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Idylle mit unglaublichem Weitblick: Mittagspause auf dem Gipfel mit Blick zur Bauernwand. Die Sonnwendwand sollte man morgens besteigen, rät unser Autor.

Chiemgauer Alpen

Mit Speck fängt man Wanderer

Am Morgen, wenn die Luft noch frisch und klar ist, startet man am besten zu dieser hochsommerlichen Tour in den Chiemgauer Alpen.

Erst schwitzen, dann im Chiemsee baden

Auch wenn der Klausgraben ein kühles Tälchen ist, von herrlichem Wald beschattet und von einem erfrischenden Bach durchzogen wird, sollte man um diese Jahreszeit früh dran sein, damit die Tour keine Tortur wird. Der sonnseitige Gipfelhang der Sonnwendwand bringt einen noch früh genug zum Schwitzen. Und wenn am späten Nachmittag die Luft schwül wird, die Sommersonne unbarmherzig herunterbrennt, dann ist man doch viel lieber schon am nahen Chiemsee beim Baden!

Naturkunstwerk

In Hainbach, im Priental, geht’s los mit dieser Bergwanderung. Noch bevor der Weg in den Klausgraben mündet, wartet die Tour mit einer kleinen Überraschung auf: es ist eine Art Naturkunstwerk, oder vielmehr ein Hinweis darauf, dass die Natur mit der Zeit auch von Menschenhand hergestellte Dinge wieder in Beschlag nimmt und auf ihre ganz eigene Weise verschönert. An dieser Wegstelle hat nämlich jemand ein altes Radl und ein paar alte Schuhe an die Scheunenwand gehängt und mit Trockenblumen verziert. Die natürliche Verwitterung gibt dann dem „Kunstwerk“ seinen ganz eigenen Stil.

Ziel: die Sonnwendwand

Dass die Natur die größte Künstlerin von allen ist, wird man auf dieser Wanderung noch öfters bemerken. Vielleicht schon im Klausgraben, wenn man die kleinen Gumpen betrachtet, die der Bach in jahrtausendelanger Arbeit mühsam und geduldig aus dem Fels geschliffen hat. Oder wenn man oberhalb vom Klausgraben aus dem Wald heraustritt und plötzlich die Weite der Weidefläche der Hinteren Dalsenalm genießt, während sich am Horizont entfernte Bergketten im Dunst aufreihen. Nach Süden ginge es jetzt hinauf zum Weitlahnerkopf, doch dieser Weg ist nicht ganz so abwechslungsreich und außerdem gibt es hier keine „Tankstelle“ am Weg. Also biegt man links ab Richtung Kampenwand und Hofbauernalm. Unser eigentliches Ziel, die Sonnwendwand, ist nicht ausgeschildert, und so gehört der schöne Gipfel zu den ruhigeren Orten in den Chiemgauer Bergen. Bis zur Hofbauernalm ist die Route einfach zu finden, doch danach gehört ein bisschen Gespür fürs Gelände und Orientierungssinn zum Gelingen dazu.

Herrliche Ausblicke

Bevor man den Gipfel angeht, sollte man das herrliche Panorama auf der Hofbauernalm (1379 Meter) genießen. Auch der Weg zur kleinen Kapelle hinüber lohnt sich, denn dabei hat man einen schönen Ausblick ins Inntal und zum Pendling. Die Alm gehört übrigens dem Freistaat Bayern, ist von einer Almgemeinschaft gepachtet und während der Weidesaison (in der Regel von Mitte Juni bis Mitte September) bewirtschaftet.

Almtypische Brotzeit vor dem Aufstieg

Die beiden jungen Sennerinnen Magdalena und Martina verkaufen dann eine almtypische Brotzeit: selbstgemachten Käse, Brot und Speck und Getränke aus der Flasche. So gestärkt ist die letzte Etappe zum Gipfel kein Problem. Weglos zielt man über die Wiese nach Norden hinauf. Erst am Waldrand weist ein kleines Holzschild wieder den Weg, wobei auch hier die Sonnwendwand nicht namentlich ausgeschildert ist. Diesen Gipfel besteigen also in der Regel nur Wanderer, die wissen wonach sie suchen. Nur Pfadspuren leiten einen zum höchsten Punkt empor.

