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Die Skitour ins Hochglückkar ist der Frühjahrs-Klassiker im Karwendel.

Abfahrt ins Grün

Grandiose Saisonabschluss-Skitour im Engtal

Das Szenario wiederholt sich so oder ähnlich jedes Jahr im Mai: Wenn der nächste Schwung Leute mit Rucksäcken und Skiern an den Eng-Almen eintrifft, um dort im T-Shirt sitzend die Frühlingssonne...

...zu genießen und ein Weißbier zu trinken, fragt eine Sandalen-Touristin bass erstaunt: „Wo gibt’s denn hier einen Skilift? Ich sehe gar keinen.“ Nun, es gibt auch keinen – wohl aber „Winter“-Sportler, die man von der Eng-Alm aus beobachten kann, wie sie flott die schneebedeckten Hänge unterhalb der Eiskarlspitze hinunterschwingen bis zu den Krokuswiesen im Großen Ahornboden, dort im Bach ihre Skier waschen, sie schultern und die wenigen Meter zu Fuß zur finalen Einkehr marschieren.

Vom Pulver bis zum sulzigen Sumpf

Die Skitour ins Hochglückkar ist der Frühjahrs-Klassiker im Karwendel. Das merkt man schon zu früher Morgenstunde, wenn gegen sechs Uhr auf dem Großparkplatz am Alpengasthof Eng reger Betrieb herrscht. In der Regel ab dem 1. Mai wird die Mautstraße in die Eng überhaupt erst geöffnet, und kaum ist die Wintersperre aufgehoben, strömen die Skitourengeher herbei, um die 1100 Höhenmeter ins Hochglückkar unter ihre Steigfelle zu nehmen.

Für die Popularität der Skitour gibt es eine Reihe von Gründen. Kaum woanders bietet sich Anfang Mai noch – zumindest im näheren Einzugsbereich der Region München – die Gelegenheit, vom Parkplatz aus mit in der Regel höchstens 15 Minuten Fußmarsch eine skitourentaugliche Schneedecke zu erreichen. Dazu kommt die grandiose Kulisse im Talschluss der Eng mit den Laliderer Wänden, Spritzkar- und Eiskarlspitze. Und die überwiegend nordseitige Exposition der Hänge konserviert den Schnee so lange, dass er eben erst spät wegtaut – im Mai sind, je nach Witterung, von Pulver bis Firn alle Schneearten denkbar. Im ungünstigsten Fall natürlich auch Bruchharsch oder sulziger Sumpf.

Für die Popularität der Skitour gibt es eine Reihe von Gründen.

Weiterer Pluspunkt: Die Hänge sind allesamt skifahrerisch sehr lohnend, das kuppierte Gelände lässt im oberen Teil einige Varianten zu, und ganz oben (an der 2387 Meter hoch gelegenen Hochglückscharte) sowie im unteren Teil der Abfahrt hinab zum Kircherl wird es richtig steil. Im Aufstieg sind Harscheisen oft ratsam, und das Abfahren wird an diesen kurzen Stellen zur sportlichen Herausforderung. Wer es etwas gemütlicher mag, kann den unteren Teil freilich umfahren und sich oben die steile Rinne in die Hochglückscharte sparen. Gut, den Blick hinunter ins wilde Vomper Loch gibt’s nur von der Scharte aus, in der allerdings kaum mehr als zehn Leute gleichzeitig Platz finden.

Viele begnügen sich deshalb damit, 120 Höhenmeter weiter unten ihre Brotzeit zu machen, ein wenig in der Sonne zu sitzen und den richtigen Moment für die Abfahrt abzupassen. Die besticht durch weitläufige Hänge und eine wohl einzigartige Perspektive: oben glänzendes Weiß, unten im Tal saftiges Grün. In wenigen Minuten vom Winter in den Frühling – auch das steigert den Reiz dieser Skitour. Ein Ritual unter Skitourengehern ist es, zum Saisonabschluss die Skier in einem Gebirgsbach zu waschen. Praktischerweise plätschert an der Grenze von Schnee zu Gras ein Bächlein – dort heißt es für viele, sich von der Wintersaison zu verabschieden und die Vorfreude auf die nächste Skitor in sechs bis sieben Monaten mitzunehmen...

VON MARTIN BECKER

HOCHGLÜCKSCHARTE (2387 M)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg. Ausfahrt Holzkirchen. Über Bad Tölz und Lenggries zum Sylvensteinstausee, weiter nach Vorderriss und von dort nach Hinterriss, wo sich die Mautstelle befindet. Auf der Mautstraße 13 km bis Großparkplatz am Alpengasthof Eng. Hartgesottene Skitourengeher fahren vor Öffnung der Mautstraße (meist ab 1. Mai) mit dem Radl in die Eng. Info Mautstraßenöffnung: Gasthaus Post in Hinterriss (Tel.: 0043 / 5245 / 206) oder beim Forstbeamten (Tel.: 0043 / 5245 / 246).

TOURVERLAUF – Vom Parkplatz nach Süden auf die linke Seite des Talschlusses, dann moderate Hänge hinauf zu einem markanten Felsblock, dem Kircherl. Nun Querung nach links (Osten) mit Abstand zu den Wänden der Eiskarlspitze, dann wieder nach rechts (Süden) ins sich aufweitende Kar mit der bald sichtbaren Hochglückscharte. Wesentlich schwierigere Variante: Hochglück-Gipfel (2573 m). Gleich zu Beginn des Kars nach links, man umgeht eine Felsnase und steigt durch eine immer schmaler und steiler werdende Rinne empor (nur für sehr erfahrene Bergsteiger; Pickel/Steigeisen Pflicht). Rund 3 Std. Aufstieg für 1100 Hm zur Hochglückscharte; Harscheisen mitnehmen!

CHARAKTER / RISIKO – Landschaftlich eindrucksvoll und skifahrerisch lohnend. Je nach Lawinenlage und Tageserwärmung zeitig aufbrechen. Ab 11 Uhr können Steinschlag und Lawinen die Abfahrtsroute treffen. Je nach Schneelage ist die Skitour bis Ende Mai möglich.

EINKEHR – Eng-Almen (1227 m) und Alpengasthof Eng (1203 m); www.eng.at (mit Webcam).

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