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Tiefblicke: Direkt oberhalb der Schlüsselstelle – einer Felswand – kann man weit hinunter auf den Spitzingsee schauen.

Abseits am Spitzingsee

Abenteuerliche Tour auf die Brecherspitz

Einsame Pfade, spärliche Spuren, eine Kraxelei über einen Felsriegel: Wer die Brecherspitz über den Südostgrat besteigt, sollte sich auf ein kleines Abenteuer einstellen. Die Belohnung? Eine beeindruckende Aussicht...

Spitzingsattel: schwierige Variante über den Südostgrat

Zum Glück sieht man das grüne Schild erst, wenn man das Gipfelkreuz der 1683 Meter hohen Brecherspitz fast erreicht hat. In dicken, weißen Großbuchstaben steht darauf: „Kein Abstieg, Lebensgefahr“. Huiuiui! Das klingt bedrohlich! Aber keine Sorge, der Südostgrat vom Spitzingsattel wird nur im Auf-, nicht im Abstieg begangen – und dann ist die Sache nur noch halb so wild. Ganz klar, im Vergleich zu den beiden Normalanstiegen auf die Brecherspitz (entweder von Schliersee-Neuhaus über den Nordgrat oder von den Firstalmen im Westen) ist die hier beschriebene Variante über den Südostgrat deutlich schwieriger.

Einsame Route

Aber mit etwas Gespür für die Wegfindung und passablem Kletterkönnen hat der Bergsteiger, der einsamere Routen schätzt, damit keine Probleme, sondern pure Freude. Was es auf dieser Tour nicht gibt, sind bunte Markierungs-Farbkleckse oder irgendwelche Hinweisschilder. Selbst in Wanderkarten finden sich keine klaren Hinweise. Aber braucht’s das alles?

Unscheinbare Pfade, spärliche Spuren

Im oberen Teil ist die Routenfindung sowieso eindeutig. Und am Startpunkt, dem Spitzingsattel, heißt es: Sinne schärfen, weg von den beschilderten „Mainstream-Wegen“. Kleine Steinmandl, Richtung Gipfel verklemmte Aststücke und eigentlich nicht zu übersehende Pfad- und Trittspuren weisen den Weg. Die erste Hürde ist der Einstieg in die Tour. Die beginnt direkt am Spitzingsattel auf der Westseite an der Schranke, wo der Weg zur Oberen Firstalm (im Winter eine Rodelbahn) ausgewiesen ist. Hier kommen wir im Abstieg runter – rauf dagegen geht es unmittelbar rechts von der Schranke: Ein unscheinbarer, nicht markierter Pfad zweigt hier in den Wald ab.

Kurze Kraxelei über sechs Meter hohen Felsriegel

Über umgestürzte Bäume geht es, den anfangs etwas spärlichenSpuren folgend, am Kamm entlang auf einem alten Jägersteig durch den Bergwald, der sich allmählich lichtet. Nach einer halben Stunde und einer Rechtskehre steht man vor der Schlüsselstelle der Tour: einem etwa sechs Meter hohen Felsriegel. An dieser Stelle existiert keine Alternative – entweder rauf oder, wer sich die kurze Kraxelei nicht zutraut, zurück. Wirklich schwierig ist die fast senkrechte Felspassage nicht. Etwas ausgesetzt, ja. Aber klettertechnisch nicht mehr als der erste Grad in der UIAA-Skala. Das heißt: konzentriert die Füße setzen, mit den Händen hinlangen, das war’s. Bergauf einfacher als man denkt, bergab für Unversierte sicher ein ernstes Problem – deshalb steht das warnende Schild am Gipfel.

Immer am Grat entlang

Dorthin verläuft der Rest der Tour nun ohne Schwierigkeiten: auf einem gut ausgetretenen Pfad immer am Grat entlang oder links davon. Ein halbes Stündchen noch, dann zeigt sich über der finalen Latschengasse der Gipfel.

Beeindruckende Aussicht

Die Aussicht von der Brecherspitz ist prima: der Spitzingsee auf der einen, der Schliersee auf der anderen Seite, das Hintere Sonnwendjoch im Süden. Und in der Ferne das Rofangebirge. Damit ist der leicht abenteuerliche Teil beendet, denn der Abstieg verläuft auf markierten Pfaden zur Oberen Firstalm und von dort auf dem Fahrweg zurück zum Spitzingsattel. In puncto Orientierung und Geländeschwierigkeit ein echter Kontrast zum ungewöhnlichen Aufstieg, der der Runde aber die besondere Note gibt...

Von Martin Becker

BRECHERSPITZ (1683 METER)

ANFAHRT

A 8 München – Salzburg, Ausfahrt Weyarn. Von dort via Miesbach und Schliersee hinauf zum Spitzingsee. Parkplatz direkt am Spitzingsattel auf der linken Seite beim Brotzeitstüberl.

TOUR

Aufstieg: Bei der Schranke am Spitzingsattel direkt rechts hinaus (keine Markierungen!) in den Wald, dann auf altem Jägersteig Richtung Südosten bis zur Felswand. Diese in einfacher Kletterei empor und weiter entlang des Südostgrats zum Gipfel.

Abstieg: Vom Gipfel nach Südwesten über teils drahtseilgesicherte Stellen zur Bergstation des ehemaligen Skilifts und weiter auf Bergpfad zur Oberen Firstalm. Von dort nach Osten auf breitem Fahrweg zurück zum Spitzingsattel. Gehzeiten/Distanz: 550 Höhenmeter, je knapp 1,5 Stunden für Auf- und Abstieg.

Charakter/Schwierigkeit: Der Aufstieg verlangt guten Orientierungssinn, absolute Trittsicherheit und Kletterkönnen im ersten Grad. Bei Nässe ist von der Tour abzuraten. Anspruchsvolle Bergwanderung mit tollem Ausblick.

EINKEHR

Berggasthof Obere Firstalm
83727 Spitzingsee (1375 m)
Tel.: 0 80 26 / 73 02
www.firstalm.de
Täglich von 10 bis 17 Uhr, kein Ruhetag

KARTEN

Achtung, Tour ist nicht eingezeichnet!

DAVKarte BY15 (Mangfallgebirge Mitte - Spitzingsee, Rotwand, 1:25.000), Kompass-Karte 8 (Tegernsee - Schliersee, 1:50.000), Freytag & Berndt WKD 6 (Tegernsee - Schliersee - Mangfallgebirge, 1:50.000).

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