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Das ist ein Panorama: die Gipfel des Alpenhauptkamms stehen Spalier, wenn man den nur 1292 Meter hohen Feuerköpfl bei Thiersee erwandert hat.

Spätherbsttour

Goldene Zeiten über dem Inntal

Nie leuchtet der Bergwald schöner als jetzt. Manchmal hat man das Gefühl, dass da einer gezündelt hat am Feuerköpfl, so bunt entflammt ist das Laub.

Dennoch beginnt die kleine Bergtour mit einem Schock: Am Parkplatz in Schneeberg reiht sich an einem schönen Wochenende Auto an Auto. Doch die kurze und leichte Tour auf das Feuerköpfl ist eine Tour der Gegensätze oder auch der vermeintlichen Widersprüche, wie man bald feststellt... Das Feuerköpfl gehört zu den Brandenberger Alpen. Der kleine, nur 1292 Meter hohe Berg bei Thiersee ist aus dem Inntal ebenso gut erreichbar wie über Bayrischzell und Landl. Kein Wunder also, dass hier einiges los ist. Doch kaum hat man die erste Viertelstunde hinter sich, wird es ruhig. Verwundert stellt man fest, dass die meisten Wanderer eine andere Route eingeschlagen haben und den beliebten Pendling ansteuern. Unser kleiner Berg liegt in seinem Schatten – und das ist gut so! Geradezu beschaulich geht es auf guten Wanderwegen hinauf zur unbewirtschafteten Jochalm.

Eine Alm wie aus dem Bilderbuch

Hier gibt der Wald das erste Mal den Blick nach Süden frei und man kann erahnen, was einen am Gipfel erwartet. Dann wird der Weg wieder vom Bergwald verschluckt und auf einem wunderschönen Waldpfad quert man hinüber zur Höhlensteinalm. „Auf den Spuren alltäglicher Wunder“ – ganz unvermittelt hängt dieses Schild an einer unspektakulären Stelle an einem Baum. Ein Paradoxon, denn Wunder sind nichts Alltägliches. Doch der Widerspruch löst sich auf, wenn man die Perspektive ändert.

Liegt es nicht im Auge des Betrachters, ob man in den alltäglichen Dingen noch die Wunder erkennt? Ist es nicht eine Frage der Aufmerksamkeit und der Dankbarkeit gegenüber den Dingen des Alltags und auch gegenüber der Natur, ob man darin ein großes Mysterium erkennt?

Während man darüber nachsinnend weitergeht, ruft es aus Kindermund: „Holla, die Waldfee!“ – ein typisch jugendlicher Ausdruck höchster Überraschung. Ja, positiv überrascht sind nicht nur die Kinder, als man das traumhaft schöne Gelände der Höhlensteinalm erreicht. Eine Ebene im Gebirge ist immer ein ganz besonderer Platz, aber diese liebliche Alm – eingerahmt von Jochkopf, Kögelhörndl und Feuerköpfl, mit freiem Blick nach Süden ins Inntal – ist schon etwas ganz Besonderes. Inmitten dieser Idylle liegt das Höhlensteinhaus, das mit Erfrischungsgetränken, Brotzeiten, Kaffee und Kuchen sowie mit einem Kinderspielplatz die Wanderer erwartet. Leider hat es nur noch dieses Wochenende geöffnet.

In wenigen Minuten ist nun der Gipfel erklommen und wieder löst sich ein vermeintlicher Widerspruch in Luft auf. Wie kann ein so kleiner Berg eine so fantastische Aussicht bieten? Dank seiner freien Lage direkt über dem Inntal wirkt das Feuerköpfl wie ein Logenplatz vor der großen Kulisse der Kitzbüheler Alpen und des Alpenhauptkammes. Wieder einmal ist es die schneebedeckte Pyramide des Großvenedigers, der die Blicke auf sich zieht. Klar, dass man sich von dem Panorama nur ungern trennt. Aber im Spätherbst wird es schnell kühl, sodass man sich schwört, noch einmal im Sommer wiederzukommen.

Von Bernhard Ziegler

FEUERKÖPFL (1292 METER)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg bis Inntaldreieck. Dort Richtung Kufstein. Ausfahrt Kufstein Nord. Bis Thiersee. Weiter Richtung Hinterthiersee (ausgeschildert) bis Mitterland. Beim Pfarrwirt links nach Schneeberg. Alternativ kann man auch über Bayrischzell nach Thiersee fahren. Parkplatz (3 Euro) beim Gasthaus Schneeberg (950 m).

TOUR – Aufstieg: Rechts vom Gasthaus findet man die asphaltierte Straße (Ww. Jochalm / Höhlenstein), der man bergwärts folgt. Schon nach wenigen Metern folgt ein Abzweig nach rechts, der ebenfalls mit „Höhlenstein“ gekennzeichnet ist. Diesen ignoriert man und wandert geradeaus weiter (ebenfalls mit „Höhlenstein“ ausgeschildert). Die Straße führt in den Wald und macht dann eine Linkskehre. Im Scheitelpunkt der Kurve zweigt man rechts ab (Ww. „Kala- Alm / Jochalm / Höhlenstein“). Meist recht flach empor; Abzweig zur Kala-Alm und nach Schneeberg / Mitterland ignorieren. An einer Forststraße rechts auf dieser weiter (Ww. Höhlenstein / Jochalm) bis zur Jochalm (unbew.; ca. 1300 m) mit herrlichem Ausblick nach Süden.

Direkt an der Hütte vorbei führt der Weg nun wieder in den Wald und wird plötzlich schmal. Leicht absteigend quert man ins freie Gelände der Höhlensteinalm. Dem Ww. zum Höhlensteinhaus folgen. Über einen Pfad in wenigen Minuten nach Süden zum Feuerköpfl mit Kreuz, Bank und toller Aussicht.

Abstieg: 1. Wie Aufstieg. 2. Eine kleine Runde ergibt sich, wenn man über die Kala-Alm absteigt. Hierbei ist jedoch ein Gegenanstieg von 180 Hm einzuplanen. Auch bei der Variante geht es zuerst auf dem Anstiegsweg zurück zur Jochalm. Etwa 200 m danach findet man eine beschilderte Abzweigung zur Kala-Berggaststätte, der man folgt. Von dort über die breite Forststraße nach Schneeberg oder diese gelegentlich über Waldpfade abkürzen. Tourdaten: Insges. 350 Hm, bei Abstieg über Kala-Alm sind es insg. 530 Hm. Gehzeiten: Aufstieg: 1,5 Std.; Abstieg: 1 Stunde über Anstiegsweg; 1,5 Std. über die Kala-Alm.

ALTERNATIVEN – 1. Wem die Tour so zu kurz ist, der kann mit dem Köglhörndl (1645 m) noch einen Gipfel draufpacken. Ab Höhlensteinhaus 400 Hm, 1,5 Std.). 2. Feuerköpfl, Köglhörndl lohnen sich auch vom Inntal aus.

EINKEHR – 1. Höhlensteinhaus (1233 m), ab Pfingsten durchgehend täglich bis 28. Oktober bewirtschaftet. 2. Kala Alm Berggasthof (1426 m). 3. Gasthaus Schneeberg am Ausgangspunkt.

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