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Das Hintere Sonnwendjoch: ein Postkarten-Idyll.

Auf den Gipfel mit Weitblick

Das Hintere Sonnwendjoch - ein 360 Grad-Paradies

München - Etwa drei Stunden dauert es bis zum Gipfel des Hinteren Sonnwendjochs. Schwierigkeit leicht. Bei strahlender Sonne macht die Tour richtig Spaß.

Ankunft am Fuß des Hinteren Sonnwendjochs. Richtiger: am Fuß des Fußes, denn die Anfahrt endet vorzeitig an einer Schranke: „Mautstraße im Winter gesperrt.“ Also: Stiefel schnüren, Mautstraße laufen. Die Bergstöcke bleiben bei dem Wetter im Auto.

Die Mautstraße ist gar nicht so schlimm, eher schön. Vögel singen, Sonne scheint. Es geht durch Wald und Wiesen. Zugegeben: Bei einem vorbeifahrenden Jäger halten wir doch die Daumen raus. Er lächelt, winkt zurück und braust vorüber. Auf dem Beifahrersitz hechelt sein Hund.

Doch bald kommt die Ackernalm ins Bild. Als Startpunkt geplant wird sie nun der erste Rastplatz. Mit Voralpenpanorama und Sonnwendjoch. Woher kommt eigentlich dessen Name? An Sonnwende geht hinter dem höchsten Gipfel des Mangfallgebirges die Sonne unter. Wahrscheinlich tauften die Menschen ihn deshalb Sonnwendjoch, vermutet Martin Pfluger, der Wirt der Ackernalm. Heute bewirtschaften rund 15 Bauern ihre Almen auf dem Sonnwendjoch. Es gibt eine kleine Bergkäserei gleich oberhalb der Ackernalm, in der morgens Besucher zuschauen können. Im Sommer kommen viele Ausflügler aus München und Umgebung auf den Berg. Dass die Saison erst Anfang April beginnt, merken wir. Mitten im März ist noch kein Mensch zu sehen. Alleine geht’s zum Gipfel.

Bilder des Hinteren Sonnwendjochs

Das Hintere Sonnwendjoch: Bilder

Dorthin deutet ein Schild – mitten in den Schnee. Sonnwendjoch: 1,5 Stunden. Allmählich wird klar, die Stecken sind im Auto schlecht aufgehoben. Ein Schritt vorwärts, zwei zurück. „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“ Der Satz von Camus bekommt eine ganz neue Bedeutung, wenn man knietief im Schnee versackt. Nach 1,5 Stunden Stapfen, kommt die Ernüchterung durch den freundlichen Wegweiser: noch 45 Minuten. „Ich hasse Schnee!“ Keine Angst, im April ist der dann weg.

Vom Gipfel geht der Blick auch ins Kaisergebirge.

Endlich ein Hoffnungsschimmer: Das Gipfelkreuz – und eine menschliche Gestalt! Noch ein Städter in den Bergen? Irgendwas ist anders. Wie eine Gams rennt der Bergsteiger den Kamm entlang. Es gibt also eine Route ohne Schnee. Gut zu wissen für den Rückweg. Und wir: zehn Schritte gehen, zehn Schritte stehen. Im Schneckentempo auf den Gipfel.

„Gruetzi“, tönt es hinterm Gipfelkreuz vor. Die Berg-Gams hat einen grauen Bart und kurze Hosen. Der ältere Herr lächelt großväterlich und sagt: „Ein schöner Tag.“ Wer will ihm widersprechen. Auf der Zinne des Mangfallgebirges scheint die Sonne: klare Sicht von München bis zum Großvenediger, von der Zugspitze bis zum Wilden Kaiser. Ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Ein 360-Grad-Paradies auf 1986 Metern Höhe. Zwei glückliche Sisyphoi am Ziel.

Moritz Hien und Florentin Schumacher

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