+
Nicht nur die richtige Passform, auch das richtige Schließen der Schnallen ist wichtig.

Reine Formsache

Skischuhe: Worauf Sie beim Kauf achten sollten

München - Perfekte, individuelle Skischuhanpassung ist nicht mehr nur Rennläufern vorbehalten. Hier ein paar Tipps, auf was Sie beim Thema Skischuhe achten sollten.

Laut einer Umfrage des Zentrums für Gesundheit empfindet jeder Zweite seine Skischuhe als unbequem. Gehören Sie auch dazu? Dann ist jetzt eine gute Zeit, über eine Neuinvestition nachzudenken. Die Preise im Sportfachhandel für Winterprodukte, purzeln und der Winter hat sicher noch einige schöne Skitage in petto. Und Leiden im Skischuh muss heutzutage wahrlich nicht mehr sein. Perfekte, individuelle Skischuhanpassung ist nämlich nicht mehr nur Rennläufern vorbehalten. Hier ein paar Tipps, auf was Sie beim Thema Skischuhe achten sollten.

Die Kunst der Vermessung 

Ein Skischuh muss Schutz vor Verletzungen, insbesondere Sprunggelenksverletzungen, bieten und gleichzeitig die Kraft aus dem Gelenk auf die Ski übertragen. Damit der Skischuh die Funktionen gewährleisten kann, muss er optimal passen. Jeder Fuß ist aber anders, und bei jedem ist die Position der Knöchel anders. Der eigene Fuß sollte deshalb vom geübten Fachmann richtig vermessen und begutachtet werden. Entscheidend für die Passform und Kraftübertragung ist das Ristmaß, das vom Rist/Spann über den Knöchel zur Ferse berechnet wird. Viele Sportfachgeschäfte messen den Fuß heute mit Hilfe eines Fußscanners und stellen ihn virtuell in eine passende Schale. Bringen Sie zur Anprobe am besten Ihre Skisocken mit.

Vorsicht vor zu großen Schuhen

„90 Prozent der Skifahrer neigen dazu, zu große Schuhe zu kaufen“, betont DSV-Sicherheitsexperte Andreas König. Das liege vor allem an der harten Schale. „Viele Skischuhe drücken – allerdings nicht, weil sie zu klein, sondern weil sie zu groß sind. Dann schließen Skifahrer die Schnallen sehr eng zu. Dadurch wird der Skischuh allerdings nicht schmäler, sondern flacher. Der Skischuh drückt also von oben auf den Fuß auf. Mit ein Grund, warum Füße beim Skifahren oft einschlafen. Hier hilft eine individuell angepasste Einlegesohle: Sie unterstützt die natürliche Form des Fußes, ohne dass die Schnallen fest zugemacht werden müssen. Eine der Grundregeln beim Kauf: Muss ich die Schuhe auf der letzten Halterung schließen, um Halt zu bekommen, ist der Schuh zu groß! Auch die Schnallen nicht einfach nur zumachen, sondern in der richtigen Reihenfolge schließen: Die wichtigste Schnalle ist die Ristschnalle auf der Höhe des Knöchels. Mit dieser wird die Ferse fixiert. Sie sollte fest sitzen, damit der Fuß im Schuh nicht hin und her rutscht. Diese Schnalle muss als erstes geschlossen werden.

Die Sache mit dem Flex

Neben der Größe und Form unterscheiden sich Skischuhe auch in der Härte der Schale. Dabei sprechen Sportfachverkäufer vom sogenannten Flex. Der Flex gibt Auskunft, wie leicht oder schwer die Schale zu biegen ist. Die Flex-Angaben auf den Skischuhen geben zwar eine grobe Orientierung, sie sind aber nicht genormt. „Ein Großteil der Käufer entscheidet sich für zu harte Skischuhe“, erklärt Andreas König. „Die Schuhe werden im Geschäft bei 20 Grad plus probiert. Im Winter ist es deutlich kälter, das führt dazu, dass der Kunststoff sich verhärtet.“

Individuelle Anpassung

Einlegesohle, Innenschuh und Außenschale sollten eine perfekte Einheit bilden und vor allem bei Problemfüßen am besten individuell angepasst werden. Dank thermoverformbarer Sohlen, Innenschuhe und Außenschalen heute auch kein Problem mehr. Innenschuhe können bis zu fünf, sechs Mal angepasst werden. Gleiches gilt inzwischen für anpassbare Schalen vieler Skischuhhersteller. Gibt es trotzdem noch Druckstellen, kann der Spezialist im Handel manuell an der Schale oder am Innenschuh entsprechend Hand anlegen und die Druckstellen ausgleichen.

