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Das intensivste Skifahrerlebnis hat man in der Skiwelt Wilder Kaiser- Brixental, hat unser Test ergeben. Allerdings sind die Skipässe dort auch mit Abstand am teuersten.

Skigebiets-Test mit GPS-Gerät

6534 Höhenmeter in drei Stunden!

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Skigebiets-Test einmal anders: Um herauszufinden, in welchem Verhältnis Tagesskipasspreis und Pistenvergnügen zueinander stehen, haben wir vier Skigebiete „vermessen“. Mit GPS-Gerät und Sportuhr.

Die einen werben mit günstigen Tagesskipässen, die anderen mit irrsinnig vielen Pistenkilometern. Doch was bekommt der Skifahrer fürs Geld unterm Strich geboten? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht. Der Ansatz: Wie viele Höhenmeter (um die geht es letztlich beim Skifahren) schaffe ich in drei Stunden?

Präzise Messungen mit GPS-Gerät (hier am Starthang der Kandaharabfahrt in Garmisch).

Um den Test fair zu gestalten, mussten natürlich vergleichbare Bedingungen herrschen – die gab’s in der ersten Februarwoche (schönes Wetter, keine Ferien, nur wochentags unterwegs, gleiche Uhrzeit). Und dazu den gleichen Fahrstil (relativ sportlich) durch den gleichen Skifahrer (unseren Bergsport-Redakteur). Wie würden sich Liftkapazität, Qualität der Pistenpräparation und Struktur der Skigebiete daraus auswirken, ob und wie sehr am Ende die Oberschenkel brennen? Um dies herauszufinden, haben wir die vier Skitage mit dem GPS-Gerät „62s“ sowie der Sportuhr „Fenix“, beides vom Navigationspezialisten Garmin, sicherheitshalber jeweils doppelt aufgezeichnet. Und es ging nicht darum, den ganzen Tag lang den schnellsten Lift hinauf und die rasanteste Piste hinunter zu nehmen, sondern ein Skigebiet als Ganzes zu erfassen. Nach drei Stunden wurde auf den Knopf gedrückt, das Ergebnis auf den Tagesskipass und dessen Preis wiederum auf drei Stunden Fahrzeit (vgl. Aufstellung unten) umgerechnet. Beispiel: Ein Tagesskipass kostet 40 Euro, die Lifte laufen acht Stunden – als Berechnung für den Drei-Stunden-Test würden dann 15 Euro Fahrtkosten angesetzt.

Garmisch-Classic

Tag eins der Testfahrten beginnt gleich rasant: mit der weltberühmten Kandahar-Abfahrt. Die ist supergriffig, der Tröglhang kein bisschen eisig – entsprechend flott geht’s ins Tal und ebenso flott mit der Kreuzeckbahn (16 km/h zeigt das GPS) wieder hinauf. Nach der eher gemächlichen Querung ins Hausberggebiet steigert sich das Tempo wieder, die bestens präparierte Kochelbergabfahrt erlaubt großzügige Schwünge. Es folgen Olympia-Abfahrt, eine gänzlich andere Szenerie am Osterfelderkopf, herrliche Aussicht in alle Richtungen aus der Hochalmbahn sowie eine Schlepplifteinlage an den Bernadeinwänden. Und immer wieder, zum Abschluss nochmals vom Starthäusl aus, die herrliche Kandahar. Nach drei Stunden leuchten auf der GPS-Uhr 6326 Höhenmeter auf – das zweitbeste Ergebnis der Tests. Im Preis-Leistungs-Verhältnis klettert Garmisch-Classic sogar auf Platz eins: Umgerechnet auf den Tagesskipass (38,50 Euro = 14,43 Euro für drei Stunden) kosten 1000 Höhenmeter 2,27 Euro – eine günstigere Relation gibt es nirgends.

