+
Wunderbare Ausblicke gewährt der Stolzenberg (1604 Meter) über das Valepper-Tal zum dunklen Spitzingsee und hinüber zur formschönen Brecherspitz.

Spritztour am Spitzingsee

Immer über die Kämme

Bei Wanderungen im Spitzinggebiet denkt man gleich an Rotwand, Jägerkamp oder Aiplspitz. Die Berge südwestlich des Spitzingsees sind dabei etwas in Vergessenheit geraten.

Aufgereiht wie eine Perlenkette schmiegen sich diese Gipfel um den See. Bei näherer Betrachtung sind sie wie geschaffen für eine abwechslungsreiche Rundwanderung. Wer es entspannt und umweltfreundlich mag, nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Bahnverbindung über Miesbach existiert schon seit 1869 und ist dem König von Bayern, Maximilian II., zu verdanken.

Mit der Bahn kamen damals auch die ersten Ausflügler in die Region: 2000 Skifahrer zählte man an Feiertagen bereits im Jahre 1907. Aber erst ab 1949 schwebte man im neu erbauten Sessellift auf den Stümpfling-Gipfel. Roßkopf, Rotkopf und Stolzenberg punkten mit blumenreichen Almwiesen, luftigen Bergwäldern und interessanten Kammwegen. Nur der Stümpfling ist wegen seiner Liftanlagen keine Schönheit und bleibt während der heutigen Rundtour unberührt.

Zu Beginn folgt man dem Valepper-Almen-Rundweg hinein in den weiten Wiesengrund des Valepp-Tales. Dort, wo der Haushamer Bach das Tal erreicht, geht’s auf einem ordentlich steilen Wirtschaftsweg im Hochwald empor. Im wunderschönen Wiesenkessel bei der Unteren Haushamer Alm hat man sich eine erste Verschnaufpause verdient. Gemütlicher und mit freiem Blick auf die formschöne Brecherspitz erreicht man später die Weideflächen der Grünsee-Alm. Nun steigt man einen behäbigen Wiesenrücken hinauf, entdeckt etwas unterhalb den Grünsee und erreicht schließlich den Roßkopf-Gipfel.

Roßkopf, Rotkopf und Stolzenberg punkten mit blumenreichen Almwiesen, luftigen Bergwäldern und interessanten Kammwegen.

Auf dem Bankerl beim Kreuz genießt man einen herrlichen Blick zum langgestreckten Hinteren Sonnwendjoch (1986 m), zum Einzelgänger Guffert (2195 m) und zum spitzen Blankenstein (1768 m). Die Route verläuft südwärts über einen Wiesenkamm in lichten Wald hinein. Über Stock und Stein, oft rechts unterhalb vom Kamm schlängelt sich der Pfad dahin. Konzentriert setzt man Tritt für Tritt und merkt dabei gar nicht, dass man bereits die steile Flanke des Rotkopfs gequert hat, ohne den höchsten Punkt zu erreichen. Wer das kleine Waldgipfelchen unbedingt mitnehmen will, darf den unscheinbaren Abstecher hinauf zum höchsten Punkt nicht übersehen. Richtung Stolzenberg geht’s nach einem Sattel steil über Wurzelwerk bergauf. Plötzlich entlässt einen das Gehölz auf den grasigen Gipfel und man macht große Augen. Am Horizont verschwimmen im Dunst die Konturen der Zentralalpen und man rätselt, wo die verschneiten Gipfel enden und die Wolken am Himmel beginnen. Dann spaziert man durch einen alpinen Garten: hie und da ein Felsblock, dort ein Blumenpolster, da ein paar Baumgruppen auf einer Wiese. Ganz nebenbei passiert man die beiden Gipfel des Stolzenbergs. Abrupt senkt sich der Weg und führt durch eine steindurchsetzte, erdige Rinne, doch schon wenig später erfreuen einen wieder schönste Blumenwiesen. Bald steht man erneut vor der Unteren Haushamer Alm und kann während einer kurzen Rast die Wanderstrecke über den Kämmen nochmals in Augenschein nehmen...

