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Kaum erwartet: Im kleinen Weiler Piusheim begeistert der denkmalgeschützte Park einer Privatschule.

Wanderung an der Glonn

Im Tal der Überraschungen

Es gibt Landschaften, die auch ohne Sensationen sehr reizvoll sind. Gerade im Spätherbst schätzt man Beschaulichkeit. Ganz wie sie südöstlich von Glonn auch der bedeutende...

...surrealistische Maler Edgar Ende (1901 bis 1965) vorfand, als er sich nach einem bewegten Leben herzkrank in Netterndorf niederließ. Ganz in der Nähe auf dem Friedhof in Antholing liegt er begraben. Der bäuerliche Ort ist Ausgangspunkt der heutigen Spritztour. Von Anfang an fällt einem der barocke Kirchturm und die traumhafte Gebirgskulisse am Horizont ins Auge. Sofern das Wetter mitspielt, begleitet einen dieses Panorama während der gesamten Runde.

Tolle Aussichten und Bio-Freuden

Kleinod: die Wallfahrtskapelle Frauenbründl mit Heilquelle.

Ein Sträßchen führt durch den Ortsteil Weidach, vorüber an verblühten Bauerngärten und knorrigen Obstbäumen. Dann geht’s hinab durch lichtdurchflutetes Gehölz, vorbei an einem Marterl ins weitläufige Glonntal. Das Tal zeigt sich wie ein riesiger verwinkelter Park. In Äcker- und Wiesenparzellen sind kleine Moore eingebettet und dazwischen immer wieder eine Handvoll Häuser, die durch schmale Straßen vernetzt sind. Durch den sonnenverwöhnten Grund fließt die Glonn. 26 Kilometer plätschert der Fluss von der gleichnamigen Marktgemeinde aus durch die bilderbuchartige Moränenlandschaft, bevor er in Bad Aibling in die Mangfall mündet. Im leichten Auf und Ab zieht der Weg immer am Waldrand entlang Richtung Piusheim. Über den Baumgipfeln erblickt man den spitzen Kirchturm von Jakobsbaiern. Von diesem Dorf stammt der Name der Gemeinde Baiern und zwar in der Ableitung des althochdeutschen Wortes „Bur“, das „Haus“ bedeutet. Jakobsbaiern trug den Namen des Kirchenpatrons, um sich von den anderen Orten mit Namen „Baiern“ oder „Beuern“ zu unterscheiden.

Ein Stückchen weiter und schon steht man im Ortsteil Piusheim. Hier könnte man einen kleinen Abstecher einplanen zum denkmalgeschützten Park mit Springbrunnen vor dem stattlichen Gebäude einer privaten Schule. Und wer „Kaffeedurst“ verspürt, spaziert weiter zum Café der Bio-Erlebnisbäckerei. Gemächlich windet sich die Straße durch die feuchten Wiesen mitten durchs Glonntal. Die Silhouette des Mangfallgebirges rückt greifbar nahe heran. Man passiert die Weiler Waslmühle und Moos, bis sich der Kreis beim Marterl unterhalb von Weidach schließt. Wer noch etwas Zeit hat, sollte die Heimfahrt über den nahegelegenen Weiler Frauenbründl einplanen: Das Wallfahrtskircherl ist ein Juwel in der Landschaft. Vom Parkplatz aus leitet ein Kreuzweg direkt zur malerischen Marienkapelle, die bereits im Pestjahr 1635 entstanden sein soll. Direkt unter der Kirche sprudelt eine Quelle heraus, der man Heilkraft nachsagt.

„Seit über 25 Jahren hab’ ich keinen Katarrh mehr“, erzählt Johanna aus Glonn, während sie mit der Schöpfkelle ein Glas füllt. Mindestens einmal im Monat kommt sie zur Quelle. Ob es bei jedem hilft, wer weiß? Aber einen Segen für die Heimfahrt bekommt man in der stimmungsvollen Kapelle mit den vielen Votivgaben bestimmt!

Von Doris Neumayr

ZWISCHEN ANTHOLING UND WEIDACH

ANFAHRT – Bahn / Bus: S 7 Kreuzstraße bis Bhf. Höhenkirchen- Siegertsbrunn, mit Bus Linie 413 bis Antholing. Auto: A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Ottobrunn. Weiter Richtung Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Über Egmating, Kastenseeon bis Glonn. In Glonn rechts Richtung Aßling. Vor Ortsende Glonn rechts nach Haslach, Piusheim (Haslacher Straße). In Piusheim links und über Jakobsbaiern nach Antholing. In Antholing vor dem Sportplatz parken.

TOUR – Geräumte, asphaltierte Nebenstraßen, 6 km, 100 Höhenmeter. Gehzeit Runde: ca. 1,5 bis 2 Stunden. Verlauf: Vom Sportplatz aus überquert man die „Glonner Straße“ und folgt der „Alpenstraße“ Richtung Weidach. In Weidach geht’s links in den „Leitenweg“. Nun bergab zwischen Wald und Wiesen an eine Kreuzung im weitläufigen Glonntal.

Vor einem Marterl nach rechts und gleich wieder rechts (Ww. „Piusheim-Glonn“). Jetzt auf einem Sträßchen am Waldrand entlang bis Piusheim. In Piusheim beim Ww. „Unterlaus, Waslmühle“ nach links am Ortsrand entlang (Abstecher möglich zur Bio-Erlebnisbäckerei, Café und zum kleinen Park). Das Sträßchen führt über die Glonn-Brücke ins breite Wiesental hinein. Dann geht’s links (Ww. „Waslmühle, Antholing“), vorbei am Weiler Moos und zurück zur bekannten Kreuzung mit dem Marterl. Von hier aus nimmt man die gleiche Strecke zurück zum Ausgangspunkt.

TIPPS – 1. Wallfahrtskapelle Frauenbründl mit Kreuzweg. Auto: In Piusheim den Schildern „Frauenbründl“ folgen (Richtung Weiterskirchen-Glonn). Im gleichnamigen Weiler erscheint nach ca. 1,3 km rechts die Kapelle. Kurz danach rechts am Straßenrand parken. Zu Fuß über Waldweg (Kreuzweg) bis zur Kapelle mit Heilquelle (ca. 10 Min.).
2. Glonntaler Backkultur in Piusheim (Raphaelweg 14; Café, Restaurant, Bäckerei, Konditorei und Biergarten). 100 Prozent Biorohstoffe. Öffnungszeiten im Internet: www. glonntaler-backkultur.de oder Tel.: 0 80 93 / 90 25 61,
3. Christkönig-Markt in Piusheim: Kunsthandwerk, Adventsschmuck, Gaumenfreuden, 24. Nov. (12 bis 18 Uhr) bei jedem Wetter (Raphaelweg neben „Glonntaler Backkultur“).

KARTE – ADFC-Regionalkarte München und Umgebung.

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