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Stromzufuhr auch ohne Steckdose: Das Solarpanel auf dem Rucksack generiert kostenlosen und ökologisch sauberen Strom, um die – schon recht großen – Akkus dieses Naturfotografen aufzuladen.

Retter in der Not

Solar-Strom zum Mitnehmen

Und plötzlich piept die Batterie-Anzeige: Ladestatus bei null Prozent, kein Strom mehr. Ob beim GPS-Gerät oder dem Smartphone, wenn einem fernab der Zivilisation der Saft ausgeht, kann das unangenehme Folgen haben.

Statt aus der Steckdose nützt dann Strom aus einem mobilen Solarmodul – der Retter in elektrischer Not.

Die Idee von der „Energie zum Mitnehmen“ kam Robert Workman im Kongo. Dort ging es nicht darum, technische Luxusgüter der Neuzeit nutzen zu können, sondern um elementare Dinge. Der Amerikaner leistet, nachdem er seine Handwerksfirma daheim verkauft hatte, seit 2005 humanitäre Hilfe in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land – er vermittelt der Bevölkerung, wie sie sich mit Projekten, beispielsweise Obstverkauf, wirtschaftlich unabhängig machen kann.

Leselampe fürs Zelt: Das Akku-Set von GoalZero wird tagsüber mit Sonnenenergie aufgeladen.

Was hat das mit mobilem Strom zu tun? Nahe des Äquators kommt die Dunkelheit blitzschnell wegen des Sonneneinstrahlwinkels, eine Dämmerung wie bei uns gibt es nicht. Um die Finsternis nicht in unproduktiver Starre zu ertragen, sondern auch die Abendstunden zu nutzen, hat Robert Workman den Menschen im Kongo Möglichkeiten aufgezeigt, die für ihr tägliches Leben notwendige Energie selbst zu generieren. Mit Solarmodulen, die Sonnenenergie in Akkus speichern. Licht in der Hütte, Strom für einen Kühlschrank – für uns selbstverständliche Dinge, im Kongo oft Raritäten. Um das zu ändern, gründete der Amerikaner 2007 die Hilfsorganisation Tifie („Teaching Individuals and Families Independence through Enterprise“). Ein Schlüssel zur Unabhängigkeit: autarke Energieversorgung.

Der Prototyp von Robert Workmans Solarmodul wiederum bedeutete den Startschuss zu einer Geschäftsidee: Was im Kongo funktioniert, kann auch sonstwo auf der Welt nützlich sein für Abenteurer, Camper, Bergsteiger oder Expeditionsteilnehmer. Aber auch für den Stadtmenschen, der im Biergarten mal rasch sein Smartphone aufladen möchte. So entstand aus dem humanitären Projekt heraus die – von Workman gegründete – Firma „GoalZero“, die sich auf variabel arrangierbare Solar-Module und Akku-Systeme spezialisiert haben. Davon profitieren heute Extrembergsteiger am Mount Everest genauso wie Fotografen, die bei Tierbeobachtungen in der Wildnis immer wieder ihre Kameraausrüstung mit Strom versorgen müssen.

Die Energie für unterwegs, die Stromzufuhr ohne Steckdose: eine praktische und einfach zu handhabende Sache. Wir haben unter anderem das GoalZero-Modell „Guide 10“ (160 Euro) getestet. Ausgeklappt ist das inklusive Akku-Set rund 600 Gramm schwere Solarmodul minimal kleiner als ein DIN A 4-Blatt. In die Sonne legen oder unterwegs auf den Rucksack montieren, die Akku-Packung mit sieben Watt Leistung laden, und schon lassen sich GPS-Gerät, Mobiltelefon oder Camping-Laterne anstöpseln. Batterie leer? Dank Sonnenenergie kein Thema. Passend zum Solarmodul gibt’s sinnvolle Ergänzungen, beispielsweise eine Leselampe fürs Zelt.

Mini-Solarzelle „Ember“ von Brunton: Das Modul ist kleiner als ein Smartphone.

Etwas kleiner und nicht ganz so leistungsstark sind die Hybrid-Solar-Panel-Akkus im Hosentaschenformat vom Hersteller Brunton, die Modelle „Ember“ (90 Euro) und „Bump“ (35 Euro). Siebestehen aus einem Lithium-Polymer-Akku plus Solarzelle und können alle möglichen elektronische Klein(st)geräte wie Musik-Player, Smartphone, GPS et cetera laden. Das „Bump“ ist so klein wie eine Streichholzschachtel und wiegt nur 28 Gramm – es ist vor allem für Strom-Nachschub bei Smartphones gedacht. Für eine volle Smartphone-Aufladung taugt das etwas größere „Ember“, bei dem ein 3in1-USB-Kabel mitgeliefert wird. Wegen der geringen Maße dauert es bei diesen Mini-Solarzellen allerdings relativ lange, bis der Akku nach der Stromabgabe wieder voll aufgeladen ist.

Ob im Streichholzschachtelformat oder in Koffergröße, Energie zum Mitnehmen gibt es mittlerweile für jeden Einsatzbereich mit dem passenden Volumen. Ökologisch sauber und nach der Anschaffung kostenlos ist diese Form der Stromerzeugung obendrein. Und bei GoalZero wird mit dem Kauf von Produkten sogar Robert Workmans Hilfsprojekt Tifie unterstützt.

Von Martin Becker

Weitere Infos

www.tifie.org

www.goalzero.com

www.bruntoneurope.com

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