Brauneck

Mit 2,29 Euro pro 1000 Höhenmeter landet das Lenggrieser Skigebiet im Preis-Leistungs-Vergleich auf Rang zwei, wird bei den Höhenmetern (4929) allerdings Letzter. Was nicht verwundert, denn nach der noch zügigen Bergbahn-Auffahrt sowie dem Aufwärmprogramm mit der Wegscheider Familienabfahrt bleibt der Milchhäuslschlepplift gleich zweimal stehen: Kinder einer Skischulgruppe sind herausgefallen. Auch der Ahorn-Vierersessel schaukelt einen vergleichsweise gemächlich hinauf, so richtig langsam wird’s aber im Finstermünz-Zweiersessel: Acht Minuten dauert bei 4 km/h die Auffahrt, zweieinhalb Minuten die Abfahrt. In einer Hinsicht in das Brauneck aber spitze: Die mit 76 km/h höchste Geschwindigkeit aller Testfahrten wird am Idealhang gemessen – dort, wo man in Abfahrtshocke an der Kapelle vorbeirast, um mit Schwung zum Tellerlift zu kommen. Ebenfalls top am Brauneck ist die Hüttenvielfalt. Wer den Einkehrschwung liebt und Abstriche bei der Liftqualität akzeptiert, kommt hier auf seine Kosten.

SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental

GPS-Sportuhr (re. / vor der letzten Abfahrt vom Roßkopf am Spitzingsee).

In puncto Liftqualität und Pistenangebot spielt die SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental in einer anderen Liga als die deutschen Skigebiete. Von Scheffau aus gondelt es sich zügig mit 18 km/h die 1000 Höhenmeter hinauf zum Brandstadl, über den Eiberg gelangen wir zur Talabfahrt nach Brixen und von dort mit einer kurzen Traverse hinüber in die Region Westendorf. Von der Choralpe aus starten mehrere lange Abfahrten: Erst geht’s über die Sonnalpe nach Westendorf, dann folgen die blaue Piste in die Windau mit neuen Landschaftseindrücken und schließlich die Kandleralmabfahrt zurück nach Brixen. Was auffällt: Trotz des Mittwochs-Sonderangebots (Erwachsene fahren zum Jugendtarif) verteilen sich die Wintersportler angenehm auf den perfekt präparierten Pisten, sodass gefahrlos ein zügiges Tempo möglich ist. Vorbei am Alpenigludorf Hochbrixen führt der Skitest uns über die Hohe Salve hinunter nach Itter, wo sich die älteste Gondel der SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental befindet. Bilanz nach drei Stunden, in denen nur ein Bruchteil des Skigebiets erkundet werden konnte: Auf 6534 Höhenmeter summiert sich die Messung, der Spitzenwert im Skigebiets-Vergleich. Allerdings rangiert die Skiwelt Wilder Kaiser - Brixental auch beim Preis (44 Euro für den Tagesskipass = 16,50 Euro für drei Stunden) ganz oben – das macht umgerechnet 2,53 Euro pro 1000 Höhenmeter.

Spitzingsee

Bequeme Vierersessellifte an Stümpfling- und Suttenbahn garantieren mit 14 km/h einen raschen Transport an den beiden Hauptabfahrten, Auch die Tellerliftzeiten am Roßkopf sind längst vorbei, ein Zweiersessel befördert die sportlichen Skifahrer zum höchsten Punkt mit prima Fernsicht übers Skigebiet und bis nach München: Hier erfordern sowohl der Nordhang als auch die sehr schöne Grünseeabfahrt fortgeschrittenes Skifahrkönnen. Weiter geht’s, mit dem Osthang-Schlepper erfolgt der Sprung in den Firstalmkessel. Der Nordhang dort ist kurz, aber knackig – und nebenan bietet der Burton-Snowpark die Chance, Slope- und Freestylesprünge zu machen wie zuletzt die Stars bei Olympia. Über die Dreitannenabfahrt gelangen wir zum Kurvenlift, bis zum Einkehrschwung in der Osthang-Alm (Tipp: frische Ausg‘zogne!) werden auf Stümpfling und Sutten weitere Höhenmeter erwedelt – insgesamt 5102, Platz drei in unserem Test.

Fazit

Nirgendwo ist das Angebot so groß, aber auch so teuer wie bei den Tiroler Nachbarn in der SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental. Die beste Preis-Leistungs-Relation (und einige sportive Herausforderungen) weist Garmisch-Classic auf. Nah beinander liegen die Alpen Plus-Skigebiete Spitzingsee (modernere Lifte) und Brauneck (längste Betriebszeit).

Weitere Infos

Drei-Stunden-Vergleich für Höhenmeter und Preise: Alle Ergebnisse unserer Skigebiets-Testfahrten im Überblick finden Sie auf der Internetseite unseres Redakteurs: www.berg-report.de

Von Martin Becker

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