Ein schöner Gipfel, dessen Nordseite auf atemberaubende Weise steil abfällt, und der vom Kreuz aus einen herrlichen Blick ins Voralpenland, zum Simssee sowie zum Chiemsee bietet. Das motiviert für einen zügigen Abstieg: Wer früh genug aufgebrochen ist, kann nach dieser nicht übermäßig langen Wanderung am Nachmittag noch prima in einen der Seen springen. Was für ein Hochgenuss, wenn man seine müden Beine und seinen aufgeheizten Körper im Bayerischen Meer kühlen darf!

Von Bernhard Ziegler

SONNWENDWAND (1511 METER)

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Frasdorf. Über Aschau ins Priental Richtung Sachrang. Etwa 4 km hinter Aschau findet man beim Weiler Hainbach links der Straße einen Wanderparkplatz. Dieser ist der Ausgangspunkt.

TOUR – Am Nordrand des Parkplatzes (also gleich an seinem Beginn bei den Infotafeln) findet man eine kleine Brücke über den Bach. Direkt danach geht es rechts auf der asphaltierten Straße bergan, an den letzten Häusern vorbei in den Wald und durch den sog. Klausgraben empor. Am Ende leitet einen der Weg in einem Zickzack ins freie Gelände der Dalsen- Alm. Direkt bevor man es erreicht, zweigt links ein Forstweg zur Hofbauernalm ab. Der etwas längere, aber schönere Weg führt uns jedoch geradewegs zur aussichtsreichen Wiese, wo man am Zaun erneut einen Wegweiser zur Hofbauernalm findet. Hier überwindet man den Zaun nach links und wandert flach auf einem Weg über die Wiese in den Wald zu einer Forststraße. Auf ihr gut 150 Meter nach links bis zu einem Wegweiser. Hier verlässt man die eintönige Forststraße nach rechts und wandert auf dem breiten Fahrweg zur Dalsen- Diensthütte. In der Kehre nahe der Hütte geht es geradeaus weiter, nun auf einem schmalen Karrenweg. Durch ein Waldstück auf eine Lichtung. Der nun schmale Pfad dreht am Ende nach links ein und führt über eine Schneise sowie durch lichten Wald – zum Schluss unter Felswänden hindurch – hinauf zum Almgelände der Hofbauernalm (1379 m). Dort trifft man auf die Forststraße, die einen geradewegs zu den Almhütten führt. Nun beginnt der zunächst weglose Gipfelanstieg. Von den Hütten ziemlich gerade nach Norden (zum Berg hin) und über die Almwiesen empor. Nach etwa 300 Metern erreicht man den Waldrand. Hier hält man nach einem unauffälligen Holzschild mit der Aufschrift „Zum Gipfelkreuz“ Ausschau. Eventuell muss man an dieser Stelle ein wenig suchen, doch das Schild markiert den Beginn von Pfadspuren. Hat man die entdeckt, leiten sie einen hinauf zum Kamm, den man etwas rechts vom Gipfel erreicht. Wiederum findet man ein Schild „zum Gipfelkreuz“ und wendet sich nach links in die leichten Schrofen, durch die der Steig zum Kreuz hinaufführt. Vorsicht, dahinter bricht die Wand ca. 200 Höhenmeter senkrecht ab.

ABSTIEG – 1. Auf dem Anstiegsweg. 2. Natürlich kann man den im Abstieg bequemeren Forstweg benutzen. Dazu bleibt man bei der Hofbauernalm auf der Straße, die einen in Serpentinen hinunter zur Abzweigung bei der Dalsen-Diensthütte führt. Auch hier kann man die Sache etwas beschleunigen, wenn man rechts abbiegt (Ww. Hainbach) und über einen Forstweg zum Beginn des Klausgrabens abkürzt.

TOURDATEN – 850 Höhenmeter; Aufstieg: 2,5 Stunden; Abstieg: 1,5 bis 2 Stunden. Kostenloser Download eines PS-Track unter www.tourentipp.de

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