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Das Skigebiet Sudelfeld bereitet den Naturschützern Kopfzerbrechen.

Genehmigung vom Landratsamt

250 Schneekanonen fürs Sudelfeld

München - „Skandalös“ schimpft der Bund Naturschutz, bestürzt gibt sich der Alpenverein. Die Genehmigung für den Ausbau des Skigebiets Sudelfeld erhitzt die Gemüter der Umweltverbände.

Die Erbauer wollen ihr Projekt durchziehen - Naturschützer wehren sich dagegen vehement gegen den millionenteuren Ausbau des Skigebiets Sudelfeld im bayerischen Oberland. Sowohl der Bund Naturschutz in Bayern (BN) als auch der Deutsche Alpenverein (DAV) erwägen nach Angaben vom Dienstag rechtliche Schritte gegen die Genehmigung des Landratsamtes Miesbach. Die Behörde hatte am Montag grünes Licht für das umstrittene Projekt in einem Landschaftsschutzgebiet gegeben. Das öffentliche Interesse rechtfertige eine Befreiung vom Bauverbot.

"Skandalös"

Kernstück ist der Bau eines eineinhalb Hektar großen Speicherbeckens mit über 150 000 Kubikmetern Fassungsvermögen. Mit dem Wasser könnten bis zu 250 Schneekanonen betrieben werden. Neben zwei Privatleuten ist auch die Gemeinde Bayrischzell mit 33 Prozent an der Betreiberfirma beteiligt. Sprecher Egid Stadler kündigte an, sofort mit den Arbeiten zu beginnen. Der Ausbau soll an die neun Millionen Euro kosten.

Das ist ein schwarzer Tag für den Schutz der Alpen“, sagte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Es sei „skandalös, dass kurz vor dem Amtsende von Landrat Jakob Kreidl unter Hinwegsetzung sämtlicher Vorschriften ein Präzedenzfall geschaffen wird“. Daran sei abzulesen, wie unter Abwägung von Landschaftsschutz und öffentlichem Interesse der Naturschutz „hinten runterfällt“.

Naturschutz der Regierung "nichts wert"

Mergner will die weitere Auseinandersetzung um den Ausbau des Skigebiets vor allem auf der politischen Ebene führen. Dann sei zu sehen, „wie viel der Naturschutz der bayerischen Staatsregierung wert ist“. Schon bei einer Anhörung im Landtag habe die CSU-Fraktion voll hinter der weiteren Erschließung des Skigebiets gestanden.

Auch der DAV äußerte sich bestürzt. „Das Vorhaben in einem Landschaftsschutzgebiet zu genehmigen ist nicht zulässig“, sagte Steffen Reich vom Ressort Natur- und Umweltschutz beim Alpenverein in München. Die Begründung des Landratsamtes, eine Ablehnung der Baugenehmigung wäre für die Betreiber unzumutbar gewesen, nannte Reich „hanebüchen“. Es sei unverantwortlich, „in ein fragwürdiges Tourismusprojekt, das massive Eingriffe in Natur und Landschaft mit sich bringt, auch noch Steuergeld zu stecken“.

Betreiber wollen Zuschüsse

Tatsächlich setzen die Betreiber auf Zuschüsse aus dem bayerischen Bergbahnförderprogramm. „Wir hoffen auf 30 Prozent“, sagte Stadler. Das wären 2,7 Millionen Euro öffentliches Geld.

Stadler räumte ein, dass es sich bei dem Genehmigungsverfahren um einen sensiblen Vorgang handle. Es seien aber in der Anhörung alle Einwände gehört worden und auch teils in den Bescheid eingegangen. Möglichen Klagen sieht Stadler gelassen entgegen. In der Wintersaison 2014/2015 wollen er und seine Mitgesellschafter mit dem ausgebauten Skigebiet loslegen. Die Vermessungsarbeiten haben bereits begonnen.

Letzte Amtshandlung von Landrat Kreidl

Die Genehmigung ist auch deshalb politisch brisant, weil es praktisch die letzte Amtshandlung des ausscheidenden Miesbacher Landrates Kreidl ist. Der CSU-Politiker war über die Finanzierung der 120 000 Euro teuren Feier zu seinem 60. Geburtstag durch Kreissparkasse und Landkreis sowie über weitere Affären gestürzt. Er ist nur noch wenige Tage im Dienst.

Doch selbst der bereits gewählte, aber noch nicht amtierende neue Landrat Wolfgang Rzehak von den Grünen ließ wissen, dass das Vorhaben auch nach seinem Amtsantritt nicht anders hätte bewertet werden können. Das Genehmigungsverfahren sei schließlich an gesetzliche Voraussetzungen geknüpft. Politisch sehe er die Notwendigkeit des Sudelfeldausbaus freilich anders.

Skigebiet schon jetzt groß

Das keine 80 Kilometer von München entfernte Skigebiet verfügt bereits jetzt über 21 Lifte, davon 3 Sesselbahnen. Es stehen mehr als 30 Kilometer präparierte Abfahrten unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Die Betreiber preisen die Familienfreundlichkeit des über Bayrischzell, Brannenburg und Oberaudorf erreichbaren Skigebiets an.

dpa

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