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Laufend zu einer besseren Gehirnleistung: Ausdauersport steigert nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Fitness – das haben Mediziner jetzt mit einer Studie belegt.

Gehirnforschung weist nach

Sport trainiert auch die grauen Zellen

München - Herz, Kreislauf, Muskulatur, Koordination – wer sich sportlich betätigt, steigert seine Fitness. Eine aktuelle Studie der Universität Bochum belegt nun auch die positive Wirkung von Sport fürs Gehirn.

Gehirnmasse wächst durch Sport

Die Erfolgs-Formel könnte sein: Durch regelmäßigen Sport wird der ganze Organismus besser durchblutet und der Stoffwechsel angeregt sowie die Produktion bestimmter Proteine angeregt. Das wiederum führt dazu, dass Nervenzellen wachsen und sich verstärkt untereinander vernetzen. Versuche mit sogenannten Alzheimer-Mäusen haben in der Vergangenheit zudem gezeigt, dass ein Sportprogramm ihr räumliches Orientierungsvermögen steigert. Andere Studien – aus den USA – fanden derweil im Hinblick auf Demenz heraus, dass ohne Sport die Gehirnmasse schrumpft. Bleibt sie also mit Sport erhalten? Nein, mehr noch: Sie wächst! Das ist das entscheidende Ergebnis einer aktuellen Studie.

Vor allem Ausdauersport vergrößert Hirnvolumen

Die Mediziner der Universität Bochum haben in ihrer Untersuchung unter der Leitung von Professor Tobias Schmidt-Wilcke entdeckt, dass Leistungssportler in bestimmten Hirnregionen mehr graue Substanz haben als Nichtsportler. Für ihre Studie verglichen die Neurologen anhand von Kernspintomografien die Gehirne von 13 Ausdauersportlern (vor allem Marathonläufer und Triathleten), 13 Kampfsportlern (Judoka und Karateka) sowie zwölf „bekennenden Nichtsportlern“, wie Schmidt-Wilcke erläutert. Das Ergebnis, das jetzt in Leipzig bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie präsentiert wurde: Im sogenannten supplementären motorischen Areal (SMA) wiesen die Sportler deutlich mehr graue Substanz auf als die Nichtsportler. Bei den Ausdauersportlern (nicht bei den Kampfsportlern) fanden die Forscher zusätzlich in einer Struktur des Temporallappen im Hippocampus mehr graue Substanz als bei den Nichtsportlern. Das Interessante daran ist die Zunahme der grauen Zellen: Speziell Ausdauersport vergrößert offenbar das Hirnvolumen.

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Auch erwachsene Gehirne veränderbar

„Lange dachte man, dass sich das erwachsene Gehirn strukturell nicht mehr verändert. Mittlerweile wissen wir, dass etwa Lern- und Trainingsprozesse noch zu Veränderungen führen können“, erklärt Professor Schmidt-Wilcke. Mit weiteren Untersuchungen wollen der Neurologe und sein Team herausfinden, ob die Zunahme der grauen Substanz bei Leistungssportlern Auswirkungen auf andere Lebensbereiche hat. „Eine Arbeitshypothese wäre, dass die Zunahme der grauen Substanz im SMA die Leistung des Arbeitsgedächtnisses erhöht – also die Fähigkeit, schnell Informationen zu verarbeiten und Entscheidungen zu treffen.“

Bessere Reaktion und Konzentration durch Ausdauersport

Ausdauersport „formt“ also sogar noch im Erwachsenenalter das Gehirn. Weitere positive Effekte durch Sport sind durch ältere Studien belegt: In Illinois (USA) zum Beispiel ergab eine Untersuchung, dass körperlich fitte Menschen über höhere Reaktionsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit verfügen, deshalb weniger Fehler machen. Zu einem ähnlichen Resultat kamen Forscher der Uni Erlangen, die bei Senioren durch zügiges Walken einige Gehirnfunktionen wie Koordination, Reaktionsvermögen oder das Strukturieren von Dingen verbesserten. Und ein Forscherteam der Universität Ulm kam 2008 beim Pilotprojekt „Macht Laufen schlau?“ zu dem Schluss: Ja, die Gehirne von sportlich fitten Menschen arbeiten schneller und effektiver. Kurzum, wer seinen Geist in Schwung halten möchte, kommt um regelmäßigen Sport – der ganz nebenbei Stresshormone abbaut – kaum herum.

Von Martin Becker

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