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Auf einem weiten Hochplateau (o./u.li.) liegt Wackersberg, dessen Bürger anno 1638 eine Pestkapelle (u. re.) errichtet haben.

Horizont-Erweiterung

Spätherbstliche Runde auf aussichtsreichem Plateau

Viele Marterl hat’s rund um Wackersberg. Schmucke Höfe gibt es auch. Die Bauern waren fromm. Und kritisch. Denn wie steht es auf einer Inschrift, die in Stein gehauen ist: „Sieh das Leiden unsres Herrgotts, der uns dies schöne Land bescherte, sieh den Bauernstand, den stolzen und die Politik, die gescherte.“

Tja, und das steht da schon länger: weit vor den Querelen zwischen Landwirten, Landes- wie Bundesregierung und der EU...

Das weite Land hier ist bis heute bäuerlich geprägt, stattliche Anwesen prägen das Bild. Wackersberg ist ja so was wie ein Denkmaldorf, ein Großteil der Bauten steht unter Schutz. Interessant sind vor allem die ehemaligen Höfe auf der Dorfstraße 17, 19 und 21, allesamt mit dem im Tölzer Land so typischen Blockbau-Obergeschoss – ein Baustil, den auch das Haus Nummer eins in Höfen besitzt. Wer dann den Spaziergang beginnt, darf noch schnell beim Altwirt die Biedermeier- Hochlaube bewundern, bevor es Richtung Pestkapelle geht. Schritt für Schritt wird sofort klar, was den Charme der Gegend ausmacht.

1195 als „mons, qui dicitur Wakkersberch“ erwähnt, einst Rodungssiedlung des Klosters Schäftlarn, ist das eine weite offene Landschaft. Wackersberg und seine Nachbarn liegen auf einem kilometerlangen Hügel oberhalb von Bad Tölz. Ein Hügel, der sich während der letzten Eiszeit formte und seinerseits von der Isar im Osten und dem Heigelkopf und Blomberg im Westen umrahmt wird. Und wer sich wundert, dass er hier bis nach Zwiesel wandern soll: Es geht nicht in den Bayerwald, sondern „nur“ auf den Zwieselberg.

Die flache „gschmache“ Runde bleibt im Tal und trifft auf die Pestkapelle. Schwer getroffen war Wackersberg von der Pest während des Dreißigjährigen Krieges, als 1634/35 fast alle Einwohner dahingerafft wurden. Die wenigen Überlebenden hatten die traurige Pflicht, sie in einem großen Hügelgrab beizusetzen, 1638 errichteten sie die Pestkapelle. Bis heute ist das ein besonderer Platz und das „Gästebuch“ beinhaltet viele anrührende Bitten und Danksagungen. So freut sich Grazyna aus Polen über den schönen Tag. Und Marianne wünscht sich eine gute Prüfung im Februar, und für den März 2010 eine neue Arbeit…

Ein feiner Ort in einer ruhigen Gegend, unweit der Kapelle darf’s dann in der Waldherr- Alm ein Glühwein sein. Zwar sind die Viecherl aus dem Streichelzoo schon ins Winterquartier gezogen, dafür schürt die Alm-Mannschaft den Ofen in der Stube ordentlich ein. Es ist „griabig“ hier und immerhin ist die Gegend dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker seit langem eine Wahlheimat, die Muße und Kraft gibt.

Vorbei an kleinen Weilern geht’s weiter nach Bibermühle, wo ein Abstecher an den Isarstrand natürlich nicht fehlen darf. Und dann wacker bergauf zurück nach Wackersberg – der mächtige Turm von St. Nikolaus weist den Weg...

Nicola Förg

Wackersberg und Bad Tölz

ANFAHRT – Bahn/Bus: Regelmäßiger Zugverkehr München– Bad Tölz. Auskünfte: Bayerische Oberlandbahn GmbH, Bahnhofplatz 9, 83607 Holzkirchen. Tel.: 08024 / 997171; www.bayerische-oberlandbahn.de. Weiter per Bus 9564 ab Tölz ZOB/Fritzplatz bis Wackersberg, Altwirt. Auto: A 95 München–GAP bis Ausfahrt Sindelsdorf. Über Bichl/Bad Heilbrunn Richtung Bad Tölz. Ausgeschilderte Abfahrt nach Wackersberg. Parken an der Kirche.

TOUR – Vom Altwirt die Straße entlang bis zur Pestkapelle; weiter auf der Straße; dann rechts weg zur Waldherr- Alm; bis Lehen; entweder am Naturland/Obstbrennerhof vorbei und über den Feldweg nach Höfen; oder etwas weiter bis Schnait und an der Straße entlang nach Höfen; von dort: Anliegerweg nach Bibermühle; an der Bushaltestelle wieder links in den Wald Wegerl hinauf nach Wackersberg.

ADVENT IN BAD TÖLZ – Christkindlmarkt Bad Tölz. Vom 28. November bis zum 24. Dezember, täglich 11 bis 19 Uhr. In der historischen Marktstraße mehr als 50 festlich dekorierte Holzhäuschen. – Stadtmuseum, Marktstraße 48, Sonderausstellung „Johann Nepomuk Sepp“ (28.11.-6.12.; Sepp (1816–1909) war Historiker, Bewahrer des Klosters Wessobrunn, Organisator des Winzerer-Denkmals und des Denkmals für den Schmied von Kochel in Kochel am See. Er hatte ein bewegtes Leben, hielt sich 1845 und 1846 in Syrien, Palästina und Ägypten auf und erhielt 1846 eine außerordentliche Professur in München. Er wurde aber 1847 mit sieben anderen Kollegen in Folge der Lola Montez-Affäre abgesetzt und aus München verbannt. Wenn er 1861 nicht das teilweise zerstörte Kloster Wessobrunn, das damals als Steinbruch missbraucht wurde, gekauft und gerettet hätte, wäre der Pfaffenwinkel um eine Attraktion ärmer! Sepp wurde auf dem Alten Südlichen Friedhof in München beigesetzt. – Weitere Anregungen: Tourist-Information Bad Tölz, Max- Höfler-Platz 1, Tel.: 08041 / 78670,

www.bad-toelz.de

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