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Herrliche Genusspisten bietet das Dorf Berwang im Außerfern. Zeigt sich die Sonne wie hier am tiefblauen Himmel, ist das Gebiet ein Traum für jeden Skifahrer.

Kunterbunte Winterwelt

Skifreuden zwischen Berwang und Bichlbach

Vor allem im Winter tummeln sich ungleich mehr Menschen in Berwang, allein schon, weil das Berwanger Tal und das Rotlechtal besonders anmutig sind.

Berwang hat gerade mal 554 Einwohner aufs Zentrum und sieben Weiler verteilt. Der 2341 Meter hohe Thaneller regiert die Szenerie, er ist nahezu freistehend, im Sommer ist er vergleichsweise einfach von Rinnen aus von seiner zahmen Südseite zu besteigen. Da, wo sich wohl mal die Bären (ber) auf den Wiesen (wang) trafen, gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg eine Sommerfrische, 1949 ging in Berwang der erste Skilift in Betrieb und läutete eine neue Zeit ein. 

Damals gab es schon die Pension Bergheim

Was heute eher bescheiden aussieht neben so manchem Tiroler Hotel mit schweren Balkonen und Erkern, ist eine Rarität. Die Pension wurde 1931/32 nach Plänen von Siegfried Mazagg gebaut und besteht aus einem großteils gemauerten Erdgeschoß und mit dunklem Holz verschalten Obergeschoßen und einem ungewöhnlichen Pultdach. Das Haus, das 2014 renoviert wurde, ist ein seltenes Beispiel der Tiroler Moderne! Und drüber, in Bichlbach, steht noch ein Unikum: Österreichs einzige Zunftkirche. Bis 1859 war Bichlbach Sitz einer Maurer- und Zimmerleutezunft, der Großen Zunft Bichlbach. Mitglied war unter anderen der Baumeister Joseph Michael Schnöller. Der war so erfolgreich, dass er 1734 heiraten konnte, was wahrlich für einen Handwerksburschen nicht selbstverständlich war. Mit seiner Frau Anna Maria hatte er sieben Kinder, nach der Geburt des letzten Kindes zog die Familie 1746 ins Elsass. Es ist ein typisches Merkmal des Außerferns, dass es seine Kinder fortgetrieben hat. Die im Außerfern herrschende Realteilung der Güter führte zu einer ständigen Zersplitterung des Besitzes. Der karge Boden konnte die Bevölkerung ohnehin nur zu einem Drittel ernähren, jede Missernte führte zu einer Hungersnot. Was auch zu der grausamen Kinderwanderungen der „Schwabenkinder“ führte. 

1865 bis 1930 waren Hungerjahre im Außerfern, man zog nicht bloß als Wanderarbeiter durch Europa, sondern wanderte in die „Neue Welt“ aus. Nicht bloß in die USA und Kanada, auch nach Südamerika. Dreizehnlinden und Dorf Tirol, beide in Brasilien, waren neue Heimat für so einige Außerferner. 

Das alles bleibt dem Skifahrer verborgen, auch die Tatsache, dass Berwang von Imst her und Bichlbach vom Allgäu her besiedelt wurden. Wo man heute auf der Skischaukel ganz hurtig zwischen den Orten „cruist“, lagen einst Welten dazwischen. Und auch die Straße Bichlbach-Berwang wurde erst 1951 ausgebaut. Auf Ski ist es eine Schneereise. Rauf zur Hochalm, runter nach Berwang. Mit dem Thanellerkarlift weiter und über einen Skiweg auf die andere Talseite. Kurz die Straße überquert, ein paar Langläufer abgewartet, die da elegant skaten und rein in die Rastkopfbahn. 

Diese Seite des Skigebiets gibt sich ruhig und gelassen

Wo’s an den Dorfliften eher wuselt, hier hat man Platz. Die Kögelehüte ist eine wunderbare Einkehr, in den nordseitigen Hängen bleibt der Schnee griffig. Und unten im kleinen Rinnen beheimate das Hotel Thaneller die höchstgelegene Brauerei Österreichs. Im Stadlbräu gibt’s Helles, Dunkles und Weißbier. Dem sollte man nun nicht zu sehr zusprechen, denn auf Ski soll’s ja auch wieder retour gehen... Man kommt hier ’rum, die Optiken ändern sich und eigentlich wähnt man sich in einem weit größeren Skigebiet als auf 36 Pistenkilometern. Und wer nicht skifährt? Da wäre der Wanderweg zum Jägerhaus oder – fauler – der „Sun Jet“. Mitten im Skigebiet kann man dann carvende Familienmitglieder treffen oder die Rodler, auch die Rodelbahn startet am Jägerhaus. Wer gerne etwas weiter marschiert, geht hinauf bis zur Hochalm oder nimmt auch hier den Lift. Sonne und Aussicht gibt’s satt – und prima Kaspressknödel!

Von Nicola Förg

Unterwegs im Außerfern

ANFAHRT – Bahn: Mit der Außerfernbahn ab Garmisch- Partenkirchen bis Bhf. Bichlbach (Informationen unter: www.erlebnisbahn.at/ausserfernbahn). Auto: A 95 München – GAP. Weiter nach Tirol über Lermoos. Alternativ: Über Schongau / Reutte. Für Skifahrer Parken direkt an der Talstation der Almkopfbahn. Gesamtnetz Ski alpin: 36 km; Info: www.bergbahnen-berwang.at

SKITOUR – Vom Parkplatz Almkopfbahn auf die Hochalm, 600 Höhenmeter, moderate Steigung, Mittwoch Tourenabend, Tel.: 0043/5674/8245.

LANGLAUF – Großer Parkplatz am Mooslift; Rundkurs: Unter www.zugspitzarena.com/de/urlaubsthemen/langlaufen gibt es den aktuellen Statusbericht, welche Loipen der Tiroler Zugspitz Arena geöffnet haben.

SCHNUPPERBIATHLON – 2 bis 3 Stunden, immer Mittwoch auf der Moosloipe; geschossen wird mit dem Laser, was in jedem Fall sicherer ist! 19 Euro pro Person, Lasergewehr ist im Preis inbegriffen, Langlaufskier müssen selbst gestellt werden (www.biathlon-berwang.at).

RODELBAHN – Helmpflicht für alle Kinder bis 15 Jahre, Länge: 1 km, Start: Jägerhaus / Bergstation Egghof Sun Jet; Ziel: Talstation Egghof Sun Jet. Täglich 9 bis 16.40 Uhr, Nachtrodeln (bei geeigneter Schneelage) immer Donnerstag von 18 bis 21.45 Uhr.

WINTERWANDERN – Ab Parkplatz Berwanger Hof, am Bad vorbei zum Jägerhaus und weiter zur Hochalm, ca 1,5 Stunden. Schöne Talwanderung: Vom Hotel Rotlechhof in Rinnen nach Mitteregg und/oder Brand. Einkehr: Bergblick Brand und in Mitteregg der urige Jausenstation Wechner (www.mitteregg.at).

INFORMATIONEN – Tourismusbüro Berwang, Tel.: 0043/5673/20000 400; www.berwang.at. Auch So. vormittags geöffnet, Infos und Wanderkarten etc.

Österreichs größtes Skigebiet am Arlberg

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