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Kein Seilbahn- und Pistentrubel, sondern Berge und Natur pur: Dieses faszinierende Erlebnis bleibt im Winter vor allem Skitourengehern vorbehalten.

Skitouren: Das erste Mal

Immer mehr Menschen entdecken die Faszination, das winterliche Gebirge fernab des Pistentrubels mit Tourenski zu entdecken. Eine gute Ausrüstung allein ist aber kein Garant fürs Gelingen einer Skitour...

...bei der von Geh- und Fahrtechnik bis zur Lawinengefahr allerlei zu beachten ist. Einen Einstieg bieten Skitourenlehrpfade.

Bergführer Franz Perchthold rollt mit den Augen, wenn er manchmal akrobatische Verrenkungen sieht. Wie vollzieht der Skibergsteiger beim Aufstieg im Steilgelände einen Richtungswechsel von fast 180 Grad?

Die Spur ist die Visitenkarte eines Tourengehers

In Garmisch-Partenkirchen gibt es an der Eckbauerbahn seit Januar einen sehr ausführlichen Skitourenlehrpfad.

 „Eine Spitzkehre“, erläutert Perchthold die entsprechende Technik, „können selbst manche erfahrene Tourengeher nach zehn Jahren noch nicht.“ Wenn dann der eine Spezl erstmals einen anderen mitnimmt, um ihm zu zeigen, wie toll das Skitourengehen ist, könne es haarig werden: „Der Blinde führt den Tauben – einer ist genervt, der andere am Ende.“ Und der Spaß bleibt auf der Strecke. Genau solch ein Szenario sollen Skitourenlehrpfade wie der am Eckbauer in Garmisch-Partenkirchen, der im Januar eröffnet worden ist, vermeiden. Moderate 500 Höhenmeter geht es dort an der Skisprungschanze vorbei hinauf zum Berggasthof „Eckbauer“, wo ein Test-Zentrum mit den aktuellen Verschüttetensuchgeräten, Lawinensuchfeld zum Üben sowie Videoschulung zur Verfügung steht.

Bis dorthin führen acht große und teils von Alpin- Cartoonisten Georg Sojer humorvoll illustrierte Informationstafeln in die Grundzüge der Materie ein: Wie erfolgt unter Gesichtspunkten der Ökonomie und der Sicherheit die Spuranlage (Perchthold: „Die Visitenkarte eines jeden Tourengehers“), wie misst man die Hangneigung und zieht die richtigen Schlüsse daraus, welche wichtigen Details stecken im Lawinenlagebericht, was müssen Tourengeher in Pistennähe beachten?

Ohne Lawinenkurs auf keinen Fall ins freie Gelände

„Die Grundidee ist es, Einsteigern von Beginn an richtig die Freude an diesem Sport zu vermitteln“, erklärt Perchthold. Denn wer sich mit Halbwissen auf Skitour begebe, der laufe Gefahr, „dass er sich erst mal fürchterlich plagt und die ersten ein bis drei Touren zur Tortur werden“. Der Garmischer Skitourenlehrpfad kann entweder auf eigene Faust oder im Rahmen eines Schnupper- und Basiskurses mit den Bergführern von „Hydroalpin“ begangen werden (fünf bis sechs Stunden, 59 Euro).

So informativ die Tafeln mit Instruktionen, Erläuterungen und Übungen vor Ort auch sein mögen, eins ersetzen sie nicht: eine umfassende Schulung und Ausbildung zum Thema Lawinengefahr. „Dafür ist als Minimum ein Zwei-Tages-Lawinenkurs nötig. Der Skitourenlehrpfad allein ersetzt auf gar keinen Fall einen Lawinenkurs, nach dem ich mich allein im freien Gelände auf Skitouren wagen kann“, betont Perchthold. Dazu sei „die Materie mit den modernen Digitalgeräten zu komplex, und bei der Suchstrategie ändert sich fast jährlich etwas“. Und mit noch einer Fehleinschätzung räumt der Experte auf: „Ein Lawinenkurs zu machen heißt nicht, zu lernen, wie ich einen Verschütteten suche, sondern, wie ich gar nicht erst reinkomme in die Lawine. Doch das kapieren viele erst hinterher.“

Außer in Garmisch gibt es in Bayern weitere Skitourenlehrpfade in Ruhpolding am Unternberg, an der Tegelbergbahn im Allgäu sowie am Obersalzberg in Berchtesgaden. Im Tiroler Sellraintal führt von Praxmar aus ein aus fünf großen Tafeln bestehender Tourenlehrpfad auf die 2876 Meter hohe Lampsenspitze (drei Stunden Aufstieg) – eine „richtige“ Skitour, die aufgrund der sehr starken Frequentierung in der Regel aber relativ lawinensicher ist und sich deshalb durchaus für ambitionierte Einsteiger anbietet.

von Martin Becker

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