanden, der zum Kauf tendiert, stellt sich ja auch die Frage nach der Langlebigkeit und den Folgekosten: Wie viele Skitage hält ein Ski überhaupt? Und wie oft kann ein Skiservice durchgeführt werden, bis Kante und Belag zu sehr abgeschliffen sind?

Das ist eine interessante Frage – wann geht ein Ski kaputt? Wenn er keiner Gewalteinwirkung ausgesetzt wurde oder über Steine schrubbte, dass die Belagfurchen bis tief in den Kern reichen, würde ich sagen: Kaputt geht er gar nicht.

Aber der Verschleiß?

Richtig, der Ski ermüdet ein bisschen. Das bedeutet, er verliert an Vorspannung, ist nicht mehr so spritzig, wird mit jedem Jahr etwas träger – je nach Intensität der Nutzung. Der 90-Kilo-Buckelpistenfahrer strapaziert Skier stärker als eine leichte Dame. die sanft über blaue und rote Pisten schwingt. Grundsätzlich sind zehn bis 15 Jahre Gebrauchsdauer möglich.

Ein langer Zeitrahmen, wenn man bedenkt, dass die Skihersteller fast jedes Jahr neue technologische Details auf den Markt werfen, von Carving und Rocker bis hin zu integrierten Computerchips oder per Knopfdruck variierbarer Spannung.

Ja, die Entwicklungssprünge sind rasant, insbesondere die Rocker-Technologie hat das Skifahren für Hobbysportler in eine neue Dimension geführt: Je nach Aufkantwinkel kann derselbe Ski sowohl gemütlich als auch sportlich gefahren werden – ein echter Mehrwert. Auch wenn ein Ski theoretisch länger hält, Käufer sollten sich alle drei bis fünf Jahre neue Skier gönnen, um von technischen Innovationen zu profitieren.

Die zum persönlichen Fahrstil passen.

Genau. Das ist ein weiterer Vorteil eigener Skier: dass Skityp und -länge genau zur favorisierten Fahrweise passen. Das ist wie bei einem Auto: Das eigene Modell und dessen Eigenheiten kennt man und kann gleich loslegen, beim Mietmodell wird eher vorsichtig losgefahren, um die Performance auszuloten. Speziell in kritischen Situationen weiß der Wintersportler beim eigenen Ski einfach besser, wie er reagiert.

Kommen wir nochmal zurück zum Thema Skiservice: Mit jedem Mal, die Skier geschliffen werden, schrumpft ihre Dicke. Wie oft geht das überhaupt?

Das kommt sehr darauf an, wer den Skiservice macht beziehungsweise wie er es tut. Entscheidend ist, so wenig wie möglich Druck auf den Belag zu geben, und möglicherweise muss gar nicht immer die Kante geschliffen werden. Behutsam ist ein Skiservice 20 bis 30 Mal möglich. Wenn nun die Riefe in einer Kante zu groß ist, muss ein Ski eventuell ein zweites Mal durch die Schleifmaschine gezogen werden. An sich kein Problem. Aber: Das kostet Zeit, und die nehmen sich viele – vor allem bei sehr großen Servicezentren mit Massenabfertigung in ausländischen Skigebieten – nicht. Lieber wird der Ski in einem Rutsch, aber mit mehr Vorschub, geschliffen. Da ist schnell mal nicht nur ein Bruchteil, sondern gleich ein Viertel vom Material weg und die Kante irgendwann so dünn, dass ein abermaliges Schleifen unmöglich wäre. Deshalb würde ich persönlich Abstand vom Skiservice im Ausland nehmen und lieber zu einem hiesigen Händler meines Vertrauens gehen, denn Stammkunden wird er anders behandeln als ein Servicebetrieb, der den Urlaubsgast nie wieder sieht.

Gibt es beim Skiverleih ähnliche Qualitätsunterschiede wie beim Skiservice?

Ja, absolut. Eine gute Mietstation erkennt der Experte allein schon am Material, das angeboten wird – sind die angebotenen Modelle einigermaßen aktuell oder schon mehrere Jahre alt? Wer insofern zu wenig Fachwissen hat, sollte seiner Nase vertrauen: Wie ist der Geruch im Laden? Das ist ein gutes Indiz, denn Mietschuhe müssen normalerweise permanent desinfiziert werden – wenn es nach Käsefüßen muffelt, passiert das wohl weniger. Und wer so mit den Skischuhen umgeht, wird vermutlich auch die Skier entsprechend weniger pflegen.

Angenommen, jemand entscheidet sich für eine Mietausrüstung: Ski auswählen, Auslösewert ermitteln und Bindung einstellen – wie lange dauert das?

Der reine Verleih- bzw. Vermietungsvorgang nimmt zehn bis zwölf Minuten in Anspruch. Das Problem: Meist ist man nicht allein, oder das gewünschte Modell oder die passende Größe sind nicht vorrätig. Dann kann es locker 30 bis 45 Minuten oder sogar länger dauern, bis man endlich auf die Piste kommt. Tipp: die Ausrüstung schon am Vorabend auswählen, einstellen lassen und reservieren.

Von Martin Becker

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