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Ein spätherbstliches Farbspektakel: Der Moorlehrpfad Prem bietet in diesen Tagen fantastische Ein- und Ausblicke.

Spannende Runde durchs Hochmoor

München - Der Moorlehrpfad Prem hat seinen ganz besonderen Zauber. In diesen Tagen bietet es fantastische Ein- und Ausblicke. Alle Infos zum Premer Hochmoor:

Prem, im Jahr 1935. Paragraph 4 der Badeordnung: „Im Wasser sowie auf den Badeplätzen ist jedes Verhalten zu unterlassen, das in sittlicher Beziehung Ärger zu geben geeignet ist.“ Jawohl, so war das 1935, als die ersten 100 Feriengäste kamen und die Gemeinde im Landkreis Weilheim-Schongau die Stauung des Röthenbaches als Moorschwimmbad beschloss. Der Name „Rötenbach“ oder „Rötbach“ bezieht sich auf die rötlich-braune Farbe des Wassers, die von Huminsäuren – die durch den partiellen Abbau von Resten abgestorbener Lebewesen im Boden gebildet werden – herrührt. Das Becken wurde damals von Hand ausgebuddelt, das Bad ist heute außer Betrieb, momentan auch wasserlos, aber es erzählt zwei Geschichten: Eine etwas kürzere vom jungen Tourismus in einer Gemeinde, die im äußersten südwestlichen Eck von Oberbayern wie gemalt vor dem Gebirge liegt. Und es erzählt eine lange Geschichte, eine, die vor etwa 15 000 Jahren beginnt, als sich der Lechgletscher aus dem Alpenvorland zurückzieht, im Gepäck gewaltige Schmelzwassermassen, die in einem "Lechbrucker See" gestaut sind, der im Norden bis Burggen, im Süden bis in die Gegend von Roßhaupten gereicht hat. Das Wasser zieht sich zurück, bildet diese heitere Landschaft und hinterlässt Moore. Das

Premer Filz oder Premer Moor ist ein typisches Hochmoor, das keine Verbindung zum Grundwasser hat und nur durch Niederschlagswasser gespeist wird. Es lebt, es erfindet sich jeden Tag neu, in Farben und Schattierungen.

Sehenswürdigkeiten: Wie gut kennen Sie die Welt?

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Der Moorlehrpfad hat jüngst eine brandneue Beschilderung bekommen, mit Texten, die Lust machen, mehr zu lesen. Perfekt auch für Kinder! Durchs Moor führt ein recht grimmig aussehender Geselle, der „Huidingerle“ und der hatte früher schon das Sagen im Moor. Wer nämlich zum Torfstechen ging, durfte sich auf keinen Fall umsehen. Wer das dennoch tat, wurde von einem grausigen Riesen, eben dem „Huidingerle“ gepackt und ins gruselige Moor gezogen. Und weil angeblich „Weibsleute“ dafür besonders anfällig sind – man erinnere sich an Lots Frau aus der Bibel - durften sie nicht mitkommen zur Moorarbeit... Das Premer Moor hat seinen ganz eigenen Zauber, weil es in Teilen ein intaktes Moor ist, in dem noch Moorspirken wachsen, eine Kiefernart, die eng verwandt mit der Latsche und ein Eiszeitrelikt ist. Torfmoos, Moosbeere, Rosmarinheide und Moorbirken malen ein buntes Bild, das Pfeifengras zeigt aber auch an, dass es sich um ein vom Menschen verändertes, entwässertes Hochmoor handelt. Denn hier wurde Torf gestochen, der ein wichtiges Heizmaterial war. Gestochen wurde meist ab Mai, im Sommer wurden die „Wäsen“ oder „Wasen“ (Torfstücke) getrocknet, im Herbst in die Torfhütten verbracht und zur Heizperiode im Winter dann, wenn der Boden gefroren war, mit „Schloapfe“ herausgezogen. Das waren Schlitten,

die mit Muskelkraft oder – wenn man sich’s leisten konnte – vom Pferd gezogen, nach Hause „geschloaft“ wurden. Mitte der 1980er-Jahre wurde der Torfabbau eingestellt, die Torfhütten der einzelnen Familien wurden abgebaut. Die Königsfilzhütte steht noch, sie ist Teil des Weges und birgt alte Torfwerkzeuge. Doch auch als Picknickplatz ist sie nicht zu verachten. Und schräg gegenüber hockt der Huidingerle als Bronzeplastik in einem Moorloch. Ziemlich zugewuchert und so gar nicht bedrohlich schaut der arme Kerl aus – eigentlich möchte man ihn nur schnell befreien aus seiner unbequemen Lage.

Nicola Förg

Moorlehrpfad Prem

ANFAHRT – A 95 München – GAP bis A.-Dr. Starnberg. B 2 und B 472 Starnberg, Weilheim, Peißenberg bis Peiting. B 17 bis Steingaden. Richtung Lechbruck und vor dem Lech links ab nach Prem. Parken: am Ortseingang von Prem, Beginn des Moorlehrpfades.

TOUR – Am ehemaligen Badesee entlang, beim Biberverbiss vorbei; aus dem Ort hinaus durch weites Wiesenland; links in den Wald hinein bis zum „Huidingerle“. Wegvariante eins: über die Königsfilzhütte über den ersten Graben bis zum Forstweg (zu Zeiten des Torfstechens war das Moor von sogenannten Gräben durchzogen, befestigten Wegen für die Karren), dort links oder rechts (siehe Variante drei oder vier).

Wegvariante zwei: zum Torfstich, wo zu sehen ist, wie die Wasen früher getrocknet wurden; dem Pfad dann weiter folgen, bis er markant nach links abknickt, dem sogenannten dritten Graben folgen (parallel zum ersten), bis man ebenfalls den Forstweg erreicht hat. Wegvariante drei: rechts weg, das gesamte Moor umrunden und immer wieder herrliche Blicke in die Berge. Insgesamt 6,5 Kilometer.

Wegvariante vier: aus den Gräben kommend links weg, an den Häusern Karlsebene vorbei bis Hellmau; in Hellmau kurz rechts weg bis zur Lechbrücke und dann den sehr schönen Lechuferweg bis zum Ausgangspunkt. Insgesamt 4,5 Kilometer.

Achtung: Der Abschnitt über den Torfstich ist gerne etwas nass, für den gesamten Weg ist gutes Schuhwerk wichtig! Bitte generell auf den Pfaden bleiben, der „Huidingerle“ ist noch aktiv!

INFORMATIONEN – Tourist Information Prem, Schulweg 6, 86984 Prem. Tel.: 0 88 62 /72 56; E-Mail: info@prem-am-lech.de; Internet: www.prem-am-lech.de

KARTE – Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

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