Herrliches Skitourengelände findet sich unterhalb des Kastenwendenkopfes in den Kitzbüheler Alpen.

KASTENWENDENKOPF

Im Skiparadies: Tour in den Kitzbüheler Alpen

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Skitouren-Fans stecken in diesem Winter in einem Dilemma. Erstens fehlte lange und vielerorts schlicht der Schnee. Zweitens...

... hatten sich, kurz nach Silvester, speziell in hochalpinen Bereichen bodennahe Schwachschichten gebildet, die als Zeitbombe ticken und bei Belastung durch Skifahrer bis heute immer wieder zu Lawinenabgängen führen.In dieser Hinsicht ist ein guter Tourentipp, weil sowohl relativ schnee- als auch lawinensicher, der Kastenwendenkopf (2329 Meter) in den Kitzbüheler Alpen. Bei der Anfahrt in den Langen Grund, südlich von Kelchsau, beschleichen uns erst noch Zweifel, ob der Schnee überhaupt ausreichen wird. Als das Auto aber auf den letzten vier Kilometern zum Parkplatz an der Erla-Hütte zweimal ins Rutschen kommt, ist dies ein Indiz für winterliche Unterlage. 

Tatsächlich liegt vom ersten Meter weg, bei der Informationstafel inklusive Möglichkeit zum LVS-Geräte-Check, genug Schnee. Nur im Waldstück zwischen Martl-Erla-Alm und dem Bärentalweg mussten wir zweimal die Skier kurzzeitig auf den Rucksack schnallen. Schneemangel, apere Passagen. Aber dann: Auf nun schon über 1500 Metern Höhe ist kein braunes oder grünes Fitzelchen mehr zu sehen – weiße Hänge liegen vor einem, und so folgen wir, noch im morgendlichen Schatten, der Skispur. Vorbei an der verfallenen Hocheggalm, weiter zur Jagglfeldalm, wo erstmals die Sonne die Nasenspitze wärmt. Der Wechsel von Schatten auf Sonne darf indes keinesfalls zu Unachtsamkeit verleiten, denn genau hier – rund um die Jagglfeldalm – befinden sich die in puncto Lawinenrisiko relevanten Passagen. 

Das kuppierte Gelände erlaubt, die Aufstiegsspur möglichst moderat anzulegen, aber ein paar kürzere, steilere Stücke lassen sich nicht ganz vermeiden. Hier also ist Eigenverantwortung gefragt, die Situation individuell zu beurteilen. Ein Stück weiter oben, am Sattel vor dem Schöntalsee, entspannt sich das Gelände. Sanft geschwungene Hänge, wohin man auch schaut – bei vernünftiger Routenwahl ein sicheres Terrain. Der Schöntalsee ist im Winter als solcher kaum zu erkennen, die gefrorene Eisdecke schlummert unter einer dicken Schneeschicht. Zum hölzernen Gipfelkreuz ist es nicht mehr weit. Und stach bislang beim Blick zurück, an der Pallspitze vorbei, vor allem der Wilde Kaiser ins Auge, so sind es nun die Dreitausender der Reichenspitzgruppe hinter dem Gerlospass. Schauen, genießen, Brotzeit machen, Felle abziehen und die Skitourenbindung auf Abfahrt umstellen – nun folgen feine Hänge, ideal geneigt und dank der Nordexposition oft pulvrig. Nach dem Schöntalsee beachten wir, wie schon im Aufstieg, auch beim Hinabschwingen die Lawinensituation um die Jagglfeld-alm. Und das Finale ist harmloses Hinausrutschen: erst den Bärentalweg hinunter zur Tiefentalalm, dann teils mit langlaufmäßigem Doppelstockschub die letzten Meter den Langen Grund hinaus. Am Parkplatz, vor der Einkehr in der urigen Erla-Hütte, der übliche Blick auf den Skibelag: Gab’s Kratzer durch Steintreffer? Nein, alles gut!

Von Martin Becker

KASTENWENDENKOPF (2329 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg bis A.- Dr. Inntal. A12 bis Wörgl-Ost. B 178 und B 170 ins Brixental bis Hopfgarten. Direkt nach der Bahnunterführung im Kreisverkehr nach Kelchsau. Durch den Ort bis zur Mautstelle (Pkw: 4 Euro). Auf der Mautstraße rechts in den Langen Grund, vorbei am Gasthof Moderstock bis zum Parkplatz an der Erla-Hütte (1213 m).

ROUTE – Aufstieg: Von der Erla-Hütte aus etwa 25 Min. (gut 1,5 km) in den Langen Grund zu den Hütten der Martl-Erla-Alm (1328 m). Dort schräg links den freien Hang hinauf zum Waldrand, wo man meist die Markierungen des Sommerwegs (Wanderweg 78) erkennt. Durch den Wald hinauf zum Bärentalweg, den man auf 1559 m bei Hinweisschildern erreicht und überquert. In südlicher Richtung durch lichtes Gelände zur verfallenen Hocheggalm (1699 m), über einen Bachgraben hinweg kurz nach rechts zu einem breiten Rücken. Auf diesem südwärts zur Jagglfeldalm (1891 m). Nach der Alm Linksschwenk nach Osten, geradewegs – durch kurzzeitig etwas steilere Passagen – auf die Pallspitze zu. Vor dieser geht’s wieder nach rechts (Süden) zum breiten Sattel (2131 m) und zum Schöntalsee (2111 m). Am See vorbei immer geradeaus in ungefähr südlicher Grundrichtung und sich am Ende leicht links haltend, bis das erst im letzten Moment sichtbare Holzgipfelkreuz des Kastenwendenkopfs auftaucht. Abfahrt: Entlang der Aufstiegsroute. 

TOURDATEN – Aufstiegszeit: 3,5 Std; Hö- hendifferenz: 1120 Hm; Distanz 7,6 km (einfaStart / Ziel che Strecke). Volle Lawinensicherheitssausrüstung notwendig. Einkehr: Am Start-/Endpunkt Erla-Brennhütte (1213 m). Tel.: 0043/ 53 35 / 824 0 oder 0043 / 664 / 906 81 53.

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