+
Weite Ausblicke, zahlreiche Blumen und Bänke zum Genießen bietet der Spazierweg am Gögerl bei Weilheim.

Blick übers Voralpenland

Bei Weilheim: Spaziergang zwischen Bier und Blüten

Frühschoppen oder Feierabend? Wer nicht zwischen Brunch oder Biergarten entscheiden kann, hat am Gögerl und in der Marktstadt Weilheim genug Möglichkeiten, die Zeit zwischen beidem zu überbrücken.

Allem voran steht wohl ein Spaziergang rund um den Aussichtshügel, der erstaunlich viel bietet: Baum- und Blickvielfalt, Blumen und Bänke – die heile bayerische Welt eben. Dieser kleine Gogel oder Hügel am Südende von Weilheim hat zwar nur wenige Höhenmeter, die jeder auf sanften Wegen schafft, die aber einen lohnenden Überblick über das Voralpenland und die Bergkette am Horizont geben.

Historische Erinnerungsstücke

Mit dabei: Geologie und Geschichte. Schon auf den ersten Metern passiert man einen Sandsteinblock, der an eine Franziskanerklause erinnert, die 1704 der Weilheimer Johannes Obermayr gründete und wo der jeweilige Bewohner seine Dienste gegen Almosen anbot. Genau nach 100 Jahren wurde das Ganze abgerissen. Kurz nach dem Stein fallen dann die steilen Hänge nach Westen auf: Das sind die Reste einer Wallanlage aus dem 9. und 10. Jh., die sog. Hechenberg-Burg: Wahrscheinlich war das ein Zufluchtsort.

Unterirdische Gänge zum Weilheimer Marienplatz?

Weniger wahrscheinlich ist, dass von dort aus unterirdische Gänge nach Deutenhausen und zum Weilheimer Marienplatz führten, wie es der Volksmund behauptet. Noch eine zweite Sage ist hier oben angesiedelt: die vom Gögerlfräulein. Im Jahr 1226 starb die männliche Linie der Edlen von Deutenhausen aus und es gab ein sauberes Gerangel um das Erbe, über das schließlich das Gericht entschied. Dabei gerieten die beiden Schwestern des letzten Ritters aneinander, die Sehende stach schließlich die Blinde aus und muss sich seither mit dem Fluch der Betrogenen herumschlagen. Als Gespenst „im weißen Kleide mit einem schwarzen Bande um den Leib” wurde sie allerdings zuletzt im frühen 19. Jh. am Gögerl gesehen.

Versteckte Quellen

Somit kann man heute also ganz beruhigt weiterwandern ins Anger-Weidenbachtal, das einst durch Gletscherwasser geschaffen wurde. Die Anstiege daneben verweisen auf eine zweite Wallanlage. Diese „Gögerlburg“ war vermutlich die Fluchtburg der Deutenhausener. Auch heute ist die Gegend um das Dorf herum existenziell wichtig für Weilheim: Das Wasserschutzgebiet und der dortige Brunnen versorgen die Stadt – und zwar schon seit dem 16. Jh., damals allerdings noch mit Holzröhren verbunden. Das Grundwasser fließt hier durch die späteiszeitlichen Schotterschichten und wird dadurch so gut gereinigt, dass man es nicht mehr weiter aufbereiten muss. Zudem liefern hier noch versteckte Quellen gutes Wasser. Auf dem Weiterweg kann man nach Umrundung des Berges noch mehr typische Eiszeit-Reste entdecken: die kegelförmigen Tumuli.

Es sind Sand- und Kieshügel, die durch das Schmelzwasser des letzten Gletschers entstanden sind. Das war vor rund 18000 Jahren, als das Eis während dieser „Weilheimer Halt“ bis zur jetzigen Stadt reichte und dann, beim Rückgang, als Endmoräne das Gögerl samt Hechen- und Eichberg hinterließ.