Von Doris Neumayr

RUNDTOUR ÜBERM SPITZINGSEE

ANFAHRT – A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Auf St 2073 bis Miesbach. Hier auf B 307 über Schliersee Richtung Bayrischzell. Nach Neuhaus rechts Richtung Spitzingsee (ausgeschildert). Nach dem Tunnel links auf den Parkplatz Kirche (4 Euro). Bahn: BOB 955 bis Fischhausen/ Neuhaus, Stundentakt; www.bayerischeoberlandbahn. de, Weiterfahrt mit RVO-Bus 9562 bis Spitzingsee.

TOUR – Rundtour Roßkopf (1580 m), Rotkopf (1602 m), Stolzenberg (1604 m, 1610 m). Im Gipfelbereich schmale, markierte Bergwege ohne technische Schwierigkeiten, nach Regen morastig und bei Gewitterneigung nicht zu empfehlen. Trittsicherheit erforderlich (evtl. Wanderstöcke). Höhenmeter (inkl. Gegenanstiege): 800 m, Gehzeit Rundtour: ca. 4 bis 4,5 Std., Gehstrecke gesamt: 11 km. Verlauf: Vom Parkplatz zum Südende des Sees. Auf der Straße rechts über eine Brücke (kurz Richtung Stümpflingbahn), dann gleich links in „Roßkopfweg“.

Man folgt dem Wirtschaftweg (Ww. Valepper-Almen-Rundweg) über Almwiesen in den Talgrund (dort entdeckt man die Albert-Link- Hütte, die aber nicht passiert wird). Bei einer großen Kreuzung mit Schilderbaum zieht ein Wirtschaftsweg rechts steil im Wald aufwärts (Ww. Roßkopf). Es öffnet sich ein Wiesenkessel bei der Unteren Haushamer Alm (privat, unbewirt., 1320 m).

An einer Kreuzung rechts (Ww. Roßkopf – Grünsee-Alm) und gleich wieder nach rechts. Ein Wirtschaftsweg führt an einem grasigen Hang entlang zu den frei gelegenen Hütten der Grünsee-Alm (privat, unbewirt., 1378 m). Nach der letzten Hütte leitet ein Pfad einen Wiesenrücken hinauf zum Roßkopfgipfel. Man folgt dem rotweiß markierten Wiesenpfad südwärts (Ww. Stolzenberg).

Der Rücken verschmälert sich, im Auf und Ab etwas unterhalb am Kamm entlang. Man quert die waldige Gipfelflanke des Rotkopfs. Nach einem lichten Sattel weiter zum flachen, aber schmalen Stolzenberg-Gipfel. Nach einer Bergwiese passiert man den zweiten Stolzenberg-Gipfel (1609 m). Um einige Felsblöcke herum und dann steil eine kurze grobsteinige Rinne hinab. Über Bergwiesen und durch Wald, bevor man wieder zu den Wiesen der Unteren Haushamer Alm kommt. Ab hier auf bekannter Route zurück (oder 10 Min. Abstecher zur Albert-Link-Hütte, 1053 m).

Kurzvariante: Mit Stümpfling-Sesselbahn zum Stümpfling (1506 m). Von dort Schildern Roßkopf folgen (ca. 25 Min.)

INFO – 1. Albert-Link-Hütte (1053 m), ganzjährig geöffnet, Mo Ruhetag (außer Feiertag); Tel. 08026 / 71264. 2. Stümpfling-Bahn vom 20.7. – 6.10., tägl. 9 – 16.30 Uhr, T.: 0 80 26 / 929 22 30; www.alpenbahnen-spitzingsee.de

KARTE – Kompass 8, Tegernsee – Schliersee.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Alles dabei? So packen Sie den Rucksack für die Wanderung richtig
Was gibt es Schöneres, als einen Tag in der Natur zu verbringen? Damit der Ausflug in die Berge nicht zum Desaster wird, hier ein paar Tipps.
Alles dabei? So packen Sie den Rucksack für die Wanderung richtig

Kommentare