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Mehr als eine Skibrille: Das Modell "RideOne" ist ein Multitalent, mit eingebautem Display.

Abgefahrene Innovation

Die Skibrille der Zukunft

Mal eben die nächste Hütte suchen oder ein Pisten-Video verschicken – während der Abfahrt, versteht sich. Eine neue Skibrille verspricht das und noch einiges mehr.

Die Entwickler kommen aus Israel und haben ihre Erfindung am Garmischer Hausberg getestet. Wir waren dabei.

Die Piste am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen ist weiß, Schnee, Schnee, nichts als Schnee. Wenn man aber diese Skibrille aufzieht, ändert sich das, auf einmal ist da mehr. Zum Beispiel ein blauer Pfeil, der blinkt und nach rechts deutet. Dann erscheint plötzlich eine kleine Landkarte mit einem roten Punkt. „Die Markierung symbolisiert den aktuellen Standort“, sagt Ori Kotek. „So weiß man, wo man ist, und in welche Richtung es weitergeht.“

Kotek ist Ingenieur und Mitbegründer der israelischen Firma „RideOn“. Das Unternehmen steckt mitten in der Entwicklungsphase für ein neues Produkt: eine Skibrille, auf deren Gläsern Bilder, Informationen zur Umgebung oder ganze Videos erscheinen. Es lassen sich sogar Slalom-Parcours einblenden. Entwickler nennen dieses Prinzip „augmented reality“, erweiterte Realität.

Die israelischen Ingenieure Alon Getz (l.) und Ori Kotek am Hausberg in Garmisch-Partenkirchen. Hier haben sie kürzlich ihre Entwicklung getestet – eine Datenbrille für die Piste.

Klingt abgefahren, zumindest in der Theorie. Um zu testen, ob die Brille auch in der Praxis was taugt, sind Kotek und einige Kollegen kurzerhand nach Garmisch-Partenkirchen gereist – und selbst auf die Piste gegangen. Dass es die Burschen ausgerechnet hierhin verschlagen hat, hat einen lapidaren Grund: Die Familie von Mitentwickler Alon Getz hat ein Ferienhaus hier: „Wir kommen schon seit über zehn Jahren regelmäßig zum Skifahren her.“

Daher kennt Getz auch die Hausberg-Hütte „Drehmöser 9“. Auf einer Bank, den Laptop auf den Beinen, lassen er und Kotek die letzten Fahrten mit der Brille Revue passieren. „Beim Fahren haben wir gemerkt, dass wir noch einiges verbessern müssen“, sagt Getz. „Ich denke aber, wir sind auf einem ganz guten Weg.“

Brille statt Smartphone oder Landkarte

Ihre Erfindung soll Skifahrern den umständlichen Blick aufs Smartphone oder auf die Landkarte ersparen. „Die muss man erst aus dem Rucksack kramen“, sagt Getz. Aber die Brille, die ist einfach da. Und sie kann mehr als ein Smartphone. Durch Kopfhörer, die im Brillenrahmen eingebaut sind, können Sportler von der Piste aus Bekannte anrufen und ihnen per Video Tricks zeigen. Und wenn’s bei der Abfahrt mal langweilig sein sollte, kann man sich einen Parcours einrichten. Die Brille setzt einfach virtuelle Torstangen auf die Piste.

Um die Bedienung so einfach wie mögich zu machen, sind die verschiedenen Angebote nicht händisch, sondern einfach mit der Bewegung des Kopfes steuerbar. Ein seitlich eingebauter Sensor nimmt die Bewegungen auf und setzt sie um. So lässt sich dann durch das Menu manövrieren. Sobald der Sensor registriert, dass man losfährt, verschwinden die Pfeile, Tore und Landkarten automatisch aus dem Sichtfeld. „Der Nutzer soll sich ja aufs Fahren konzentrieren können“, sagt Getz.

Ganz ausgereift ist das Ganze noch nicht. Trotzdem haben die Entwickler in Garmisch-Partenkirchen viel positive Resonanz bekommen, vor allem von jungen Leuten. „Wir lieben es hier einfach und wissen die Offenheit der Leute zu schätzen“, sagt Kotek. Auf ehrliche Rückmeldungen hoffen er und seine Kollegen auch weiterhin. Darum stellen sie ihre Erfindung ab heute auf der Internet-Plattform „indiegogo“ vor. Hier können junge Unternehmer ihre Produkte bewerben und gleichzeitig Geld dafür sammeln. „Crowdfunding“ nennt sich das. Wem eine Projekt wie die Brille gefällt, der kann es auf diesem Weg finanziell unterstützen.

Aufs Geld kommt es den Brillen-Erfindern aber nicht in erster Linie an. Viel wichtiger ist es ihnen, Meinungen und Bedürfnisse potentieller Kunden einzuholen. „Einige Sponsoren und Investoren haben wir bereits. Wenn alles so läuft wie wir es planen, wird die Brille nächstes Jahr auf den Markt kommen“.

Ihren Arbeits-Ausflug in die Alpen betrachten beide Unternehmer „als vollen Erfolg“, auch wenn ihr Kollege Micha Grotsky Brodoff einen Tag zuvor am Schlüsselbein operiert werden musste. Gerade in Garmisch-Partenkirchen angekommen, war er beim Skifahren gestürzt. „Das war einfach Pech“, sagt Getz. Spaß gemacht hat’s ihnen trotzdem in den Alpen. „Mit einem Glas gutem Bier oder einem Krug Glühwein“, sagt Getz, „macht die Arbeit gleich viel mehr Spaß.“

Die steilsten Pisten der Welt

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Von Magdalena Kratzer

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