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Erfrischung pur an heißen Tagen: Herrliche Wasserfälle erfreuen die Wanderer auf der Tour zum Schafkopf bei Farchant.

Sommerwanderung

Kleiner Berg, große Aussicht

„Am Nachmittag verdichten sich die Wolken und es muss mit Gewittern gerechnet werden“. Bei dieser Wetterprognose plant man besser keine Touren mit 1500 Höhenmetern.

Eine kürzere Tour müsste bei einem frühen Start jedoch problemlos zu schaffen sein. Wie wäre es denn mit dem Schafkopf bei Farchant? Der unauffällige Gipfel im langgestreckten grünen Reschberg-Rücken ist zwar nicht besonders hoch, aber er lockt mit überraschend schöner Aussicht und einer abwechslungsreichen Rundwanderung. Nur das große Gipfelkreuz entdeckt man zwischen Baumwipfeln, zieht man über gelb getupfte Bauernwiesen Richtung Bergfuß. Die eigentliche Form des Berges kann man nur erahnen. Blickfang am Startpunkt sind mehrere Bachläufe, die über felsige Stufen herab purzeln. Wer mag, könnte vor der Tour noch einen Blick in eine Felsgrotte mit Marienfigur werfen. Sie befindet sich nur einen Steinwurf entfernt von einem lustig gestalteten Spielplatz.

Dann taucht man ein in den luftigen Mischwald. Ein schmaler, meist gut ausgeschilderter Bergweg führt über Stock und Stein empor. Mit einem großen Schritt überwindet man einen Wasserfall, der plötzlich über den Weg plätschert. Das technisch einfache Wegerl überquert mehrmals Karren- und Forstwege und windet sich die bewaldeten Hänge hinauf. Immer wieder erblickt man hinter kleinen Lichtungen schrofige Wandfluchten, die vom nahen Kramerspitz herabziehen. Unten im Tal auf den Farchanter Wiesen präsentieren die Wolken lebhafte Licht- Schattenspiele. Ab und zu trifft man auf kleine und große Steinmänner, die den Wegverlauf anzeigen. Dann geht’s kurz durch dunklen Nadelwald und dahinter blinken steile Grashänge mit felsigen Krönchen auf. Der Weg bringt einen in mehreren Kehren über die Steilwiesen. Konzentration ist hier angesagt, besonders bei Nässe, denn ein Ausrutscher könnte böse Folgen haben. Flugs ist ein flacherer baum- bestandener Kamm erreicht. Sobald man zur Verzweigung kommt, wo hernach der Abstieg verläuft, ist es nicht mehr weit bis zum höchsten Punkt. Auf einer kleinen Wiesenfläche erreicht man das Gipfelkreuz – errichtet 1989 als 5. Kreuz.

Das fünfte Kreuz schmückt seit 1989 den Gipfel des Schafkopf.

Seit Generationen sind hier tatkräftige Einheimische am Werk. Immer wenn der Zahn der Zeit am Kreuz nagt, stellen sie aus eigener Kraft und eigenen Mitteln ein neues auf. Eine Tafel hinter einem Gipfelbankerl erzählt detailliert die ganze Geschichte. Wer sich umschaut, versteht die Mühe: Das bizarre Wettersteingebirge gewährt packende Einblicke und das gegenüberliegende Estergebirge ist zum Greifen nahe. Interessant auch der Blick auf die Kuhfluchtwasserfälle, die mit 270 Metern zu den höchsten Deutschlands gehören. Irgendwann reißt man sich los und macht sich an den Abstieg – und der ist traumhaft. Über einen breiten welligen Kamm geht’s durch schütteres lichtdurchflutetes Gehölz dahin. Fast zu abrupt verlässt die Route den gemütlichen Waldkamm und leitet nochmals ein Stück über steile Grasflächen abwärts. Später passiert man die frische Quelle „Giessenbach Wasserl“ und landet nach einem Wechselspiel aus kleinen Schneisen und Bergwald wieder in der Aufstiegsroute. Hält das Wetter noch, lässt man die Tour an den wunderbar erfrischenden Wasserfällen über dem Spielplatz ausklingen.

Von Doris Neumayr

SCHAFKOPF (1380 METER)

ANFAHRT – A 95 München – Garmisch-P. bis Autobahnende. Weiter B 2 nach Farchant. Über die „Hauptstraße“ kommend, rechts in den „Gernweg“. Beim Rathaus/Tourismusbüro „Am Gern 1“ rechts und hier parken. Bahn: Bahnstation Farchant, www.bahn.de

TOUR – 750 Höhenmeter, 9,1 km, Gehzeit: Aufstieg wie Abstieg ca. 2 Std. Die leichte Bergwanderung ist meist gut ausgeschildert. Auf einigen Passagen (Steilwiesen) ist Trittsicherheit erforderlich. Proviant mitnehmen – keine Einkehrmöglichkeit während der Tour. Aufstieg: Vom Parkplatz geht’s zur schon sichtbaren Kirche. An der Kirche rechts vorbei, dem „Spielleitenweg“ folgend. Bei einem Spielplatz mit Wasserfall beginnt der Bergweg (Wegweiser „Schafkopf“). Durch lichten Wald folgt man dem Weg empor. Bald wird ein Bach überquert. Man trifft auf einen Karrenweg, zieht auf diesem kurz links aufwärts (Wegweiser „Bergziele Ammergebirge“). Gleich danach rechts wieder auf den schmalen Weg (Wegweiser „Schafkopf“). Ein Karrenweg wird überquert. Dann trifft man auf eine Forststraße. Auf dieser rechts aufwärts, bis eine ausgeschilderte schmälere Forststraße nach rechts abzweigt. Wenig später an einer Gabelung (Schild: „Trog“) führt nach links ein Weg (Wegweiser „Schafkopf“) im lichten Wald etwas steiler hinauf. Kurz vor dem Gipfel erreicht man abschüssige Wiesenhänge. Hier zieht der Weg in einigen Kehren empor zu einem waldigen breiten Kamm. Man passiert eine Wegverzweigung (die Abstiegsroute) und kommt Minuten später auf eine kleine Wiesenfläche mit Gipfelkreuz und Bänken. Abstieg: Vom Gipfel zurück zur oben bereits genannten Wegverzweigung. Jetzt rechts (Wegweiser „Giessenbach, Brünstlkopf, Notkarspitze“) und im Auf und Ab über den breiten bewaldeten Kamm. An einer beschilderten Verzweigung (auf rund 1300 Meter) zieht ein Weg nach links steil abwärts (Wegweiser „Farchant 1 ½ Std.“). Im Zickzack traversiert man nun steile Wiesenhänge. Dann geht’s weniger steil hinab durch Bergwald und vorbei an der Quelle „Giessenbach Wasserl“. Der Weg quert noch mehrmals Karrenund Forstwege, bis man wieder auf die Aufstiegsroute zurückkommt. Auf dieser geht es retour zum Ausgangspunkt in Farchant.

MARIENGROTTE – Wegverlauf: Am Spielplatz (Start des Bergweges zum Schafkopf) auf dem breiten Talweg nach links. Wenige Minuten später erreicht man die kleine Felsgrotte.

KARTE – Alpenvereinskarte (AV) Ammergebirge Ost, Maßstab: 1:25.000.

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