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Skifahren gehört zu den Höhepunkten des Winters, aber sicher sollte es sein. In den letzten Jahren haben sich die Unfälle vervielfacht.

So soll Skifahren sicherer werden

München - Winterzeit-Skizeit: Leider sind die Unfälle in den letzten Jahren häufiger geworden. Erfahren Sie mit der tz drei Maßnahmen für den unfallfreien Pistenspaß

Ein Jahr nach dem Skiunfall des Politikers Dieter Althaus beherrscht ein Thema den Wintersport: mehr Sicherheit auf den Pisten. Obwohl die Unfallstatistik eher einen Rückgang der Verletzungen und Zusammenstöße anzeigt, fühlen sich immer mehr Wintersportler verunsichert – besonders durch das zunehmende Gewusel und die Raserei auf den Abfahrten. Die erste Reaktion war ein Ansturm auf Skihelme; Experten schätzen, dass bereits rund 60 Prozent der Wintersportler einen Kopfschutz tragen. Doch die Maßnahmen für mehr Sicherheit auf den Pisten gehen weiter, wie die tz anhand von drei Beispielen zeigt.

1. Geschwindigkeits-Kontrollen

MehrereSkigebiete sind dem Beispiel des Schweizer Ortes Grindelwald gefolgt, wo man die erste Tempo-30 Piste eingerichtet hat. Bei der Einfahrt in die zwei Kilometer lange Abfahrt am Oberjoch zeigt eine Geschwindigkeitsmessung an, wie schnell die Skifahrer oder Snowboarder gerade unterwegs sind. Bei sporadischen Kontrollen bittet der Pistendienst die Temposünder, andere Pisten zu befahren.

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und Schnee satt - so soll der Winter sein. wünschen sie weitere infos zu unseren themen? oder haben sie einen tipp, was sich draußen bewegt? ingo wilhelm freut sich auf ihre e-Mail: draussen@tz-online.de

Ohne Überwachung scheinen Tempolimits nicht zu funktionieren, das zeigt auch ein Versuch der TU München: Die Sportwissenschaftler haben in Garmisch eine Tempo-30- Piste ausgewiesen. Zwar befürworteten 82 Prozent der befragten Wintersportler solche Langsamabfahrten. Aber: Die meisten schätzten ihre Geschwindigkeit viel niedriger ein, als sie tatsächlich war. „Selbst Anfänger erreichen leicht 30 Stundenkilometer“, sagt der Alpinbeauftragte der bayerischen Polizei, Peter Wiesent, zur tz. Gute und sehr gute Skifahrer ziehen seiner Erfahrung nach mit bis zu 80 Sachen ihre Bögen.

2. Fahrtechnik-Trainings

Gemeinsam zur Piste, einen größeren Spaß gibt es für die Fans des Skifahrens nicht.

Führerschein schön und gut. Aber erst in speziellen Fahrtechniktrainings lernen Autolenker, wie sie in kritischen Situationen wie Aquaplaning richtig reagieren. Diese Idee überträgt der Deutsche Skilehrerverband (DSLV) auf die Pisten: Seit diesem Jahr bieten 265 Skischulen von der Wintersporthalle Bottrop bis Berchtesgaden spezielle Fahrtechniktrainings für Skifahrer und Snowboarder an.

Die tz hat einen dieser Kurse auf der Zugspitze absolviert: Skilehrer Michael Brunner übt mit uns zunächst das „periphere Sehen“, also das Beobachten der Umgebung: Man hält während der Abfahrt abwechselnd eines der Augen zu und merkt rasch, welches das starke Auge ist. „Wer rechts besser sieht, sollte eher am linken Pistenrand fahren, und umgekehrt“, erklärt Michael. Lift wieder hoch, und weiter geht’s mit Bremsübungen: Sobald Michael den Arm hebt: Kanten reinhauen, sofort stoppen! „Seht zu, dass ihr beim Bremsen den OberkörperzumTaldreht“, rätderProfi.

Nächstes Kapitel: Abstand halten zu einem parallel schwingenden Kollegen. Beim folgenden „Überholen auf Kommando“ bekommt man ein besseres Gespür für die Geschwindigkeit des Vordermanns. Dann packt Michael Gummibänder aus, um unser Gleichgewichtsgefühl zu schulen.

Außerdem auf dem Lehrplan: Materialcheck, Geländekunde, vorausschauendes Fahren und so fort. Etwa 50 Euro pro Person kostet ein ganztägiges Fahrtechniktraining in der Gruppe. Gut investiertes Geld? Die tz meint: ja.

Das Training schärft den Blick für kritische Situationen. Auch erfahrene Wintersportler bekommen neue Tipps und Tricks.

Infos:

www.skilehrerverband.de

Telefon: 0 81 71/34 72 0

C hristian Neureuther befürchtet: „90 Prozent der Skifahrer kennen die FIS-Regeln nicht.“ Dabei sind diese Anweisungen des internationalen Skiverbandes von großer Bedeutung, wie Peter Wiesent von der bayerischen Alpin-Polizei erklärt: „Die FIS-Regeln sind sowohl im Skilauf als auch in der Rechtsprechung oberste Norm.“ Das heißt: Wer sich nicht daran hält, riskiert bei einem Unfall sowohl strafrechtliche als auch zivilrechtliche(Schadenersatz,Schmerzensgeld….) Konsequenzen. Die FIS-Regeln gelten international. Italien hat aber teils abweichende Pistengesetze. Dort gilt zum Beispiel „rechts vor links“, während nach den FIS-Regeln der von oben kommende Fahrer Rücksicht nehmen muss.

Ski-Legende Rosi Mittermaier und Ehemann Christian Neureuther kennen sich aus, wenn es um die Sicherheit beim Skifahren geht.

Christian Neureuther und Rosi Mittermaier erläutern die FIS-Regeln in einem neuen Buch. Und auch die Alpin-Polizei setzt alles daran, die Pistenregeln bekannter zu machen.

Lesen Sie hier die zehn FIS-Gebote für Abfahrtsläufer:

1. Rücksichtnahme auf andere Skifahrer und Snowboarder:

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt.

2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise:

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.

3. Wahl der Fahrspur:

Der von hinten kommende Skifahrer und Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.

4. Überholen:

Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder von links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.

5. Einfahren, anfahren und hangaufwärts fahren:

Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Abfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.

6. Anhalten:

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.

7. Aufstieg und Abstieg:

Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuss absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.

8. Beachten der Zeichen:

Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisation beachten.

9. Hilfeleistung:

Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.

10. Ausweispflicht:

Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Wenn Sie die Regeln beachten, steht einem unbeschwerten Skispaß nichts entgegen.

Ingo Wilhelm

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