Skischuhe „altern“

Die Sohle erfüllt eine der wichtigsten Aufgaben des Skischuhs: Ihr Zustand ist entscheidend für die Funktion der Bindung. Wenn die Sohle unter dem Skischuh abgenutzt ist, kann eine optimale Kraftübertragung zwischen dem Skischuh und der Bindung nicht mehr stattfinden. Nicht zuletzt deshalb sollten Skifahrer das alte Modell spätestens nach rund acht Jahren durch ein neues ersetzen. Über die Jahre werden auch die Weichmacher im Kunststoff hart, der Skischuh wird spröde und kann im Extremfall brechen.

Lagerung der Skischuhe

Um eine Veränderung der Passform zu verhindern, sollten Skischuhe immer mit geschlossenen Schnallen, am besten in trockenen Räumen, gelagert werden. Besonders wichtig ist auch, dass die Stiefel trocken sind. In feuchten Skischuhen verbreiten sich schnell Pilze. Um dem entgegenzuwirken, sollte der Innenschuh separat getrocknet werden. So kann sich kein Kondenswasser zwischen Schale und Innenschuh bilden.

Der Skischuhbauer der DSV-Stars

Jörg Ruedl ist für die Rennschuhe von Felix Neureuther und Fritz Dopfer verantwortlich.

Sie haben mit ihrem Team einen völlig neuen Rennschuh entwickelt, den Felix Neureuther und Fritz Dopfer derzeit testen. Warum? Die Jungs sind doch ganz erfolgreich mit ihren jetzigen?

Jörg Ruedl: Die Entwicklung im Rennsport geht rasant schnell. Pistenpräparierung, Skitechnik, Materialien und vor allem auch die Fitness und Fahrweise der Athleten verändern sich ständig. Jedes Detail am Skischuh spielt heute eine viel größere Rolle als früher. Unser altes Modell war technisch einfach ausgereizt.

Was brauchen Rennfahrer heute?

Skischuhe, in denen sie maximale Kraftübertragung haben, die die derzeitige FIS-Norm von nur noch 43 mm (Höhe vom Fersenhalt bis unten zur Lauffläche) erfüllen und in denen sie sich vor allem auch wohlfühlen. Früher sind die Fahrer offenere Winkel und mit viel mehr Kraft gefahren, heute fahren sie mit viel mehr Gefühl. Vor allem Felix ist ein absoluter Gefühlsskifahrer.

Was ist folglich anders am neuen Schuh?

Vor allem der Leisten. Ende der 90er war man der Meinung, ein Rennschuh muss total eng sein, am besten zwei Nummern zu klein und die Zehen übereinander liegen, um optimale Kraftübertragung zu haben. Heute weiß man, dass das nicht nur verdammt unbequem, sondern vor allem in Sachen Ermüdung und Leistungsabfall eher suboptimal ist. Das kann man mit modernen Leisten jetzt ganz anders lösen. Das haben wir getan und auch noch an anderen Details mit neuen Materialien gearbeitet, die die Schuhe noch flexibler und für die Athleten individuell auch direkt auf der Piste noch anpassbarer machen.

Kommt das auch den Endverbrauchern zugute? 

Sicher. So eine Neuentwicklung kostet rund 130 000 Euro pro Schuh pro Größe. Eine enorme Investition, weshalb man versucht, das Maximum aus dem Rennbereich in den Endverbraucherbereich mitzunehmen. Die neue Dobermann GP-Serie von Nordica, die es im nächsten Winter für sportliche Skifahrer geben wird, ist in etwa 90 Prozent identisch mit dem Rennschuhmodell von Felix und Fritz. Lediglich ein breiterer Leisten, ein bequemerer Einstieg und auch das Material unterscheiden sich. Ein bisschen komfortabler soll‘s ja schließlich schon sein für die Endverbraucher.

Petra Rapp

Quelle: tz

Auch interessant

Kommentare