Schmetterlinge um schöne Blüten

Seit 1989 stehen die Hänge unter Naturschutz. Der „Kalkmagerrasen“ gefällt den rund 200 dort vorkommenden Überlebenskünstlern: Thymian (Blüte: Mai-Okt.), Wundklee (April-Sept.), Wiesen-Salbei, Zypressen-Wolfsmilch oder das Echte Labkraut (Juni-Okt.). Eine Rarität ist der Gelbe Fingerhut (Juli). Kein Wunder, dass darauf auch die Insekten fliegen: Schmetterlinge wie der Schwalbenschwanz, der Bläuling oder das Blutströpfchen schwirren hier herum. Wem das alles ein wenig zu ruhig und idyllisch ist, der kann auch aktiv werden: mit Frisbee-Golf. Zu diesem Parcours gehören die „Stahlkörbe“, über die sich schon mancher gewundert hat. Also, die schnelle Scheibe mitnehmen, sich austoben und danach der Abendsonne vom Biertisch aus zuschauen, wie sie langsam am Horizont versinkt.

Freia Oliv

AM GÖGERL BEI WEILHEIM

ANFAHRT – Bahn: Regelmäßige Verbindung München – Weilheim und ca. 20 Min. Fußweg durch die Altstadt und Obere Stadt (www.bahn.de). Auto: A 95 München – GAP, A-Dr. STA bis Starnberg. B 2 bis Weilheim. Am Ortsende li. in Weinhartstr. und „Am Gögerl“ (Schilder) zum Parkplatz.

TOUR – Gehzeit 1 bis 1,5 Std., Schwierigkeit leicht.
Strecke: knapp 5 km, Höhendifferenz rund 70 Meter.
Verlauf: Vom Parkplatz zur Waldgaststätte, davor Stufen hinauf, an Bank rechts, Richtung Süden vorbei am Sandsteinblock. Am Rande eines Walls weiter nach Süden, vorbei am umzäunten Hochbehälter der Weilheimer Wasserversorgung.

Weiter auf Weg vorbei an großem Wegkreuz, leicht bergab, an großer Kreuzung danach (rechts: Beginn Teerstr.) nach links zum Waldrand und durch Wald geradeaus den Fahrweg bergab, bis man am Ende des Waldes auf eine T-Kreuzung trifft: Hier rechts und dann das Weglein am Zaun des Wasserschutzgebiets entlang bis zur Teerstraße. Nächste Kreuzung am Rand Deutenhausens rechts Richtung Eichberg. Kurz darauf nächste Kreuzung rechts auf nicht asphaltiertem Weg hinauf zum Hechenberg. Oben eine Rechtskurve, danach auf Hauptweg bleiben, der leicht links durch Wald geht.

Nach dem Wald gelangt man wieder zum Areal des Hinweges: hier nun rechts ab in die Teerstr.; Bergauf und nach 50 Metern an der Bank links in Wiesenpfad. Auf halber Höhe des Gögerls zurück zum Parkplatz.

EINKEHR – 1. Waldwirtschaft Gögerl, Mo Ruhetag. Tel.: 08 81 / 33 03; www.waldwirtschaft-goegerl.de: 2. Gasthof Zum Goldenen Stern Deutenhausen, Mi. Ruhetag, Telefon: 08 81 / 22 58. Diverse Gasthöfe in Weilheim.

TIPPS – Baden: Dietlhofer See am Nordrand von Weilheim mit Freibad und Wirtschaft. Kultur: Altstadt und Stadtmuseum Weilheim, Altes Rathaus Marienplatz (Eintritt frei, Mo. Ruhetag). Weitere Informationen:www.weilheim.de

KARTE – Kompass-Karte 179, Pfaffenwinkel.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die 17 schönsten Badeseen in und um München
Trip an den See gefällig? Neben Starnberger See und Ammersee gibt es viele, auch weniger bekannte Gewässer in und um München, an denen man sich an heißen Tagen …
Die 17 schönsten Badeseen in und um München

Kommentare